Zwei Jahre und neun Monate

Böses Erwachen: Zeitsoldat wegen Vergewaltigung an Ostallgäuerin verurteilt

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Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein Soldat eine Zufallsbekannte vergewaltigt hat.

Kaufbeuren – Wegen Vergewaltigung wurde ein 31-jähriger Aachener vom Amtsgericht Kaufbeuren zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der zu dem Zeitpunkt auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst stationierte Zeitsoldat hatte sich im Juni 2017 an einer damals 19-jährigen Ostallgäuerin vergangen, während sie schlief.

Laut Anklage hatte er die junge Studentin beim Feiern in einem Kaufbeurer Club getroffen und angeboten, sie nach Hause zu fahren, nachdem zu später Stunde ihre Freunde bereits gegangen waren und sie keine Möglichkeit hatte, nach Hause zu kommen. Zusammen sind sie dann zur Kaserne gelaufen, wo er zunächst seinen Autoschlüssel holen wollte. In der Unterkunftsstube, wohin er sie vorschriftswidrig mitgenommen hatte, angekommen, sei die Situation dann umgeschlagen: Da er zu viel getrunken habe, wolle er zuerst eine Runde schlafen und sie später heimbringen. Daraufhin habe er Annäherungsversuche unternommen, die sie nach eigenen Angaben klar abgelehnt habe. So habe er versucht, sie zu küssen; sie habe ihm aber zu Verstehen gegeben, dass sie das nicht möchte und bereits in einer Beziehung sei. Zunächst habe es auf sie gewirkt, als ob er es „verstanden hätte“. Auf seinen Vorschlag, in der Zwischenzeit einen Film zu schauen und sich dazu zu ihm ins Bett zu legen, sei sie in dem Moment trotz Widerwillen eingegangen, „damit er Ruhe gibt“. Außerdem sei sie in ihrem angetrunkenen Zustand sehr müde gewesen und so schon nach kurzer Zeit eingeschlafen. Als sie später aufgewacht sei, habe sie in dem „kurzen, benommenen Moment zuerst nicht realisiert, was da gerade passiert“. In einer Art Dämmerzustand habe sie wahrgenommen, dass der Mann sie vergewaltigt, ihn gefragt, was er da mache und sei dann wieder eingeschlafen. Erst später, als es schon vorbei war, sei sie wieder zu sich gekommen und „wollte sofort da raus“. Ein Freund hatte sie dann nach Hause gefahren.

Aus Scham geschwiegen

Anzeige wollte die junge Frau zunächst nicht gegen den Mann erstatten, weil sie sich für ihren Leichtsinn geschämt habe, wie die junge Frau auf Nachfrage des Richters vor Gericht äußerte. Sie schwieg vor allem aber aus Angst, ihr Jura-Studium nicht antreten zu können, weil sie befürchtete, dass der Vorfall sich negativ auf ihre Eignung auswirken könnte. Erst einige Monate später öffnete sie sich einer Freundin. Als Zeugin sagte diese in der Verhandlung aus, dass die Geschädigte in der Zeit nach der Tat nicht mehr so gesprächig war, weniger fröhlich wirkte als sonst. Auf die Frage nach ihrer Verfassung zum Tatzeitpunkt sagte sie vor Gericht, dass sie zwar „gut angetrunken“, aber „Herr ihrer Sinne“ gewesen sei.

Widersprüchliche Angaben

Zu den Tatvorwürfen machte der Angeklagte lange Zeit keine Angaben, erst spät in der Verhandlung beteuerte er, die Tat nicht begangen zu haben und angesichts der Beschuldigung „aus allen Wolken gefallen“ zu sein. Er sei glücklich verheiratet, „ein friedliebender Mensch“ und würde einer Frau „nie so etwas antun“. Aus welchem Grund er versucht habe, die Frau zu küssen, nachdem er sie mit auf sein Zimmer nahm, konnte der nervös wirkende Angeklagte auf Nachfrage des Richters nicht so recht beantworten und verstrickte sich in Widersprüche. Es habe Stress mit seiner zu dem Zeitpunkt schwangeren Frau gegeben und er habe lediglich „nette Kontakte knüpfen“ wollen. Dies sei auch der Grund gewesen, weshalb er die junge Frau, bevor sie die Kaserne verließ, nach der Telefonnummer fragte. Warum er, als er mit dem Vorwurf der Vergewaltigung konfrontiert wurde, nicht das Bedürfnis hatte, gleich etwas zu sagen, erklärte er damit, dass er auf Anraten seines Verteidigers zunächst keine Angaben machte.

Detailreiche Erinnerungen

Ein erstaunlich gutes Erinnerungsvermögen bewies dagegen die junge Frau: Sie konnte sich genau an den Tathergang erinnern, den Täter identifizieren und hatte auch bei der Begehung des Geländes, wie die Polizeibeamtin vor Gericht bestätigen konnte, das Zimmer „zielsicher wiedergefunden“. Einziger Anlass zum Zweifel gab die Schilderung der Frau, wieder eingeschlafen zu sein, kurz nachdem sie bemerkte, dass der Mann sich an ihr vergeht. Dem Gutachten des Gerichtsmediziners zufolge sei es durchaus plausibel, dass im ermüdeten, alkoholisierten Zustand ein Dämmerzustand zu Tage tritt, in dem Außenreize nicht mehr wahrgenommen werden, jedoch folge in einem solchen Schockmoment normalerweise ein Adrenalinstoß, der einen in einen Wachzustand versetze. Ob möglicherweise sogar K.o.-Tropfen oder Schlafmittel im Spiel waren, konnte nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die vom Verteidiger in den Raum gestellte Hypothese, dass sie den Geschlechtsverkehr geträumt haben könnte, hielt das Gericht für sehr unwahrscheinlich. Es habe sich wohl eher um einen „Verdrängungsmechanismus“ seitens der Frau gehandelt.

Der Staatsanwalt sah daher „keinen Grund, Zweifel an den Schilderungen zu haben“. Dagegen sei der „späte Einwurf“ des Angeklagten und seine Angaben „schwer nachvollziehbar“, sein Motiv „exotisch“. Auch aus Sicht des Richters seien die Schilderungen der Frau mit ihren „detailreichen Erinnerungen“ glaubwürdig. Sie habe auch keinen Belastungseifer erkennen lassen. So hatte das Gericht keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte, der seine Karriere als Bundeswehrsoldat an den Nagel hängen musste, „die Situation ausgenutzt“ und die Tat begangen hat. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

von Mahi Kola

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