Das Schlagwort vom "Bürgerwald 2050"

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Mit Sichtachse zur Kirche St. Martin: Wanderweg auf der Buchel, hier von Süden her fotografiert.

Marktoberdorf – Sie ist eine bewaldete Anhöhe mitten in Marktoberdorf, die sowohl der Forstwirtschaft als auch der Naherholung dient: Die zwölf Hektar große Buchel muss mit Blick auf den Klimawandel umgestaltet werden. Andere Baumarten, darunter auch mediterraner Herkunft, sollen dort vermehrt gepflanzt werden. Die Buchel unterliegt in den nächsten Jahrzehnten mehr als bisher einem Wandel. Der langjährige Förster Harald Husel prägte, als die Stadträte kürzlich ausgiebig zu dem Thema informiert wurden, das Schlagwort vom „Bürgerwald 2050“.

Der Klimawandel mit veränderten Temperaturen und Niederschlägen sei die Herausforderung für die Zukunft, sagte Förster Husel, als er im Ausschuss für Stadt­entwicklung, Wirtschaft, Tourismus und Umwelt referierte. Bei den Baumarten sei die Fichte der Verlierer und die Tanne der Gewinner. Noch Ende der 1980er Jahre gab es auf der Buchel, die von der FBG (Forstbetriebsgemeinschaft) bewirtschaftet wird, einen reinen Fichtenbestand.

Auf dem Weg „vom Stadt- zum Bürgerwald“ käme dem Dialog zwischen Stadt, Fachleuten und der Bevölkerung große Bedeutung zu. Für Bürger stünde das Gemeinwohl und der Umweltgedanke im Vordergrund, meinte Förster Husel. Die Bewirtschaftung, sprich Anpflanzen, Pflege, Fällen und der Verkauf von Holz, seien nicht so im Fokus. Wie viele urbane Wälder sei auch die Buchel „ein Erholungswald“.

Dass inzwischen Vielfalt bei den Baumarten herrscht, zeigte der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG), Thomas Worm, in seinem Referat auf. Er ging explizit auf die Situation in verschiedenen Quartieren auf der Anhöhe ein. So erwähnte Worm den bunten Laubwald auf der Ostseite, wozu auch alte Buchen und Lärchen mit bis zu 180 Jahren gehören, ebenso wie das „Buchel-Schatzkästlein“ mit vielen Baumarten, ebenfalls am Abhang Richtung Osten.

Freilich verwies der Geschäftsführer der FBG Marktoberdorf auch auf „Auflösungserscheinungen“ in einem Jungwald; die Worte münzte er auf das Eschensterben. Eine Herausforderung sei auch der Borkenkäfer, der nach dem Sturm Niklas (März 2015) vor allem Fichten angreife. In einem Quartier im Südwesten herrsche eine bizarre Stimmung mit Kiefern, Ulmen und Efeu. Buchen stehen dort in Gruppen.

Mit Blick auf den „Bürgerwald 2050“ müsse der planmäßige Umbau vollzogen werden. Arten wie die Buche und Tanne seien vermehrt einzubringen. Vereinzelt gelte es dunkle Zonen mit einem „Tunnelblick“ aufzulösen. Auch sei am Rand des Waldes die Sichtachse zum Schloss zu wahren.

Bauhofleiter Thomas Follner wartete mit Zahlen dazu auf, welche Bedeutung die Buchel für die Stadt hat. Dort befindet sich auch die Wasserversorgung mit einer Fläche von einem knappen halben Hektar für die Stadtwerke. 60 Prozent des kostbaren Nass für Markt­oberdorf kämen von der Buchel. Das Wegenetz hat mehr als 5000 Meter, knapp die Hälfte davon ist asphaltiert.

Laut Bauhofleiter Follner werden Baumkontrollen an Waldwegen einmal im Jahr vorgenommen. Im Umfeld der Spielgeräte werden die Bäume vierteljährlich in Augenschein genommen. Auf der Buchel gibt es zwei Spielplätze. Insgesamt sind 15 Ruhebänke, 13 Abfallbehälter und drei Boxen für Hundekot aufgestellt.

Stadträtin Ulrike Wieser (SPD) sprach die Verschattung auf Grundstücken zwischen der Füssener Straße und der Ostseite der Buchel an. Förster Husel antwortete, ein bisschen mehr Sonne und ein bisschen mehr Wärme seien ein „berechtigtes Anliegen“ der Anwohner. Die Bäume seien 30 bis 50 Meter hoch. Um eine Änderung herbeizuführen, müsse man beträchtlich abholzen. Das sei auch nicht gewollt.

Christian Vávra (Die Grünen) bezeichnete die Buchel als „grüne Lunge“ von Marktoberdorf. Sie sei wichtig für die Luftreinheit. Der Umbau des Waldes trage zum Klimaschutz bei. „Diese Aufgabe ist bei Ihnen in guten Händen,“ wandte er sich an die Referenten von FBG und Bauhof.

1892 wurden die ersten Bäume auf der Anhöhe gepflanzt. 1907 wurde auf der Buchel – der Begriff steht für Hügel – die Wendelinskapelle gebaut. Nach dem Krieg wurde der Baumbestand erweitert. Aus dieser Zeit ist auch das Mahnmal der Sudetendeutschen. 1984 erfolgte die Weihe des Rübezahlbrunnens. Seit 2011 gibt es den neuen Spielplatz.

jj

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