Helferbund Asyl

Wenn Helfer Konkurrenz bekommen

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Die Gründung eines zweiten Hilfsvereins für Flüchtlinge und Asylbewerber sorgte auch nach der Veranstaltung noch für viel Gesprächsstoff beim Infoabend in der Mittelschule in Buchloe. Oberregierungsrat Ralf Kinkel (re.), Buchloes Bürgermeister Josef (2. v. re.) und die neue Asylkoordinatorinnen Isabel Costian (3. v. li.) und Helena Walter (2. v. li.) im Gespräch mit Besuchern der Veranstaltung.

Buchloe – Die Irritationen waren groß. Neben dem Freundeskreis Asyl hat sich in Buchloe ein zweiter Verein gegründet, der sich um das Wohl von Flüchtlingen kümmern will. Das war die überraschende Botschaft einer Informationsveranstaltung, zu der die Stadt jüngst in die Aula der Mittelschule eingeladen hatte. Viele der Besucher, selbst ehrenamtliche Helfer, hatten Probleme, diese Vereinsgründung von Christian Schnellert einzuordnen, zumal beide Vereine sich die gleichen Aufgaben stellen und um ehrenamtliche Helfer werben.

Die Informationsveranstaltung fand vor dem Hintergrund statt, dass im kommenden Jahr bis zu 310 Flüchtlinge und Asylbewerber in Buchloe untergebracht werden müssen. Derzeit sind es 65, die seit 2012 an mehreren Standorten in der Stadt untergebracht sind. Man wolle die Flüchtlinge möglichst gerecht im Landkreis verteilen, betonte Oberregierungsrat Ralf Kinkel vom Landratsamt aus Marktoberdorf. Kinkel schilderte den Besuchern die Verfahren der Zuteilung. Meist komme eine Mail mit der Formulierung „angesichts der steigenden Zahl von Asylsuchenden müssen wir Ihnen zur Sicherstellung der Unterbringung in der kommenden Woche insgesamt bis zu 62 Personen direkt zuweisen“. Absender ist die Regierung von Schwaben.

Wer dann wirklich kommt, ob Familien oder Einzelpersonen, erfahre der Landkreis und somit die Kommune oft erst Stunden vor dem Eintreffen der Flüchtlinge. Kinkel betonte, man wolle die Flüchtlinge möglichst gerecht im Landkreis verteilen. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte man sich auf Quoten festgelegt. Jede Gemeinde im Landkreis sollte, so die Anfangsvereinbarung, 1,1 Prozent ihrer Einwohnerzahl als Flüchtlinge unterbringen. Diese Zahl war, kaum veröffentlicht, schon wieder Makulatur. Inzwischen liege die Quote bei 2,5 Prozent, sagte Kinkel. Für Buchloe würde das 310 Asylbewerber bedeuten.

Wer nach Buchloe kommen wird, konnten weder der Oberregierungsrat aus dem Landratsamt noch Bürgermeister Josef Schweinberger konkret beantworten. Der Buchloer Rathauschef antwortete auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum mit „auch das Landratsamt weiß nicht, wer aus den Bussen steigt“.

Rund 70 Prozent der Asylbewerber sind derzeit Einzelpersonen. Allerdings nehme die Zahl von Familien zu, betonte Ralf Kinkel. Die größte Gruppe sind derzeit mit einem Anteil von 40 Prozent die Syrer, gefolgt von Afghanen, Pakistanis und Irakern.

Als vor fast drei Jahren die ersten Flüchtlinge und Asylbewerber nach Buchloe kamen, waren es einige Bürger, die sich unter dem Dach der beiden Kirchen als Freundeskreis Asyl zusammenfanden. Werner Müller gehört ebenso wie Edith Bier und Ralf Strohmayer dem Freundeskreis Asyl an. „Wir begleiten die Menschen in ihren Alltagssituationen, beispielsweise gehen wir mit ihnen zu Behörden oder Ärzten, helfen beim Ausfüllen von Formularen oder dem ,Übersetzen‘ von amtlichen Bescheiden“, bilanzierte Werner Müller.

Als Herzstück der Arbeit des Freundeskreises Asyl betrachten die ehrenamtlichen Helfer ihren so genannte „Tea-Point“, übersetzt als „Teestunde“. „Dort können wir uns gegenseitig kennenlernen“, erzählte Edith Bier, für die die Teestunde schon ein Stück Integration ist. Zur Erfolgsbilanz des Freundeskreises gehört, so Ralf Strohmayer, dass man vielen Asylbewerbern geholfen habe, Arbeit zu finden. 18 der 28 Bewohner der Container hätten feste Arbeitsverträge.

Professionelle Strukturen bekommt die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer inzwischen durch Neueinstellungen bei der Stadt und dem Landratsamt. Helena Walter arbeitet seit einigen Tagen als kommunale Asylkoordinatorin bei der Stadt Buchloe und ist Ansprechpartnerin für die vielen ehrenamtlichen Helfer. Gleiches gilt für Isabel Costian und Christina Panje, die sich im Landratsamt in Marktoberdorf um die Koordination der Asylarbeit kümmern. Bislang wurden die Menschen zur vollsten Zufriedenheit der politisch Verantwortlichen in der Stadt ausschließlich von den ehrenamtlichen Helfern des „Freundeskreis Asyl“ betreut.

Der neue Konkurrent nennt sich „Helferbund Asyl“ und wird von Christian Schnellert vertreten. Der Unternehmer präsentierte seinen Verein wie ein Unternehmen mit Organigramm, Leitlinien, Beirat und Lenkungsausschuss. Die Aufgaben selbst unterscheiden sicher aber kaum von denen beim Freundeskreis Asyl. „Wir sollten nicht im Wettbewerb zueinander stehen“, sagte Schnellert. „Wenn man helfen will, an wen soll man sich denn nun wenden“, war eine der Fragen, die die Unsicherheit der Hilfswilligen widerspiegelte.

Buchloes Bürgermeister sagte, er hoffe und wünsche sich, dass beide Organisationen zusammenarbeiten würden. Für seine Bitte um Zusammenarbeit erhielt Josef Schweinberger viel Beifall. Angebote zur Zusammenarbeit kamen darüber hinaus von den Buchloer Vereinen, vom Kinderschutzbund, vom Kolpinghaus und von der Türkisch-Islamischen Gemeinde Buchloe e.V.. Abschließend lobte der Rathauschef seine Mitbürger für ihre tolerante Haltung gegenüber Flüchtlingen. „Vergessen wir nicht, dass wir hier ein Problem zu lösen haben“, sagte der Bürgermeister. „Ich weiß, dass es Ängste gibt“, betonte Schweinberger.

Er versprach seinen Mitbürgern, dass man mögliche Probleme miteinander lösen werde. Auch dafür gab es Beifall. Nach Beendigung des Infoabends wurden die zukünftigen Helfer von beiden Vereinen umworben. Die Versammlung löste sich auch nur langsam auf, da noch viel über den neuen Helferverein diskutiert wurde.

von Siegfried Spörer

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