Premiere in Waal: Von den heiteren Massenszenen zu den ergreifenden Dialogen

Ein Brandner Kasper voller Kontraste

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Der Brandner (Helmut Greisl) verfehlt in der zweiten Dorfszene das Ziel. Links der Boinlkramer (Dietmar Ledel).

Waal – Die „G’schicht vom Brandner Kasper“ ist – das zeigte die Premiere am Samstagabend vor 400 Gästen und Besuchern im Passionsspielhaus – in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Bei der Übersetzung aus dem oberbayerischen in den allgäu-schwäbischen Dialekt haben Spielleiter Florian Werner und die zwei Hauptdarsteller Helmut Greisl (als Brandner) sowie Dietmar Ledel (als Boanlkramer) keinesfalls zu dick aufgetragen.

Die Mundart klingt wohltuend und ist auch für Gäste jenseits des Lechs verständlich. Vor allem aber ist es eine Inszenierung voller Kontraste – von heiteren Massenszenen bis zu ergreifenden Dialogen, die das Publikum nachdenklich stimmen.

Samstagabend vor dem Passionsspielhaus. Die Abendsonne erwärmt den Platz vor dem großen Gebäude, als Werner Rahn, der Vorsitzende der Passionsspielgemeinschaft, die gut 400 Premierengäste willkommen heißt, darunter auch politische Prominenz. MdL Thomas Goppel, in guter Tradition nun zum achten Mal Schirmherr in Waal, charakterisiert den Brandner Kaspar – egal in welcher Fassung – gar als „Idealgeschichte Bayerns“.

Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer findet, die Geschichte sei heutzutage „so aktuell wie eh und je“. Spielleiter Florian Werner stimmt die Besucher auf das zweieinhalbstündige Spiel ein. Der Brandner Kasper wehre sich lange mit Händen und Füßen gegen den Tod, folge dann aber dem Boanlkramer doch in den Himmel. Bei allen humorvollen Szenen halte das Stück für die Besucher doch auch „nachdenkliche Fetzen“ bereit.

Viele Szenen, die nachdenklich stimmen

Nachdenkliche Fetzen? Weit untertrieben. Es sind sogar ganze Szenen, die das Publikum am Premierenabend so in den Bann ziehen, dass es selbst beim (sehr häufigen) Schließen des Vorhangs nur zaghaft oder gar nicht Beifall klatscht. Intensiv sind in den letzten zwei Wochen wichtige Dialoge noch geschärft worden. Nach der heiteren Dorfszene auf der großen Bühne mit Tanzlmusik, bei der sowohl der Bürgermeister als auch der Brandner mit dem Gewehr zum Vergleich an der Schützenscheibe anheben, ist im nächsten Bild die kleine Schlafkammer mit der sterbenden Traudl Brandner der krasse Gegensatz.

So ist es auch später im Stück. Diese Waaler Inszenierung – bei der die Nebenschauplätze in Tirol mit den beiden Brandner-Söhnen eine inhaltliche Bereicherung sind, ergreifend, wie vorne der Brandner im Scheinwerferkegel den Brief des Tiroler Kommandanten liest und hinten der Boanlkramer im Dunkeln die Gefallenen einzeln vom Schlachtfeld holt – setzt voll auf die Kontraste. Das ist auch nach der Pause so, nachdem er das erste Mal beim Karteln ausgeschmiert wurde und der Boanlkramer erneut ausgesendet wird, um den Brandner Kasper ins ewige Leben heimzuholen. Nach der fröhlichen Szene im Himmel mit der Engelsschule und dem Schutzengelstammtisch geht der Dialog der Hauptdarsteller in Brandners Stube unter die Haut.

Überzeugende Laiendarsteller

Die Laiendarsteller agieren routiniert, sie überzeugen. Allen voran Dietmar Ledel als Boanlkramer, bei dem jedes Wort, ja jede Silbe, jeder Gesichtsausdruck, die Gestik und die Körperbewegung wie bei einem Profi sitzen. Helmut Greisl gibt in starker Präsenz einen humorvollen, dann grantigen, manchmal aufsässigen und einen pfiffigen Brandner Kasper.

Unter den fast 100 Mitwirkenden auf der Bühne sind auch der Erzengel Michael (gespielt von Michael Klein) und der Petrus (Michael Daigeler) mit ihren markanten Stimmen ebenso hervorzuheben wie die Grindlalmbäuerin (Anita Birgmeier), die im Himmel einen phänomenalen Kurzauftritt hat. Anspruchsvoll ist die Rolle der Margret (Kathrin Völk), die mit ihrem Baby vom in Tirol gefallenen Brandner-Sohn Toni (Benedikt Hornung) den gerührten Großvater Brandner besucht.

Etwas untergegangen ist bei der Premiere der erste Dialog bei der Eröffnung zwischen Brandner und Pfarrer (Werner Demmler) in der Dorfszene. Die heiteren Einwürfe ganz hinten beim Schutzengelstammtisch kommen in der Premiere manchmal zu schnell, sind schwierig zu verstehen. Bei der neuen Fassung in Waal klingt das Geschehen im Himmel – von den Halleluja-Rufen des Aloisius (Konrad Alt) mal abgesehen – ohne Musik aus; da dürfen gern einige Takte himmlischer Töne eingespielt werden.

Der Brandner Kasper – er ist nicht mit der Passion oder mit dem Franziskusspiel vergleichbar. Und dennoch hat auch er einen religiösen Hintergrund. Nach der Premiere mag man sogar sagen: Der kommt erst recht in dieser neuen Waaler Inszenierung voll zur Geltung.

Vorverkauf

Karten gibt es bei der Passionsspielgemeinschaft Waal e. V., Theaterstraße 7, in 86875 Waal. Telefon 08246/969001, Mail info@brandnerkasperwaal.de, Internet www.brandnerkasperwaal.de.

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag jeweils von 9 bis 12 Uhr

Termine:

Sa./So. 28./29.4.2018

Sa./So. 5./6.5.2018

Sa./So. 12./13.5.2018

Pfingstferien

Sa./So. 9./10.6.2018

Sa./So. 16./17.6.2018

Sa./So. 23./24.6.2018

Sa./So. 30.6./1.7.2018

Beginn:

Samstag jeweils 19.30 Uhr

Sonntag jeweils 16 Uhr

jj

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