Der Brennpunkt "Neuer Markt"

Die geplante Neugestaltung des Zentrums von Neugablonz löst aktuell heftige Diskussion bei den Bewohnern des Stadtteils aus. Im überfüllten kleinen Saal des Gablonzer Hauses versuchte am Montag Oberbürgermeister Stefan Bosse den aufgebrachten Bürgern die bereits vom Stadtrat beschlossenen Entscheidungen näher zu bringen. Bereits im August sollen die Arbeiten auf der Grünfläche am Neuen Markt beginnen.

Schon seit 1998 wird darüber diskutiert, welche Möglich-keiten es gibt, das Zentrum von Neugablonz aufzuwerten. Dazu wurde vor einigen Jahren ein Realisierungswettbewerb mit mehreren Architekturbüros durchgeführt. Der auf den ersten Platz gewählte Vorschlag, „das kleinste Übel“, so Stadtrat Georg Kollmeder, wurde dann weiterentwickelt. Eingeflossen sind dabei auch Anregungen einer Lenkungsgruppe, der Repräsentanten von verschiedenen Institutionen und Vereinen des Stadtteils angehörten. Entstanden ist ein Gesamtkonzept mit sieben Bauabschnitten, das schrittweise verwirklicht werden soll und den gesamten Bereich von der Hauptkreuzung über die Grünfläche am Neuen Markt bis zum Gablonzer Haus und die Perlengasse hinein sowie den Bereich vor der Post umfasst. Für das Komplettpaket schätzt Ulrich Hofmair, Leiter des Kaufbeurer Tiefbauamtes, mit Kosten von bis zu fünf Millionen Euro. Im Fokus des Bürgerinteresses steht jedoch zunächst der erste Bauabschnitt, also die Umge-staltung der Grünfläche des Neuen Marktes. Hierfür sind im städtischen Haushalt Kosten in Höhe von rund 500000 Euro angesetzt, erklärt Hofmair auf Nachfrage des KREISBOTE. Die Stadträte haben sich bereits für eine Gestaltungsvariante ent-schieden. Diese Pläne erörterte Oberbürgermeister Bosse am Montagabend den etwa 160 Zuhörern, darunter zahlreiche Stadträte, im kleinen Saal des Gablonzer Hauses. Demnach war vorgesehen, von den vor-handenen Bäumen fünf Stück zu fällen und elf neue Bäume zu pflanzen. In etwa in Größe der Krone soll jeweils um die Bäume herum Sand ge-streut werden. Der Rasen soll weich-en. Dafür soll ein wasserdurchlässiger Asphalt im selben Farbton wie der Sand bei den Bäumen einen schönen Platz-charakter entstehen lassen. Dass die Wiese und mehrere Bäume verschwinden sollen, erzürnt jedoch die Gemüter vieler Neugablonzer, was sich in zahlreichen Äußerungen widerspiegelte. “Das ist die grüne Lunge von Neugablonz”, meint Stadtführerin Hannelore Singer. Als „Mini-Park, der als Hunde-Klo genutzt wird“, be-zeichnet Stadtrat Karl-Georg Bauernfeind die derzeitige Situation. Das „Blühende“ solle nicht verloren gehen, wünscht sich Eva-Maria Simon vom Ortsbildungausschuß. „Eine Wiese wird hier zur Glaubensfrage gemacht“, zeigt sich Oberbürgermeister Bosse zwischenzeitlich verärgert. „Positiv umzudenken”, fordert ein 42-jähriger Neugablonzer auf, der sich auf einem veränderten Neuen Markt mehr Veranstaltungen wie das Bürgerfest vorstellen kann. Ein junger Lehrer wünscht sich auf dem neuen Platz Spielgelegenheiten für seine Kinder. Nach einer hitzigen, rund zweistündigen Diskussion bittet Stefan Bosse darum, per Handzeichen aufzuzeigen, welche Variante die Besucher bevorzugen. Nur etwa fünf Prozent wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Etwa 40 Prozent favorisieren moderate Veränderungen, wie mehr Bänke und Wege, und wollen jedoch mindestens die Hälfte der Rasenflächen erhalten. Knapp 20 Prozent heben für die Idee der Stadt ihre Hand. Oberbürgermeister Bosse macht abschließend deutlich, dass der Widerstand der Bürger an sich zu spät kommt, da die Entscheidungen bereits getroffen wurden. Er verspricht aber auch, das Meinungsbild der Informationsveranstaltung dem Stadt-rat vorzutragen und sich für den Erhalt der Bäume einzusetzen, die auf der Fäll-Liste stehen, sowie den Erhalt von Rasenflächen, beispielsweise um die Bäume herum, zu überlegen. Ob und in welcher Form der erste Bauabschnitt wie geplant von August bis Oktober 2010 durchgeführt werden kann, wird in den kommenden Wochen beschlossen.

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