Mehr Toleranz und Respekt

Buchloer Bürger diskutieren über soziale Themen mit Bayerns Wirtschaftsminister Pschierer

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Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer kam zur Auftaktveranstaltung des Kolpingwerkes zur Landtagswahl nach Buchloe.

Buchloe – Es war nicht sein erster Besuch in Buchloe, wohl aber der erste Besuch in seiner neuen Funktion als bayerischer Wirtschaftsminister. Franz Josef Pschierer kam zur Auftaktveranstaltung „WählBar“ der Kolpingfamilie zur bayerischen Landtagswahl.

Kolping ginge es bei diesen Veranstaltungen nicht um Parteipolitik sondern um die gesellschaftliche Diskussion zu den Themen Bildung, Familie, Miteinander von Generationen und das gesellschaftliches Engagement, betonte Karl Schneider in seiner Begrüßungsrede. Das Vorstandsmitglied von Kolping in der Diözese Augsburg betonte, man wolle und solle sich bei der Landtagswahl im Oktober einmischen. „Wer Demokratie will, muss Demokraten wählen“.

Bayerns Wirtschaftsminister sagte in seinem Gastvortrag, er blicke mit Sorge auf die Landtagswahlen. Derzeit seien vier Parteien im Landtag. Nach dem 14. Oktober würden es vermutlich vier plus x sein. Es bestehe die Gefahr der Zersplitterung der politischen Mitte. Auch die Wahlbeteiligung sei ein Grund zur Besorgnis.

Bayerns Landtagswahlen finden, so Pschierer, unter einer Reihe von geopolitischen Problemen statt. Der nicht kalkulierbare Kurs des amerikanischen Präsidenten, der die bayerischen Wirtschaftsinteressen ebenso berühre, wie der Brexit oder die Sanktionen gegen Russland, würden die Zukunft auch in Bayern nicht einfacher machen.

Pschierer forderte eine klare Abgrenzung aller Demokraten zu den Holocaustleugnern und Rechtsradikalen. Er sei stolz, dass Deutschland Flüchtlinge aufgenommen habe und stehe zum Asylrecht. Allerdings seien bei der ungesteuerten Zuwanderung Fehler gemacht worden. „Wer verfolgt ist, dem muss unser Land helfen“. Es bestehe aber keine Verpflichtung, Wirtschaftsflüchtlinge aufzunehmen. Wer kein Bleiberecht habe, müsse auch Deutschland wieder verlassen, betonte der Wirtschaftsminister. Im Übrigen sei die Flüchtlingsproblematik kein deutsches sondern ein europäisches Thema.

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz

Pschierer berichtete, er habe zu dem Beschluss, Kreuze in den Behörden und öffentlichen Gebäuden aufzuhängen, einen Brandbrief des Bundes der Katholischen Jugend erhalten. Der Stil sei es gewesen, der ihn verärgert hätte. Von Empörung, Schockierung und der nationalen Vereinnahmung des Kreuzzeichens sei die Rede gewesen. Hier müsse sachlich diskutiert werden, forderte Pschierer. Er halte die Begründung von Ministerpräsident Dr. Markus Söder für richtig, denn das Kreuz sei auch ein Symbol für unsere Kultur.

Bei der Familien- und Erziehungspolitik bekannte sich Pschierer zur Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen, sein persönliches Lebensmodell selbst festzulegen. Es steht der Politik nicht zu, sich dort einzumischen.

„Wir müssen das Ehrenamt fördern“, so der Staatsminister. Nicht jedes Problem ließe sich „hauptamtlich“ lösen. Pschierer möchte weiter die gesellschaftliche Beteiligung der Bürger in allen Bereichen fördern. Ein Beispiel sei die Nachbarschaftshilfe. Derartiges könne ein Staat überhaupt nicht organisieren. Ein klares Bekenntnis gab es vom Wirtschaftsminister auch für die Förderung der beruflichen Bildung. Nicht jeder müsse studieren. „Was bringt es, wenn aus einem Friseurmeister ein Bachelor of Hairdressing wird“.

In der anschließenden Diskussion kritisierte eine Jungwählerin, die politischen Parteien seien für junge Menschen unattraktiv. Pschierer regte an, über die kommunalpolitische Schiene einzusteigen oder den Weg über die Jugendorganisationen der Parteien zu wählen. Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugend­ringes, sagte, es gebe durchaus junge Menschen, die sich politisch engagieren wollten. Er hielte auch eine Absenkung des Wahlalters auf kommunaler Ebene für einen sinnvollen Weg.

Pschierer rief zu Toleranz und Respekt auf. Das gelte auch für die Menschen aus anderen Kulturkreisen, die bei uns leben würden. „Man muss einen deutschen Weihnachtsmarkt auch weiterhin Weihnachtsmarkt nennen dürfen“. Es mache wenig Sinn, wenn wir uns gesellschaftlich immer nur gegen das Schienbein treten.

In der abschließenden Runde diskutierten die Buchloer mit Ursula Lax, stellvertretende Bezirks­tagspräsidentin, und Max Weinkamm, dem ehemaligen Sozialreferenten der Stadt Augsburg, sowie Erwin Fath, dem stellvertretenden Landesvorsitzenderndes Kolpingwerkes Bayern und Matthias Fack vom Bayerischen Jugendring.

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