Barbara Billy Bürckners „basement stories“

Junge Künstlerin macht Kaufbeurer Sparkassengewölbe zum erlebbaren Raum

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Die stark vergrößerten Dendriten als Teppich-Scherenschnitt und im Hintergrund als Gemälde.

Kaufbeuren – Seit 2007 nutzt die Kaufbeurer Künstler Stiftung den historischen Gewölbekeller des ehemaligen Malzlagers der Aktienbrauerei als stimmungsvollen Ausstellungsraum. Die Solnhofer Platten des Fußbodens mit ihren zierlichen Dendriten-Einschlüssen wurden dabei meist achtlos mit Füßen getreten. Erst die junge Künstlerin Barbara Billy Bürckner hat diesen hübschen, wie Eisblumen wirkenden mineralischen Ablagerungen eine neue Größe verliehen und sie damit ins rechte Licht gerückt.

Die Vernissage ihrer exklusiv für das geschichtsträchtige Sparkassengewölbe geschaffenen Raum-Installationen „basement stories“ (Kellergeschichten) erregte großes Interesse. Zahlreiche Besucher lernten das Gewölbe in vier Installationen auf ganz neue Art und Weise kennen.

In „upside down“ (kopfüber) wird die Kellerdecke auf dem Fußboden gespiegelt und bewirkt einen unerwarteten Perspektivenwechsel – der Besucher sieht Details der Gewölbedecke durch einen Blick nach unten.

Bei „in between“ (dazwischen) spielt die Künstlerin mit der Architektur des Raumes: Ein etwa vier Meter langer Holzbogen zwischen den Pfeilern wiederholt die Form des Gewölbebogens nach unten und schafft so einen augenförmigen Durchblick, der zum bequemen Platznehmen einlädt. Auch das ausgeschnittene Stück Holz wurde einem Nutzen zugeführt – es diente im Foyer oben als Raumteiler zwischen Garderobe und Sektempfang bzw. Kellerbier. Dort hatte Dr. Hannelore Kunz-Ott, Referentin in der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern und Vorstandsmitglied der Kaufbeurer Künstlerstiftung die Gäste begrüßt.

Die gebürtige Kaufbeurer Künstlerin Barbara Billy Bürckner (Jahrgang 1985) mit ihren Dendriten-Ohrgehängen.

Von den Fußbodenplatten des Gewölbekellers wurden zwei markiert mit besonders schön ausgeprägten Dendriten (griechisch déndron = Baum). Dendriten sehen zwar aus wie „echte“ Pflanz-Fossilien, sind aber mineralische Eisen- und Manganabsätze auf Gesteinsflächen. In der Geologie werden sie auch „Pseudofossilien“ genannt. „fake fossil“ (falsche Fossilien) hat die Künstlerin denn auch folgerichtig ihre auf den ganzen Raum verteilten, hundertfach vergrößerten Dendriten-Scherenschnitte betitelt, die sowohl als Negativ als auch als Positiv, als Teppich oder als Lampendekoration oder als Druck vorkommen und sogar Pate für ein Schmuckset standen. Damit sich kleine Besucher nicht langweilen, gibt es die Dendriten für sie auch zum Ausmalen.

Mit der vierten Installation führt Bürckner, wie es ihre ehemalige Dozentin Mirjam Elburn in der Laudatio formulierte, die Besucher „im allerbesten Sinne an der Nase herum“: Die frühere Nutzung des Gewölbekellers als Malzlager erfährt man zunächst über den Geruchssinn. Beim Annähern an die Fensterschächte breitet sich ganz zurückhaltend Malzgeruch aus. Die Schüttung „malt“ (Malz) zeichnet den vermuteten Weg des Getreides nach – von der Straße durch den Schacht in den Keller der Mälzerei, das heutige Sparkassen-Gewölbe.

Die 1985 in Kaufbeuren geborene Künstlerin Barbara Billy Bürckner machte von 2006 bis 2009 ihre Ausbildung zur Bühnenplastikerin am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und studierte von 2009 bis 2014 Bildhauerei und Public Art an der HBKsaar in Saarbrücken. 2016 schloss sie ihr Studium als Meisterstudierende der Freien Kunst bei Prof. Georg Winter ab. Die Gewohnheit, ihren Werken englische Titel zu geben, brachte sie aus den in Istanbul verlebten Jahren mit.

In ihren Arbeiten greift die Künstlerin Gegebenheiten des Alltags auf und setzt sie künstlerisch um. Dabei hinterfragt sie Sinn und Unsinn von Handlungen und Zuständen. Eine intensive theoretische Aufarbeitung und Recherche zeichnet ihr Werk aus und findet häufig Ausdruck in Texten, die parallel zum Kunstwerk entstehen. Zur Eröffnung der Ausstellung „basement stories“ erschien die Publikation „WORK 2011-2018”.

von Ingrid Zasche

Info:

„basement stories“ 

Noch bis 27. April

Kunstgewölbe im Forum der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren, Ludwigstraße 26

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr

www.bbuerckner.de

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