Auch Bäume können umziehen

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Eine Spezialfirma transportierte den elf Meter hohen Walnussbaum zu seinem neuen Standort ins Gewerbegebiet Buchloe Südost IV. Unser Foto zeigt den Transport auf der Münchner Straße kurz hinter dem Kreisverkehr.

Buchloe – So etwas sieht man auch nicht alle Tage in Buchloe. Ein rund elf Meter hoher Walnussbaum rollte aufrecht auf einem Spezialfahrzeug von der Holzhauser Straße im Buchloer Osten über den Kreisverkehr an der Landsberger Straße und weiter über die Münchner Straße zu seinem neuen Standort in der Schießstattstraße.

Dort findet der 40 Jahre alte Baum seinen neuen Standort. Retter des Baumes ist Andreas W. Berchtold. Der Inhaber des Meisterbetriebes für Garten- und Landschaftsbau „Genial grun“ steht mit seinem Betrieb vor dem Umzug ins Gewerbegebiet. Vor seinem zukünftigen Firmensitz gab es eine kahle Fläche. Nichts ist passender als ein großer Baum, der im Mittelpunkt der Hoffläche steht und dem Platz „Höhe“ verleiht. Geht es nach Andreas Berchtold, soll der Baum an der Stelle auch die nächsten hundert Jahre stehen. „Ein Schmuckstück soll er werden“, wünscht sich Berchtold.

Der Walnussbaum in der Holzhauser Straße wäre ohne die Rettung durch Andreas Berchtold einer Neubaumaßnahme zum Opfer gefallen. Er wurde vor 40 Jahren zur Geburt des Bruders des jetzigen Grundstückeigentümers gepflanzt.

Als Fachmann für Garten- und Landschaftsbau kennt sich Andreas Berchtold natürlich mit Baumverpflanzungen aus. Doch ein elf Meter hoher Baum würde auch ihn überfordern. Deshalb hat sich Berchtold an eine Spezialfirma gewandt. Die Firma Opitz aus Heideck im mittelfränkischen Landkreis Roth hat nicht nur das Know-how für die Großbaumverpflanzung sondern auch das entsprechende Gerät dazu.

So rückte die Firma mit einer sogenannten Rundspatenmaschine vom Typ „Optimal 3000“ an. Der 40 Tonnen schwere LKW vom Typ Tatra mit seinen fünf Achsen gilt als besonders geländegängig. Auf dem Grundstück in der Holzhauser Straße war es mit der Geländegängigkeit aber schnell vorbei. Davon konnten sich die Mitarbeiter des Garten- und Landschaftsbaubetriebes ebenso überzeugen wie die vielen Schaulustigen aus der Nachbarschaft. Im weichen Untergrund versank das Spezialfahrzeug bis zu den Achsen im aufgeweichten Boden. Mit Hilfe eines Radladers gelang es aber sehr schnell, den Baumtransporter wieder flott zu bekommen.

Wenn so ein großer Baum auf Reise geht, muss das sorgfältig geplant werden. Die Spezialfirma hat nach eigenen Angaben bisher schon mehr als eine Million Bäume verpflanzt und gilt als erste Adresse bei Großbaumverpflanzungen. Das Unternehmen ist europaweit in 13 Ländern vertreten. Sogar in Istanbul gibt es einen Stützpunkt.

Zunächst haben die Spezialisten ihre Checkliste abgearbeitet. Das Hauptaugenmerk gilt natürlich bei einer Ladehöhe von mehr als elf Metern der Fahrstrecke. Ist die Straße breit genug, stehen andere Bäume oder Laternen zu nahe an der Straße? In Buchloe ist das alles kein Problem, sagte Transportleiter Herbert Porlein unserer Zeitung. Der Transportleiter hatte nach einer Vorbesichtigung für die ganze Aktion eine Stunde eingeplant.

Seine Ablaufplanung: Die kugelförmige Rundspatenmaschine gräbt zunächst am neuen Standort das Loch für den Baum. Dann fährt das Fahrzeug zum Baum selbst. Es dauert nur wenige Minuten, bis der Baum samt Ballen verladen ist. Dann wird der Baum nochmals gesichert und die Reise kann losgehen. So wurde es auch umgesetzt. In Buchloe waren nur wenige Kilometer zu überwinden.

Die Rettung eines Baumes ist natürlich nicht ganz billig. Rund 6000 Euro, so schätzt Andreas Berchtold, wird das Ganze kosten. Mit dem reinen Umpflanzen ist es aber noch nicht getan. Berchtold rechnet mit weiteren Kosten in den nächsten fünf Jahren. Den größten Teil dieser Arbeiten kann Berchtold aber mit dem eigenen Personal durchführen. Sein Gartenbaubetrieb hat zehn Mitarbeiter und einen Auszubildenden.

Zur Nachversorgung des Baumes am neuen Standort gehört das Anlegen einer Rehabilitationszone rund um den gestochenen Ballen. In den ersten Jahren muss naturgemäß auf eine ausreichende Bewässerung geachtet werden. Zu den weiterführenden Pflegemaßnahmen gehört eine regelmäßige Überprüfung der Verankerung, der Kontrolle auf Schädlingsbefall und das Freihalten der Baumscheiben von unerwünschtem Bewuchs.

von Siegfried Spörer

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