Weiterhin der Gang zum Wertstoffhof

Es bleibt beim grünen Sack – Holsystem vor 2024 nicht möglich

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Auch in den nächsten Jahren wird im Ostallgäu der Plastikmüll im grünen Sack entsorgt und zum Wertstoffhof getragen. Eine Umstellung zur gelben Tonne ist frühestens 2024 möglich.

Ostallgäu – Der verantwortliche Systemträger, die Duale System Deutschland GmbH (DSD), hat in Verhandlungen mit dem Landkreis eine Umstellung auf die gelbe Tonne und das Holsystem für den Zeitraum 2021 bis 2023 ausdrücklich ausgeschlossen.

An der Entsorgung der Leichtverpackungen per grünem Sack und Bringsystem wird sich im Ostallgäu bis 2024 nichts ändern.

Die Ostallgäuer Bürger werden also mindestens vier weitere Jahre ihre grünen Säcke zu den 45 Wertstoffhöfen im Kreis transportieren müssen.

Zwar hat es im vergangenen Jahr eine Meinungsumfrage gegeben, in der sich ein relativ großer Teil der Bürger für die gelbe Tonne und das Abholsystem ausgesprochen hatte. Allerdings habe die anvisierte Umstellung auf das Holsystem eine unerfreuliche Wendung genommen, wie Landrätin Maria Rita Zinnecker im Ausschuss für Kreisentwicklung sagte. Yvonne Nissen, Leiterin für kommunale Angelegenheiten im Landratsamt, erklärte, dass völlig unvorhersehbar der für den Landkreis zuständige Systemträger RKD Mitte 2019 seinen Betrieb eingestellt hätte. 

Daraufhin habe der Landkreis für mehrere Monate jeglichen Ansprechpartner verloren – bis sich das Duale System Deutschland gemeldet und sich als neuer Verhandlungspartner vorgestellt hatte. Weil nun sehr rasch Ausschreibungen für die verschiedenen Entsorgungsleistungen bis Ende 2023 erfolgen müssten, sei von Seiten der DSD eine Neuausrichtung auf die gelbe Tonne derzeit nicht in Erwägung gezogen worden, sagte Nissen deutlich.

Sie räumte ein, dass der Landkreis zwar die Möglichkeit habe, die Einführung der gelben Tonne zu erzwingen. Dann drohe allerdings unter Umständen ein langwieriges Gerichtsverfahren. Yvonne Nissen äußerte sich dagegen optimistisch für den Ausschreibungszeitraum 2024 bis 2026. „Da sind die zeitlichen Vorgaben für eine sachgerechte Prüfung und Verhandlungen zur Umstellung günstig.“ Kreisrat Manfred Bönisch (Die Grünen) forderte in diesem Zusammenhang, die Bürger stattdessen für mehr Mülltrennung und Müllvermeidung zu sensibilisieren. Thomas Pihusch (Freie Wähler) pflichtete dem bei und appellierte, in Sachen Klimaschutz auf die eigene Bequemlichkeit zu verzichten.

Abfallwirtschaft Landkreis Ostallgäu – Abfallgebühren bleiben auch 2020 auf gleichem Niveau

Die Abfallwirtschaft war auch Gegenstand der Haushaltsberatung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Umwelt am vergangenen Freitag. Trotz relativ niedriger Gebühren verfügt das Ostallgäu über ein breit aufgestelltes Entsorgungssystem. Es hat 53 Sammelstellen für Wertstoffe (45 Wertstoffhöfe und acht Gartenabfallsammelstellen) und kümmert sich um die kostenfreie Entsorgung von rund 30 Wertstoffen.

Insgesamt sind 2020 Aufwendungen für die Abfallwirtschaft in Höhe von rund 10,5 Millionen Euro geplant. Die Erträge aus der Abfallwirtschaft sollen bei rund 9,8 Millionen Euro liegen, so Kreiskämmerer Robert Pöschl. Die Differenz wird der Landkreis erneut aus Rücklagen finanzieren, die sich Ende 2020 dann auf vermutlich rund 970.000 Euro reduziert haben. Für die Haus- und Biomüllabfuhr hat der Landkreis fürs kommende Jahr rund 2,8 Millionen Euro veranschlagt, für die Entsorgung von 18.100 Tonnen Haus-, Sperr- und Gewerbemüll plant der Landkreis mit Kosten in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro. Weitere Aufwendungen sind der Betrieb der Wertstoffhöfe (rund 1,3 Millionen Euro), der Betrieb und die Verwertung von rund 14.000 Tonnen Grüngut (rund 740.000 Euro) und die Beseitigung anderer Wertstoffe (816.000 Euro). Auf der Einnahmenseite stehen hier größere Posten wie die Grundgebühr in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro sowie die Leistungsgebühr für Rest- und Biotonnen in Höhe von rund 4,6 Millionen Euro, mit denen Kreiskämmerer Robert Pöschl für 2020 rechnen kann. Landrätin Maria Rita Zinnecker bestätigte, dass die Gebühren für die Abfall­entsorgung vorerst nicht steigen, sondern auf gleichem Niveau beibehalten würden.

Unzulässige Entsorgung

Wegen unzulässiger Abfallentsorgung muss der Kreiskämmerer im Rahmen des Umwelt- und Wasserrechts größere Aufwendungen einplanen. Weil eine Gärtnerei in Rieden-Zellerberg die Kosten für die Entsorgung von asbesthaltigem Fensterkitt und Pflanzenschutzmittel verseuchtem Boden voraussichtlich nicht tragen kann, springt vorübergehend der Landkreis mit einer Ersatzvornahme und Leistungen in Höhe von mehr als 300.000 Euro ein. „Wir müssen leider mit stark ansteigenden Kosten im Rahmen von Ersatzvornahmen für unzulässige Bauschuttablagerungen und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen rechnen“, erklärte Birgit Osterried, Leiterin der Abteilung Immissionsschutz im Landratsamt.

Angelika Hirschberg

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