Freistaat hat bewusst keinen Kranz geschickt

Bosse und Sylwia Pohl legen Kränze nieder zum Gedenken an die Vertriebenen

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OB Stefan Bosse und Eva-Marie Wagner (Trompete,Tochter von Wolfgang „Waggi“ Wagner) bei der Kranzniederlegung.

Kaufbeuren-Neugablonz – Am Ehrenmal beim Neugablonzer Friedhof hatte sich am zweiten Septembersonntag trotz der unangenehmen Witterung ein kleines Häuflein Aufrechter eingefunden, als dort Kränze in symbolischen Farben zum Gedenken an die Vertriebenen niedergelegt wurden: ein rot-gelber von der Stadt Kaufbeuren durch Oberbürgermeister Stefan Bosse und ein grün-weißer vom Gablonzer Heimatkreis durch dessen 2. Vorsitzende Sylwia Pohl.

Anstelle einer Abordnung von der Musikvereinigung Neugablonz umrahmte Eva-Marie Wagner ganz allein die knapp eine Viertelstunde dauernde Veranstaltung mit dem Riesengebirgs-, dem Isergebirgs- und dem Böhmerwald-Lied auf ihrer Trompete. Und anders als zum Beispiel 2017 wehten keine Fahnen, es gab keine Ehrenwache und der Freistaat Bayern hatte bewusst keinen Kranz geschickt.

Denn die Diskussion, wann denn nun der eigentliche Termin des „Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation“ ist, dauert in Kaufbeuren an: Laut Wikipedia gilt der erst 2014 in Bayern, Hessen und Sachsen behördlich dafür festgesetzte zweite Septembersonntag immer noch. Daran – auch wenn Informationen aus Wikipedia nicht immer der Weisheit letzter Schluss sind – hält sich OB Bosse. Die Bayerische Staatskanzlei dagegen begeht das Gedenken inzwischen an einem Sonntag Ende Juni (wir berichteten). Bayern hat sich 2016 offiziell dem übrigen Bundesgebiet angeschlossen, wo der Gedenktag ab 2015 auf den 20. Juni gelegt wurde.

Bis 2016 erfolgte bei uns eine feierliche Kranzniederlegung für alle Kriegsopfer lediglich am Volkstrauertag. Seit dem Jubiläumsjahr „70 Jahre Neugablonz“ wurden auch – parallel zum neuen Bürgerfesttermin – am zweiten Septembersonntag Kränze speziell für die Vertriebenen beim Ehrenmal niedergelegt.

Bosse meinte in seiner Ansprache, das Leid der Vertreibungs-Opfer dürfe nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn die Erlebnisgeneration von Jahr zu Jahr schrumpfe. Wichtig sei, dass der Opfer weiterhin gedacht werde – unabhängig vom Datum eines ohnehin willkürlich festgesetzten Gedenktages – und man sich beständig daran erinnere, dass solche Greuel hier nicht mehr geschehen dürfen.

von Ingrid Zasche

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