Weder Mord noch Totschlag

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Wer schlau ist, lässt sich von der Polizei beraten, wie man sein Haus oder seine Wohnung einbruchsicher macht.

Buchloe – Es gab weder Mord noch Totschlag. Das ist die gute Nachricht in der Kriminalitätsstatistik des Jahres 2015 der Polizeiinspektion Buchloe. Polizeichef Bernhard Weinberger kommentierte seine Statistik so: „Bayern ist sicher, Buchloe ist noch sicherer und am sichersten ist Waal“.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Insgesamt stieg die Zahl der Straftaten von 792 im Jahre 2014 auf 876 im vergangenen Jahr an. Eine Vergewaltigung, vier Raubdelikte und 15 gefährliche Körperverletzungen verunzieren Weinbergers Statistik. Auf der anderen Seite kann der Polizeichef auf die gute Aufklärungsquote seiner Beamtinnen und Beamten verweisen. Drei der vier Raubdelikte und 14 der 15 Körperverletzungen konnten aufgeklärt werden. 

Beim Betrachten der Statistik taucht insbesondere bei der Aufklärungsquote ein grundsätzliches Problem auf. Wird ein Täter beispielsweise erst nach dem Abgabestichtag der Statistik ermittelt, gilt der Fall unaufgeklärt, zumindest statistisch. Bernhard Weinberger erläuterte im Rahmen eines Pressegespräches, dass in der Statistik ein Fall erst dann als aufgeklärt gilt, wenn die Unterlagen das Polizeihaus verlassen haben und an die Staatsanwaltschaft gegangen sind. Zwischen Tat und Aufklärung können auch schon einmal Jahre liegen. 

Rückläufig war 2015 in Buchloe die Straßenkriminalität. 126 Fälle wurden angezeigt. Im Vorjahr waren es noch 142. Darin enthalten sind 68 Fälle von Sachbeschädigung an Autos und öffentlichen Straßen und Plätzen. 70 Fälle von Straßendiebstahl wurden angezeigt. 

Die Diebstahlstatistik insgesamt zeigt den umgekehrten Trend. Es wurde 2015 erheblich mehr geklaut als im Vorjahr. 278 Diebstähle listet die Statistik auf. Das sind 27,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist dagegen mit 34,2 Prozent erschreckend niedrig. 

Es ist nur eine kleine Zahl an Wohnungsaufbrüchen, sie sind jedoch ein Parameter für die gefühlte Sicherheit der Bevölkerung. 2015 gab es neun Wohnungsaufbrüche und vier Einbruchsversuche. Fünf der neun Einbrüche konnten geklärt werden. „Eine gute Quote“, findet der Buchloer Polizeichef. Der Einbruch in Lamerdingen konnte nachträglich geklärt werden. Hier waren es zwei Albaner, die in Mittelfranken leben und einen „Ausflug“ nach Lamerdingen unternommen hatten. 

„Wir haben es hier oft mit osteuropäischen Banden zu tun, die nach den Taten auch ganz schnell wieder weg sind“, sagte Bernhard Weinberger. Mit normalen polizeilichen Mitteln seien diese Täter nur ganz schwer zu ermitteln. Weinberger appellierte an die Bevölkerung: „Ruft uns an, wenn etwas verdächtig erscheint“. „Genial“ fand Weinberger eine Jengenerin, die einen verdächtigen PKW mit bulgarischen Kennzeichen sogar fotografiert hatte. Am nächsten Tag musste sie erfahren, dass drei Einbrüche im Ort stattgefunden hatten. Sie gab ihre Fotos an die Polizei, die eine Fahndung ausschrieb. Der Bulgare konnte vier Wochen später kurz vor Salzburg auf der Autobahn geschnappt und nicht zuletzt wegen der Schuhabdrücke überführt werden. 

Polizeiarbeit, die sich in Euro und Cent für die Staatskasse ausbezahlt, gab es 2015 auch. Wegen eines Umweltdeliktes wurde gegen einen Entsorgungsbetrieb ermittelt. Dazu besorgte die Polizeiinspektion Buchloe im Rahmen der Amtshilfe drei Wiegescheine. Bei der Inaugenscheinnahme wurde der Buchloer Kollege stutzig. Die LKWs waren in den drei Fällen überladen. Die Vermutung war nun, dass dies Methode haben könnte. Ein Durchsuchungsbeschluss zur Sicherstellung aller Wiegescheine brachte es ans Tageslicht. In fast allen Fällen war das Gesamtgewicht der Entsorgungsfahrzeuge überschritten worden, um zusätzliche Fahrten zu sparen und somit den Profit zu erhöhen. 240 Verstöße von 16 Personen im verfolgbaren Zeitraum von drei Monaten wurden angezeigt. Spitzenreiter war ein Fahrer mit 39 Verstößen. Er wurde mit 7100 Euro zur Kasse gebeten. Insgesamt wurden Bußgelder in Höhe von 40.000 Euro erhoben. Dazu kam eine sogenannte Gewinn­abschöpfung, die noch einmal knapp 63.000 Euro in die Staatskasse brachte. 

Die Kriminalstatistik aus Buchloe und Umgebung verzeichnete 2015 auch 42 Fälle von Rauschgiftkriminalität und eine Reihe weitere Gesetzesverstöße, darunter Beleidigungen, Betrug, Vermögens- und Fälschungsdelikte, Sachbeschädigungen oder Widerstand gegen die Staatsgewalt. 

Auch bei einem Arbeitsunfall, bei dem ein polnischer Arbeiter ums Leben kam, ermittelte die Buchloer Polizei, ebenso wie beim Selbstmord eines Jengeners, der wegen der anstehenden Zwangsversteigerung sein Haus in Brand gesetzt hatte. 

Wenig Chancen haben die Buchloer Polizisten bei der Bekämpfung der Internetkriminalität vor Ort. Die Server stehen fast immer im Ausland. 

Weder mit Flüchtlingen noch mit Rechtsradikalen habe man in Buchloe große Probleme, sagte Markus Dösinger, stellvertretender Inspektionsleiter. Die reinen Zahlen würden wenig aussagen, es sind bestimmte Personen, die immer wieder mal auffallen. Meist ist die Öffentlichkeit überhaupt nicht betroffen, da sich die Vorfälle direkt in den Unterkünften abspielen, betonte Dösinger. Diebstahl oder Streitigkeiten seien Beispiele dafür. „Je mehr Menschen in einem Gebäude sind, um so häufiger treten Konflikte auf“, stellte Dösinger abschließend fest.

von Siegfried Spörer

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