Akuter Fachkräftemangel droht

Bildungsregion Ostallgäu will mit „Ausbildungsverbund Pflege“ reagieren

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Bis zum Jahr 2034 wird es im Ostallgäu circa 25 Prozent mehr Pflegebedürftige aber rund zehn Prozent weniger pflegende Angehörige geben.

Landkreis – Wie es allgemein und im Umgang mit der Corona­krise um die aktuellen Projekte der Bildungsregion Ostallgäu steht, erfuhren die Kreisräte des Ausschusses für Kultur, Bildung, Sport und Ehrenamt (KBSE) am vergangenen Montag. So stellte sich heraus, dass Covid-19 nicht die einzige Herausforderung ist, der es sich aktuell zu stellen gilt. Ein Schwerpunkt des Berichts war der demographische Wandel im Ostallgäu. Denn der Landkreis steuert auf einen konkreten Fachkräftemangel im sozialen und pflegerischen Bereich zu. Helfen soll nun ein „Ausbildungsverbund Pflege“, wie Maximilian Bogner, Sachbereichsleiter Soziale Entwicklung, erklärte. 

Der demographische Wandel im Ostallgäu sei ein „wichtiges und mehrfach diskutiertes Thema, in dem wir uns bereits mehrere Jahre befinden“, sagte Bogner. Die drohende Vergreisung im Ostallgäu sei bekannt und der Fachbereichsleiter verdeutlichte dies erneut mit signifikanten Zahlen. Um den Räten die Situation zu erklären, zog er die drei Jahre alte Bevölkerungsprognose des Instituts für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik heran. Diese besagt, dass in rund 20 Jahren etwa fünf Prozent mehr Menschen im Ostallgäu leben werden. Bis dahin wird die Anzahl der 60- bis 79-jährigen um 30 Prozent und der ab 80-jährigen um 46 Prozent steigen Dagegen sinkt der Anteil der 20 bis 59 Jahre alten Bürger um gut 19 Prozent. Das betrifft nicht allein die Schulentwicklungsplanung, erklärte der Sachbereichsleiter. Vor allem steuere der Landkreis auf einen Fachkräftemangel im Bereich Pflege zu. Bis zum Jahr 2034 wird es hier circa 25 Prozent mehr Pflegebedürftige aber rund zehn Prozent weniger pflegende Angehörige geben, zitierte Bogner eine Pflegebedarfsermittlung für das Ostallgäu. Dementsprechend wird die Suche nach professioneller Pflege steigen. Eine zukunftssichere Branche, fuhr Bogner fort, „da sie nur bedingt substituierbar ist durch Maschinen und Computerprogramme“. Aus diesem Grund rückte die Pflegebranche mehr in den Fokus der Bildungsregion, sagte der Referent.

Zukunftschance in Pflegeberufen

Ziel solle es sein, die jungen Menschen bei der beruflichen Orientierung darauf hinzuweisen, dass der Pflegeberuf eindeutige Zukunftschancen biete. Neben Marketingstrategien, um die Wertschätzung dieser Berufssparte zu fördern, wäre es möglich, einen „Ausbildungsverbund Pflege“ im Ostallgäu und Kaufbeuren zu gründen. „Wir haben es jetzt auf die Beine gestellt, einen solchen Verbund zu initiieren“, berichtete Bogner. Das bringe „alle Akteure, die mit der Ausbildung zu tun haben, eng zusammen“. Die Vorteile seien dann einheitliche Standards und ein höheres Bildungsniveau, weniger Bürokratie wie auch die Möglichkeit sich nach Außen zu präsentieren, zum Beispiel auf Messen oder im Internet.

Die Koordination liege beim Landkreis, auch für die Stadt Kaufbeuren. Dem Verbund sollen die beiden Fachschulen für Krankenpflege der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren und für Altenpflege des Bildungszentrums für Pflege, Gesundheit und Soziales Kempten angehören. Ebenso wie die Träger der praktischen Ausbildung mit jeweils drei Einrichtungen des Landkreises Ostallgäu und den Kliniken Ostallgäu-Kaufbeu­ren sowie acht Einrichtungen des BRK Kreisverbands Ostallgäu. Auch die Hochschule Kempten mit dem Studiengang Pflege zähle zu den Mitgliedern des Ausbildungsgemeinschaft.

Thema zukunftsfähig gestalten

Gemeinsam soll damit das Thema Pflege zukünftig offensiv und zukunftsfähig gestaltet werden, sagte Bogner. Auch landesrechtliche Fördermittel wurden bereits beantragt. Der Landkreis erhalte „sehr wahrscheinlich“ rund 24.000 Euro aus diesem Topf. Für die Koordination wurden dabei keine neuen Stellen geschaffen, sondern aus bestehenden personellen Ressourcen eingesetzt.

„Das kann uns hart treffen“, sagte Karina Fischer (CSU) zum Fachkräftemangel in den sozialen Berufen. „Das ist echt ein Dilemma und die Lösungen dafür fehlen uns jetzt.“ Denn gerade die Acht- und Neuntklässler der Realschulen hätten durch die Coronakrise nun ein massives Problem bei der Berufsorientierung. Ein Mangel, der jedoch bereits vor der Krise bestand, erwiderte Bogner. „Ohne den Zivildienst fehlt der Kontakt zu diesen Bereichen. Den jungen Menschen , nicht nur den männlichen, fehlen die Berührungspunkte zu dieser Branche“, gab der Sachbereichsleiter zu, dass sich mit der Pandemie und anderen Einflüssen noch weitere Herausforderungen an die Bildungsregion ergaben und noch ergeben werden.

Selma Höfer

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