Alexander Moksel wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden

Buchloe ehrt einen Mäzen: Alexander Moksel

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Buchloe ehrte seinen Mäzen Alexander Moksel mit einer Feierstunde im der Staatlichen Realschule. In der ersten Reihe saßen seine drei Töchter Alexandra Passolt, Evi Trucksäß und Silvia Adani mit ihren Familien.

Buchloe – Es ist so wortwörtlich überliefert: „Meine liebe Frau und ich haben uns überlegt, was wir unserem Bürgermeister (zum Geburtstag) schenken können. Haben wir uns gedacht, schenken wir den Kindern von Buchloe einen neuen Kindergarten“. So geschehen bei einem Empfang zum 50. Geburtstag des damaligen Bürgermeisters Gert Daisenberger. Der großzügige Spender war niemand anderes als Alexander Moksel, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Zu seinen Ehren hatte sich Bürgermeister Josef Schweinberger auf Spurensuche begeben und zu einem Empfang in die Aula der Staatlichen Realschule eingeladen.

Dem Anlass angemessen hatte das Stadtoberhaupt seinen Frack und Amtskette angelegt, um die Ehrengäste, darunter viele Weggefährten von Alexander Moksel und die Familien der drei Töchter von Alexander Moksel zu begrüßen. Auch die Stadträte, Vereinsvorsitzenden, die Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft hatten sich in Schale geworfen, um den verstorbenen Ehrenbürger der Stadt ihre Referenz zu erweisen. Den musikalischen Rahmen gestaltete der Musikverein „Frohsinn Lindenberg“.

Alexander Moksels Mäzenatentum ist legendär in Buchloe. Bürgermeister Josef Schweinberger betonte in seiner Würdigung, die Aufzählung der Wohltaten sei mit Sicherheit lückenhaft. Alleine die Spende des ganzen Kindergartens St. Antonia bewegte sich in der Größenordnung von 3,5 Millionen D-Mark.

Der Ehrenbürger der Stadt wurde am 1. Februar 1918 im polnischen Ploczk geboren. Nach einer glücklichen Kindheit sollte, so Schweinberger, der junge Alexander die schlimmste Zeit seines Lebens erleiden. Als jüdischer Bürger war er vier lange Jahre im KZ interniert. Nach Buchloe kam er mit seiner Schwester Rema und seiner Schwägerin Sara Perel am Heiligen Abend 1945. Buchloe sollte eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Südamerika sein. Doch die Formalitäten dauerten länger. So kam es, dass Moksel in Buchloe blieb und am 20. April 1947 offiziell seine gewerbliche Tätigkeit als Schlachter begann.

Bereits ein Jahr später wurde mit dem Bau des ersten Schlacht­hofes in der Eschenlohstraße begonnen. Ein Gedenkstein erinnert heute noch an die Zeit des ersten Schlachthofes, der für viele Buchloer zum gesicherten Arbeitsplatz wurde. 1984 begannen die Planungen für den neuen Schlachthof in der Rudolf-Diesel-Straße, Betriebsbeginn war 1986. Ein Jahr später wurde der Familienbetrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Rathauschef betonte mit Stolz, Moksel sei einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer der Nachkriegszeit gewesen. Schweinberger sprach respektvoll von seinem „väterlichen Freund“.

Sein Leitsatz sei immer gewesen: „Meine Religion ist es, ein guter Mensch zu sein“. Diesem Motto sei Moksel sein ganzes Leben lang treu geblieben, sagte Schweinberger. Seine Spendenbereitschaft drückte sich nicht nur beim Kindergarten St. Antonia aus, der nach seiner Frau benannt wurde. Auch der Kindergarten in Wiedergeltingen wurde mit einer Spende von 15.000 Euro bedacht. Der Kindergarten in Waal bekam 1991 und 2001 einen neuen VW-Bus. Auch die Kindergärten in Lamerdingen und Dillishausen erhielten Spenden für die Anschaffung von Bussen für den Transport der Kinder aus den Ortsteilen.

Alexander Moksel spendete für Kanalisation in der Eschenlohstraße 50.000 D-Mark, kaufte der Freiwilligen Feuerwehr Ende der fünfziger Jahre eine Rettungsspreizschere, der viele Menschen ihr Leben verdanken. Auch das Funkalarmierungssystem der Feuerwehr wurde von ihm gekauft. „Kaufen sie es und schicken sie mir die Rechnung“, sei seine Standardansage gewesen, betonte das Stadtoberhaupt. Das konnte aber schon mal in die Hose gehen, erzählte Schweinberger in einer Anekdote. Der damalige Chefarzt des Krankenhauses hatte den Wunsch nach einer Anschaffung eines Computertomographen geäußert. Alexander Moksel hatte aber wohl nur „Computer“ verstanden und soll gesagt haben: „Kaufen sie ihn halt und schicken sie mir die Rechnung“. Die lautete dann, so Schweinberger, über 150.000 D-Mark, die anstandslos bezahlt wurden.

Zu den Begünstigten zählten auch die Buchloer Vereine, beide Kirchengemeinden, das Haus der Begegnung, Wasserwacht, Kolpinghaus aber auch Einzelpersonen, die in Not geraten waren. Dazu gehörte auch die Übernahme von Elternbeiträgen für Kindergärten, die Begleichung der Kosten für Kommunionkleider und -anzügen oder die Übernahme von Operationskosten im Ausland.

„Wir sind ihm unendlich dankbar“, sagte Schweinberger. Seine Spuren würden für immer in der Stadt sichtbar bleiben. Alexander Moksel verstarb am 21. Oktober 2010. Seine Grabstätte ist auf dem Buchloer Friedhof.

von Siegfried Spörer

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