OB Stefan Bosse zieht Halbzeitbilanz: "Wir sind auf einem guten Weg"

Alles im schwarzen Bereich

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Im Süden Schatten und im Norden Sonne: OB Stefan Bosse könnte sich folgende Aufteilung vorstellen: Links parken und rechts in der Sonne flanieren und dinieren.

Kaufbeuren – Oberbürgermeister Stefan Bosse denkt nicht in schwarz-weiß sondern in schwarz-rot.

Rot sind die weniger schönen Ereignisse, mit denen die Stadt in der Vergangenheit zu kämpfen hatte, und schwarz sind eben die positiven. So zumindest steht es auf dem Handout des OB vermerkt, anlässlich seiner Zwischenbilanz zur Halbzeit seiner aktuellen Amtszeit. Derzeit sieht der OB jedenfalls jede Menge schwarz und freut sich über die positive Tendenz. Zwar seien die Rahmenbedingungen nach wie vor schwierig, aber er könne mehr Erfolge als Rückschläge verzeichnen. Mit Blick auf seine bisherigen 12,5 Jahre Amtszeit ist sich Bosse sicher: „Wir haben nichts liegen lassen, was uns weiterbringen kann“. Er selbst sei ein Oberbürgermeister für alle, egal welcher politischer Couleur. Wichtig sei nur, es müsse Kaufbeuren voranbringen.

Als den größten „Schicksalsschlag“ Kaufbeurens bezeichnete Bosse den Tag, an dem bekannt wurde, dass der Fliegerhorst geschlossen werde. Jedoch schiebe sich der Schließungstermin immer weiter nach hinten. Inzwischen wurde entschieden, die Fluglotsen-Ausbildung im Rahmen einer zivil-militärischen Kooperation am Fliegerhorst zu halten, und auch weitere, am Standort bestehende Teile sollen bleiben, dafür setzen sich zumindest Politiker auf allen Ebenen aktuell ein. „Wir werden das Thema Bundeswehr immer positiv begleiten, egal was kommt“, erklärte der Rathauschef. Darüber hinaus wolle die Stadt, laut Bosse, das südliche, rund 15 Hektar große Areal des Fliegerhorstes für Gewerbeansiedlungen entwickeln. Wichtig sei, dass Arbeitsplätze für Kaufbeuren entstehen. Auch die Bundeswehr habe signalisiert, der Stadt bei Bedarf entgegenzukommen und etwaige Flächen schon vor der Schließung freizugeben.

Mit Blick auf die großen Projekte wie etwa Sanierung Fußgängerzone, neues Eisstadion, Erweiterung Feuerwehrhaus oder Sanierung und Erweiterung des Jakob-Brucker-Gymnasiums sei die Stadt von der Arbeitskapazität her aber auch finanziell stark gefordert. So steige die Nettoneuverschuldung auf 45 Millionen Euro. „Das ist viel für Kaufbeuren und darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden“, betonte Bosse, wenngleich die Summe aber im Durchschnitt vergleichbarer Städte liege.

Bosse sei aber auch dankbar für die Unterstützung die Kaufbeuren nach der Schließungsentscheidung des Fliegerhorstes erfahren habe. So sei Bayerns Heimatminister Markus Söder des Öfteren in der Wertachstadt gewesen und auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer habe inzwischen den Weg nach Kaufbeuren gefunden. Er dankte aber auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der sich neben vielen anderen lokalen politischen Vertretern für den vierspurigen Ausbau der B12 stark gemacht hätte. „Ich selbst habe nicht mehr daran geglaubt“, erinnerte sich Bosse. Jetzt zeichne sich ab, dass das Projekt innerhalb der nächsten sieben Jahre umgesetzt werde. Drei Anschlussstellen für Kaufbeuren seien denkbar, etwa im Süden der Stadt (Frankenrieder Straße), zentral beim bestehenden großen Kreisverkehr und im Norden bei Germaringen. Dies ermögliche in diesen Bereichen auch interkommunale Gewerbegebiete. Gespräche mit den jeweiligen Gemeinden würden bereits geführt.

Innenstadtentwicklung

Die Entwicklung der Innenstadt mit den wegbrechenden Einzelhändlern bezeichnet Bosse als „dramatisch“. Jedoch habe dies nichts mit den beiden im Bau befindlichen Fachmarktzentren zu tun. „Innenstädte verändern ihre Funktion“, betonte Bosse. In Kaufbeuren zeigten sich mittlerweile neue Fußgängerströme und ein verändertes Einkaufsverhalten. Diesen Wandel müsse die Stadt konstruktiv begleiten. So müsse das Thema Wohnen und Parken im Sinne einer „vitalen Stadt“ mehr in den Fokus gerückt werden. Deshalb plant Bosse einen sogenannten Innenstadtbeirat mit Vertretern aus Handel und Anwohnern, ein Sonderförderprogramm Gewerbeflächen und Initiativen zur Umnutzung von Gewerbeflächen beispielsweise als Wohnraum oder Parkplätze. Zusätzlich bedarf es Gestaltungsideen bezüglich der Kaiser-Max-Straße. Es sei ein Fehler gewesen, Kaufbeurens Prachtmeile damals nicht zur Fußgängerzone gemacht zu haben, betonte Bosse. Jetzt gebe es so viele unterschiedliche Befindlichkeiten, dass eine Umwidmung nicht ohne Weiteres mehr möglich sei. Dennoch müsse das bestehende Konzept der Kaiser-Max-Straße auf den Prüfstand. Er könne sich durchaus vorstellen, die Sonnenseite (Norden) den Fußgängern und der Gastronomie zu widmen und die Schattenseite (Süden) dem Verkehr und Parkmöglichkeiten zuzuschlagen. (Foto)

In diesem Zusammenhang thematisierte Bosse auch die Anbindung des zukünftigen Forette-Centers an die Altstadt. Der Rathaus­chef sieht hier aber keinen Zeitdruck: „Es gilt eine gute Lösung vor einer schnellen zu finden“. Die Verwaltung habe den Auftrag diverse Lösungen zu prüfen. Darunter fällt auch eine Anbindung entlang des Schwanenweihers. Zu klären seien jedoch noch Eigentumsverhältnisse und bauliche Erfordernisse. Denkbar sei für Bosse aber auch eine Art Rolltreppe am Rathaus-Parkhaus entlang. Für ihn stellt sich aber die Frage: Bringt das mehr Menschen in die Altstadt? Denn Bosse macht keinen Hehl daraus, dass das Forettle-Center in seiner Ausstrahlung „überbewertet“ werde: „Das wird der Altstadt weder schaden noch diese retten.“

OB will weitermachen

Auch nach 12,5 Jahren Amtszeit ist Bosse nicht amtsmüde. Ihm mache sein Job Spaß und er liebe die Herausforderungen. Nach Ende der aktuellen Amtszeit 2020 wird Bosse 55 Jahre alt sein. „Dies ist kein Alter um ans Aufhören zu denken. Mein Platz ist in dieser Stadt“, betonte Bosse abschließend.

Von Kai Lorenz

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