Verdreifachung der Kosten: Fast 17 Millionen Euro für Baumaßnahme veranschlagt

Kostenexplosion bei Bahnbrücke

Bahnbrücke Buchloe
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Die Bahnbrücke in der Mindelheimer Straße ist über 120 Jahre alt. Sie ist marode und wird von Stadt, Landkreis und Deutscher Bahn erneuert.
  • Martina Staudinger
    VonMartina Staudinger
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Buchloe – Statt der bisher veranschlagten 5,5 Millionen Euro kalkuliert die DB Netz jetzt mit 16,86 Millionen Euro für die Erneuerung der Bahnbrücke in der Mindelheimer Straße. Diese Nachricht sorgte in der Bauausschusssitzung vergangene Woche für Aufregung. Trotz dieser massiven Kostensteigerung empfahlen die Mitglieder letztlich dem Stadtrat, der Vorplanung zuzustimmen. Wenige Tage vorher hatte auch der Kreisausschuss grünes Licht gegeben.

Die Bahnbrücke aus dem Jahr 1895 muss aufgrund vielfacher Mängel dringend saniert werden. Ein Neubau wird als die nachhaltigste, wirtschaftlichste und kostengünstigste Lösung erachtet. Die Maßnahme ist als gemeinsames Projekt der DB Netz, der Stadt Buchloe und des Landkreises Ostallgäu aufgrund der verschiedenen Zuständigkeiten geplant. Buchloes Bürgermeister Robert Pöschl (CSU) bezeichnete sie als komplexes „Jahrhundertprojekt“, das ebenso lange halten solle wie die bisherige Eisenbahnüberführung. Er fügte an, dass es dringlicher sei als die Verlegung der Karwendelstraße, die in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts angegangen werde.

Grund der Mehrkosten

Die erheblich höheren Kosten seien auch für die Deutsche Bahn schockierend gewesen, gestand Bernhard Blass seitens der DB Netz. Idrissa Naon, der verantwortliche Projektleiter bei der DB Netz, erläuterte den Ausschussmitgliedern den Grund der Kostensteigerung. In den zunächst angesetzten Berechnungen fehlten beispielsweise die Kosten für die Grundwasserwanne und die aufwändigen Oberleitungsarbeiten. Dass Signale im Brückenbereich versetzt werden müssen, wurde zunächst genauso wenig kalkuliert wie der Umfang der Kabelhilfsbrücke. Jetzt allerdings sei bei Ortsterminen alles gründlich untersucht worden. Ganz nachvollziehen konnte Franz Lang (FWV) die Kostensteigerung trotzdem nicht. „Wir werden gezwungen, mitzumachen“, kommentierte er. Die Mehrkosten seien nur im Vergleich zum ersten genannten Betrag überraschend, meinte Pöschl. In Anbetracht der Komplexität des Bauwerks würden jetzt realistische Zahlen präsentiert. „Nun wird es konkret, kompliziert und auch teuer. Da werden der Landkreis und die Stadt Buchloe ganz schön gefordert“, hatte Landrätin Maria Rita Zinnecker im Kreisausschuss gesagt.

Noch zu klären ist bei der Kostenschätzung, wie die anteilige Berechnung für die Baulastträger ausfallen wird. Die Bahn geht davon aus, dass 70,7 Prozent der Kosten auf den Landkreis und die Stadt zukommen. Bei einer ersten Kostenberechnung mit der Annahme, dass eine 75-prozentige Förderung bereitgestellt wird, prognostiziert das landkreiseigene Tiefbauamt knapp fünf Millionen Euro an Baukosten für Landkreis und Stadt.

Baubeginn im März 2025

Neben den Kosten stellte Ingenieur Naon dem Buchloer Bauausschuss auch die Zeitschiene vor. Vor drei Jahren war noch erwartet worden, dass 2021 gebaut wird (wir berichteten). Im September 2024 soll nach aktuellem Stand eine Baufirma beauftragt werden und im März 2025 mit dem Bau beginnen. Die Bauphase wird voraussichtlich bis November desselben Jahres dauern. Während dieser Zeit ist es notwendig, die Mindelheimer Straße zu sperren. Was das für den Verkehr in Buchloe bedeutet, ordnete Benjamin Leinsle (CSU) ein: „Das ist nicht irgendeine Brücke, sondern die einzige innerstädtische Verbindung zwischen Ost und West.“ Der Bürgermeister ist sich der großen Einschränkungen bewusst, die durch eine funktionierende Umleitung gemanagt werden sollen. Fußgänger könnten die Unterführung am Bahnhof nutzen. Für vier Wochen wird es laut Naon auch erforderlich sein, den Bahnbetrieb zu stoppen.

Weiter, breiter, höher

Entgegen der ursprünglichen Planung werden die Abmessungen der neuen Eisenbahnüberführung mit 14,30 Metern lichte Weite doppelt so weit wie bisher, damit die Straße für den kompletten Schwerlastverkehr passierbar ist. Unter der Brücke verläuft aber nicht nur die Fahrbahn für den motorisierten Verkehr, sondern links und rechts davon jeweils Geh- und Radwege. Weil die Mindelheimer Straße tiefer gelegt wird, ergeben sich auch für den Kreisverkehr im Westen ebenfalls bauliche Veränderungen. Laut Pöschl sind diese technisch definitiv umsetzbar. Die Geh- und Radwege würden jedoch nicht auf Straßenniveau abgesenkt werden, damit sie weniger Gefälle bekommen. 4,50 Meter hoch wird der Bau und damit 20 Zentimeter höher als bisher. Bei 60 Zentimetern mehr als heute kommt das Bauwerk dann auf knapp 38 Meter Breite.

CSU-Stadtrat Leinsle warb nach den Ausführungen des Projektleiters dafür, sich als Stadt an den Kosten zu beteiligen und mit der Entscheidung „das Maximale“ für die Bürger herauszuholen. Auf die gesamte Nutzungsdauer gesehen seien die Kosten sogar als gering zu bezeichnen. Der Bürgermeister zeigte sich nach der Abstimmung erfreut über die einvernehmliche Zustimmung des Bauausschusses zu dem Projekt. In seiner gestrigen Sitzung beriet der Stadtrat (nach Redaktionsschluss) ebenfalls darüber. Wenn auch er in die Mitfinanzierung einwilligte, geht es für die Deutsche Bahn in die Detailplanung. Andernfalls hätte die Stadt kein Mitspracherecht am Projekt, gebaut würde aber ohnehin.

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