Buchloer Realschüler muss mit doppeltem Kieferbruch ins Krankenhaus

In England angepöbelt und verprügelt

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Buchloer Realschüler werden in England verprügelt und beleidigt. Ein Schüler muss mit doppeltem Kieferbruch ins Krankenhaus.

Buchloe – So schnell werden einige Schüler der Buchloer Realschule ihren England-Trip nicht vergessen. Eine 14-köpfige Gruppe der insgesamt rund 100 Schüler wurde in Bournemouth von polizeibekannten englischen Schlägern angepöbelt und angegriffen und vier von ihnen sogar verletzt.

Ein Schüler erlitt einen doppelten Kieferbruch und wurde nach der Operation in Begleitung eines Lehrers nach Deutschland geflogen. Der Fall hat sich schon vor einigen Wochen Anfang Mai zugetragen und wurde erst jetzt bekannt.

Die fünf achten Klassen der Buchloer Realschule hatten vom 6. bis 13. Mai an einer Sprachreise teilgenommen. Nach den Schilderungen hatte sich eine Gruppe von Schülern in einem Park zum Fußballspielen getroffen. Dort wurden sie dann von der Schlägergruppe angepöpelt. Es sollen deutschfeindliche Parolen und sogar „Heil-Hitler-Rufe“ gefallen sein.

Obwohl die Buchloer Schüler versuchten, deeskalierend zu wirken, seien sie verfolgt, eingekesselt und mit Händen und Füßen traktiert worden. Es gelang ihnen wegzulaufen und eine Polizeistreife anzusprechen. Die Tatverdächtigen wurden dann schnell ermittelt.

Die Reise, so Schulleiterin Lucia Wind, sei auf ausdrücklichen Wunsch der Schüler nicht abgebrochen worden. Wohl aber wurde Anzeige erstattet.

Letzte Woche waren drei britische Polizeibeamte in Buchloe, um an den Vernehmungen der betroffenen Schüler teilzunehmen. Die Vernehmungen selbst führten die Beamten der Polizeidirektion Buchloe durch, bestätigte Inspektionsleiter Bernhard Weinberger, die englischen Kollegen konnten aber Fragen stellen. Ihnen sei bei den Vernehmungen, so Weinberger, erst richtig klar geworden, welche Dimensionen der Vorfall hatte. Die Ermittlungsergebnisse werden nun an die Staatsanwaltschaft in Kempten weitergeleitet, die wiederum dann im Rahmen des Rechtshilfeverfahrens die Unterlagen an die englische Staatsanwaltschaft weiterleitet. Danach wird sich ein britisches Gericht mit dem Fall befassen.

Nach Weinbergers Einschätzung nimmt man den Vorfall in England sehr ernst. Die englischen Kollegen hätten berichtet, so Weinberger, dass die Schläger schon mehrfach polizeilich wegen ähnlicher Delikte aufgefallen seien. Man wolle keinesfalls, dass in Deutschland der Eindruck entstehe, das englische Bournemouth sei unsicher. Deshalb hätten die englischen Kollegen zugesichert, hart durchzugreifen. Deutsche Schüler zudem noch als Nazis zu beschimpfen sei ein absolutes „No-Go“. Den genauen Sachverhalt hätten die britischen Polizeibeamten erst durch die Vernehmungen in Buchloe erfahren.

Die Zusammenarbeit mit den britischen Kollegen sei hervorragend gewesen, betonte Weinberger gegenüber unserer Zeitung. Gut angekommen sei auch, dass Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger die britischen Polizeibeamten zu einem Kurzbesuch ins Rathaus eingeladen habe.

Schulleiterin Lucia Wind betonte gegenüber unserer Zeitung, Sprachreisen hätten eine große Tradition in der Buchloer Realschule. Ob man zukünftig aufgrund des Vorfalles auf derartige Reisen verzichte, sei noch offen. Die Schulleiterin will keine voreiligen Entscheidungen treffen. Wie es weitergeht, soll aber demnächst in der Schulfamilie zusammen mit Eltern, Lehrern und Schülern diskutiert werden. Die Resonanz der Schüler, die an dieser Reise teilgenommen haben, sei aber trotz des Vorfalles sehr positiv gewesen.

Von Siegfried Spörer

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