"Bis 2,5 Promille ist der Normalfall"

2011 wurden bereits 12 Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung ins Kaufbeurer Klinikum eingeliefert - viele davon während der Faschingstage. Foto: Frisch

Seit rund einem Jahr läuft in Kaufbeuren das Projekt „HaLT – Hart am Limit“, das die Eindämmung des Jugendalkoholismus zum Ziel hat. Grund: Der Alkoholkonsum hat bei den Minderjährigen in den letzten Jahren tendenziell wieder stark zugenommen, wie Werner Maurer, der stellvertretende Leiter des örtlichen Jugendamtes, nun auf der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses betonte. Dort stellte er zusammen mit Bernadette Bonczinski von der Suchtberatungsstelle der Caritas erste Ergebnisse und Fallzahlen von HaLT vor.

Maßgeblich war dabei unter anderem die Anzahl der ins Klinikum Kaufbeuren eingelieferten alkoholisierten Jugendlichen. Zwar sei hier mit insgesamt 44 Einlieferungen in 2009 und 35 Einlieferungen in 2010 in den vergangenen Jahren ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen gewesen, man habe aber leider feststellen müssen, dass in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres schon zwölf junge Menschen wegen ihres exzessiven Konsums ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mussten – überdurchschnittlich viele davon am Rosenmontag. „Dabei fallen zwei Dinge besonders auf“, wie Bernadette Bonczinski feststellte: „Einmal sind Jugendliche beiderlei Geschlechts betroffen, zum anderen stimmen die gemessenen Blutwerte bedenklich.“ So seien Werte zwischen 1,5 und 2,5 Promille der Normalfall, einer habe es sogar schon mal auf weit über drei Promillie geschafft. Trotzdem könne man davon ausgehen, dass die wenigsten Jugendlichen im Alltag tatsächlich ein Alkoholproblem hätten. „Meist handelt es sich um einen einmaligen, exzessiven Missbrauch, häufig im Zusammenhang mit Faschingsumzügen oder anderen Veranstaltungen“, so die Expertin. Ziel von HaLT sei es demnach auch nicht, die jungen Menschen zur totalen Abstinenz anzuhalten, sondern vielmehr einen „gesunden Umgang“ mit alkoholischen Getränken zu vermitteln. In Zusammenarbeit mit dem Klinikum werden die Mitarbeiter des Projekts in akuten Fällen aktiv, besuchen den Jugendlichen im Krankenhaus und sprechen mit den Eltern, die laut Bonczinski oft sehr hilflos und beschämt reagierten. Eine Weiterleitung ans Jugendamt sei übrigens nur in den seltensten Fällen nötig. Ein anscheinend nicht unerheblicher Punkt: „Das ist für viele Eltern sehr wichtig, die befürchten, nach einem solchen Vorkommnis als behördlich registrierter Problemfall behandelt zu werden.“ Neben den Fallbeschreibungen wurde auf der Sitzung auch die präventive Projektarbeit von HaLT vorgestellt, zu der die Zusammenarbeit mit vielen örtlichen Institutionen wie dem Klinikum, der Caritas, den Krankenkassen oder dem Landratsamt gehört. Im Rahmen der bundesweiten Präventionswoche „Alkohol – weniger ist besser“ (21. bis 29. Mai 2011), an der sich HaLT mit verschiedenen Aktionen in Kaufbeuren und Marktoberdorf beteiligt, wird unter anderem am 27. Mai um 18 Uhr ein „Beach Summer Opening“ im Jugendtreff Neugablonz stattfinden. Weitere Infos zur Aktionswoche gibt es unter www.aktionswoche-alkohol.de, zudem sollen Pressehinweise zu den einzelnen Veranstaltungen in den nächsten Wochen folgen.

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