Ohne fossile Brennstoffe

Biomasse als Energieträger in neuem Marktoberdorfer Stadtteil im Süden empfohlen

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Im neuen Marktoberdorfer Stadtteil im Süden auf dem ehemaligen Krankenhausareal favorisieren die Stadträte die Variante Biomasse.

Marktoberdorf – Im neuen Stadtteil im Süden Marktoberdorfs, wo auf dem ehemaligen Krankenhausareal 300 Wohnungen für bis zu 750 Menschen gebaut werden, werden keine fossilen Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas mehr eingesetzt. Für die fünf Höfe, die jeweils aus drei großen Wohnanlagen bestehen, wird Biomasse in Form von Holzpellets empfohlen.

Dr. Gernot Gräfe, Geschäftsführer der Firma Egrid GmbH in Kempten, hatte in der Sitzung Ende September ausführlich den Energienutzungsplan für das Areal vorgestellt. Der ist ein Instrument dafür, das Quartier städtebaulich nachhaltig zu entwickeln. Zugleich ist er ein erster Schritt zum aktiven Klimaschutz auf kommunaler Ebene.

Schon vor einem Jahr legte die Stadt den Grundstein dafür, dass so ein Energienutzungsplan erstellt wird. Im Mai 2019 erhielt sie den Förderbescheid und vergab den Auftrag an die Firma Egrid. Im Juli folgte ein Workshop, bei dem Anregungen vorgebracht wurden.

Der Wärme- und der Strombedarf

Gernot Gräfe von Egrid – das ist eine Tochterfirma der Allgäuer Überlandwerke – errechnete für jeden der fünf Wohnhöfe einen Nutzwärmebedarf von 226.000 Kilowattstunden im Jahr. Beim Strom seien es 170.000 Kilowattstunden. Die Empfehlung sei eine dezentrale Versorgung für jeden Hof.

Dafür brachte Gräfe drei Gründe. Erstens würden die Wohnanlagen in den fünf Höfen von unterschiedlichen Investoren errichtet. Zweitens würden sie zeitlich über mehrere Jahre versetzt gebaut. Und drittens sei in diesem Quartier gemäß der Bauleitplanung kein Platz für eine große zentrale Energieversorgung vorgesehen.

„Wirtschaftlich und nachhaltig“ sei die Biomasse, resümierte Gräfe, der vier Versorgungsvarianten verglichen hatte. Diese waren Gas, Biomasse, Erdwärmepumpe und Luftwärmepumpe. Eine Gasversorgung sei mit 212.000 Euro pro Hof zwar am günstigen zu installieren, würde aber 53 Tonnen Kohlendioxid verursachen. Das Heizen mit Pellets könne mit 244.000 Euro Investition pro Hof realisiert werden. Dabei sei der Ausstoß von CO2 auf sechs Tonnen pro Jahr zu beziffern.

Bei den Alternativen drei und vier, nämlich bei der Erdwärmepumpe und bei der Luftwärmepumpe, würde überhaupt kein CO2 ausgestoßen. Die Anschaffungskosten wären mit 509.000 Euro bzw. mit 305.000 Euro aber höher als bei der Biomasse.

Was in den Kaufvertrag aufgenommen wird

Ralf Baur, der Chef der Bauverwaltung, machte vor den Stadträten klar: Der Passus „Keine fossilen Brennstoffe“ werde im Kaufvertrag mit den Investoren verankert. Im Bebauungsplan werde es dazu keine Festsetzung geben. Offen lassen wolle man auch, ob Bauherren nicht doch gemeinsame Sache machen, indem sie zum Beispiel für zwei oder drei der insgesamt fünf Wohnhöfe eine gemeinsame, zentrale Energieversorgung anstreben.

Dafür, dass zusätzlich zur Biomasse auch dezentrale Blockheizkraftwerke eingesetzt werden, sprach sich Georg Martin von den Grünen aus. Wärme und Strom zu kombinieren, sei „Zukunft pur“. Sein Antrag war die Vorgabe, es müsse Biomasse sein und es sollte ein Blockheizkraftwerk sein; das wurde mit fünf zu 17 Stimmen zurückgewiesen. Schließlich waren 20 der 22 Anwesenden im Gremium dafür, „eine dezentrale Variante der Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe zu favorisieren“ und dies mit klarer Empfehlung zur Biomasse den künftigen Bauherren (Immobilienträgern) als Leitfaden an die Hand zu geben.

Die Leitlinie sei „richtig“, kommentierte Dr. Andrea Weinhart von den Freien Wählern. Aber man solle keine Details vorschreiben: „Wer weiß, wo wir in zehn Jahren stehen?“ Vroni Diepolder (CSU) sagte, dass man bei aller Klimafreundlichkeit auch beachten müsse, dass es für die Investoren noch wirtschaftlich darstellbar bleibe. Werner Moll (Stadtteile aktiv) war dafür, dass Schwedenofen oder Kachelofen in einer Wohnung noch möglich sind.

Erich Nieberle (SPD) erklärte: „Mir kommt das Thema Blockheizkraftwerk zu kurz“. Dem hielt Andreas Grieser (CSU) entgegen: Mit einer nicht funktionierenden Anlagentechnik könne man viel Geld vernichten.

Prognosen zur Elektromobilität

Zur Elektromobilität sagte Egrid-Chef Gräfe, dass im Jahr 2030 von 18 bis 51 E-Autos im künftigen großen Wohnquartier bei Markt­oberdorf auszugehen sei. Vier Fünftel der Ladevorgänge könnten zu Hause in der Tiefgarage erfolgen. Insgesamt sei im gesamten Krankenhausareal bei Abschluss der Bebauung von 420 Pkw auszugehen, prognostizierte der Referent. Aktuell sei die Pkw-Dichte in Marktoberdorf um zwölf Prozent höher als im bundesdeutschen Durchschnitt. Der liegt bei 555 Fahrzeugen für 1000 Personen.

Bei der Elektromobilität im Wohnquartier könne man zwei Wege beschreiten, gab Gräfe zu bedenken. Damit meinte er ein passives Vorgehen bzw. die proaktive Variante. Passiv heißt, eine Anschaffung erfolge auf Wunsch des Mieters, also auf private Initiative. Der dynamische Ausbau­pfad der Elektromobilität bedeute, dass eine private und öffentliche Ladeinfrastruktur baulich bereits vorbereitet und modular eingerichtet werde.

jj

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