Buchloes geplantes Wasserwerk im Zeichen der Energiewende

Ein Drittel des Stromes durch Sonne

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Buchloe macht ernst mit der Energiewende. Im Werkausschuss beschlossen die Mitglieder energiesparende Lösungen für das im Bau befindliche Wasserwerk (v.l.): Stadtrat Herbert Barthelmes, Georg Haider von der Verwaltung, Stadtbaumeister Herbert Wagner, Stadtrat Helmut Jambor, Stadträtin Amely Beutlrock, Bürgermeister Josef Schweinberger, Stadtrat Johann Horn, Stadtrat Hubert Heider und 3. Bürgermeister Manfred Beck.

Buchloe – Die Stadt an der Gennach nimmt die Energiewende sehr ernst. Dies wurde einmal mehr in der jüngsten Werkausschusssitzung deutlich.

Im Werkausschuss, der auch für den Neubau des Wasserwerkes zuständig ist, diskutierten Fachleute und Stadtratsmitglieder kürzlich unter Leitung von Bürgermeister Josef Schweinberger über die Möglichkeit, das Wasserwerk zumindest teilweise mit kostenloser Sonnenenergie zu betreiben. Eigens dafür hatte der Ausschuss den Elektrofachplaner Erich Axmann vom Ingenieurbüro Jung & Metzker eingeladen. Projektleiter Halvor Overland vom Ingenieurbüro Dr. Blasy – Overland war ebenfalls anwesend. Der Rathauschef hält eine Eigenstromversorgung des neuen Wasserwerkes für sinnvoll und hatte deshalb um Prüfung durch den Fachplaner gebeten. 

Bürgermeister Schweinberger sieht die optimalen Voraussetzungen für den Einbau einer Photovoltaik-Anlage gegeben: Die Südausrichtung des Gebäudes, in dem die Trinkwasseranlage untergebracht ist, keine Verschattung durch Gebäude oder Bäume und eine optimale Dachneigung von zehn Grad. Diese Daten waren Grundlage für Erich Axmann, der dem Werkausschuss seine Berechnungen offenlegen konnte. Die Photovoltaik-Leistung, die auf dem Dach montiert werden kann, liegt bei 88,2 kW-Peak. Der Begriff „Peak“ steht dabei für die höchste Leistung der Anlage, die bei optimalen Bedingungen erreicht werden kann. 

Im Ergebnis, so hat Axmann ausgerechnet, kann rund ein Drittel der benötigten Strommenge über die Photovoltaik-Anlage produziert werden kann. Ein kleiner Teil des produzierten Stromes würde in das öffentliche Netz eingespeist. Der Fachmann geht dabei von einer Amortisationszeit der Anlage von rund zehn Jahren aus. Das Wasserwerk in Buchloe wird in zwei Bauabschnitten gebaut. Der erste Bauabschnitt besteht aus dem großen Hauptgebäude mit den beiden Edelstahltanks (Durchmesser der Tanks 15 Meter, Wasserhöhe 8,5 Meter) sowie einem angebauten „Maschinenhaus“ für die Pumpen und die Elektroversorgung. Beide Gebäude sind für die Photovoltaik-Ausrüstung geeignet. Der zweite Bauabschnitt besteht aus einem „Werkstattgebäude“, das quer zu der Anlage stehen soll und sich deshalb weniger für Photovoltaik eignet, erklärte der Experte dem Gremium. 

Diskutiert wurden im Ausschuss schon technische Einzelheiten wie beispielsweise Dachlawinen im Winter, die vom großen Hauptgebäude auf das kleinere Maschinenhaus rutschen können. Das Ingenieurbüro von Halvor Overland, das die Projektleitung hat, sieht statisch keine Probleme bei Dachlawinen, auch Erich Axmann konnte Entwarnung geben. „Das halten die Photo- voltaik-Anlagen aus“, sagte er. Grundsätzlich wurde es dann, als der Bürgermeister darauf verwies, dass die Photovoltaik-Anlage nicht grundlastfähig sei. Er erachtet es als sinnvoll, zusätzlich für die Stromerzeugung ein Blockheizkraftwerk mit anzudenken. Im Vordergrund steht für den Rathauschef nicht die Einspeisung von Strom ins Netz, sondern die komplette Eigenstromversorgung des Wasserwerkes einschließlich der Nutzung der anfallenden Wärme. Er hält eine Entscheidung für ein Blockheizkraftwerk als zukunftsweisend, wies aber darauf hin, dass eine derartige Anlage derzeit nicht in der Haushaltplanung enthalten sei. 

Der Werkausschuss stimmte einstimmig dafür, die Dächer der beiden der bereits im Bau befindlichen Gebäude mit einer Photovoltaik-Anlage zu nutzen. Darüber muss der Stadtrat in Kürze entscheiden. Schweinberger will auch die Idee eines Blockheizkraftwerkes mit dem Stadtrat diskutieren. Keine Einigung gab es im Werkausschuss darüber, wie der erste Bauabschnitt farbtechnisch gestaltet werden soll. Stadtbaumeister Herbert Wagner hatte einen helleren und einen dunkleren Blauton als Fassadenfarbe vorgeschlagen. Die Geschmäcker waren dann doch zu verschieden für eine Einigung. Das von Wagner angedachte Blau erschien einigen Ausschussmitgliedern als „zu kalt“. Immerhin, so führten sie aus, liegt das neue Wasserwerk auf dem „Präsentierteller“ und kann sowohl vom Zug aus gesehen werden wie auch von der Autobahn oder vom Kreisverkehr. Der Stadtbaumeister will nun die verschiedenen vorgeschlagenen Alternativen als Fotomontagen dem Ausschuss erneut vorlegen.

Von Siegfried Spörer

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