"Blaue Briefe" gibt es auch vom Amt

Selbst auf Statis- tiken scheint kein Verlass mehr zu sein: Untersucht wurde der Alkoholkunsum bei Jugendlichen in 409 kreisfreien Städten und Landkreisen in Deutschland. Heraus kam dabei, dass Kaufbeuren nach der oberfränkischen Stadt Hof und Brandenburg an der Havel angeblich auf Platz drei rangiert. „Dies trifft nicht zu“, wehrt sich Dr. Gert Peter Strunk, Leiter des Kaufbeurer Ordnungs- und Sozialreferates, jetzt bei einer Pressekonferenz im Kaufbeurer Rathaus.

Kaufbeuren und seine Jugendlichen seien nicht auffälliger als Jugendliche in vergleichbar anderen großen Städten. Statis- tisch gesehen liege die Wer- tachstadt im Regierungsbezirk Schwaben im Mittelfeld. Doch niemand wolle das Thema unter den Tisch kehren, vielmehr setzen „wir als Stadt ein Signal, dass wir keinen Alkoholmiss- brauch bei Jugendlichen wollen“, sagt Strunk. Daher wurde 2006 eine Arbeitsgruppe zum Thema Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen eingerichtet, die einen Maßnahmenkatalog erstellt hat: In dem präventiven Teil fließen die in der praktischen Anwendung und im Austausch mit anderen Städten gewonnenen Neuerungen ein. Während im repressiven Teil beispielsweise ein generelles Alkoholverbot im öffentlichen Raum ausgesprochen wurde. Sobald alkoholisierte Kinder oder Jugendliche in der Stadt aufgegriffen werden, versendet das Jugendamt so genannte „Blaue Briefe“ an die Eltern. 20 bis 30 solcher Briefe werden pro Jahr, laut Alfred Riermeier, Leiter des Jugendamtes, verschickt. In härteren Fällen werden die Eltern sogar einbestellt. Im Normalfall wird neben dem Blauen Brief ein Gespräch mit den Eltern geführt. Ein klärendes Gespräch mit „entsprechenden Empfehlungen“ führt auch Dr. Thomas Rubens, Chefarzt der Kinder- und Jugendabteilung am Klinikum Ostallgäu/Kaufbeuren, mit den Eltern von Kindern und Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bis August dieses Jahres waren dies in Kaufbeuren 33 Jugendliche – davon 19 Kaufbeurer. „Doch kein einziges Kind ist wiederholt in der Klinik gelandet“, sagt Dr. Rubens. Das Problem beim Alkohol sei, dass er in der „Erwachsenenwelt gesellschaftsfähig“ sei, betont Dr. Rubens. Und Bruno Dangel, Abteilung öffentliche Sicherheit und Ordnung, ergänzt: „Der Problembereich sind die Erwachsenen, die für die Kinder den Alkohol besorgen.“ Neben allen Maßnahmen, die die Stadt und die Polizei ergreift, wie Bußgeldver- fahren, müsse sich auch die Öffentlichkeit darüber bewusst sein, dass in die Präventionsarbeit Geld reingesteckt werden müsse, sind sich die Anwesenden einig. Sicheres Neugablonz „Es ist in den Köpfen, aber es entspricht nicht der Realität“, sagt Riermeier in Bezug auf die Sicherheitslage in Neugablonz. 2001/2002 habe es in dem Kaufbeurer Stadtteil eine „angespannte Lage“ gegeben, die sich einfach bis heute in den Köpfen festgesetzt hat, so Dr. Strunk. Auch Reinhard Janko, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Kaufbeuren, belegt mit Zahlen, dass es ruhiger geworden ist. „Die Zahlen sind teilweise signifikant zurückgegangen.“ So habe beispielsweise von vier Raubüberfällen im gesamten Stadtgebiet Kaufbeuren nur einer in Neugablonz stattgefunden. „Gleich wenn sich Jugendliche irgendwo in Neugablonz versammeln, werden sie als Bedrohung wahrgenommen“, betont Riermeier.

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