Petition gegen Windkraft

"Apfeltrang – Windradfrei!"

+
Richard Kroha unterschrieb als erster Petent die Petition gegen die Windkraftanlagen.

Apfeltrang/Allgäu – Der Streit um die genehmigten Windkraftanlagen (WKA) nahe Apfeltrang und Ruderatshofen geht in seine nächste Runde. Nachdem die Gemeinde Ruderatshofen und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) beim Verwaltungsgericht Augsburg Klage gegen die Genehmigungen eingereicht haben, ist nunmehr von Bürgern auch eine Petition unter dem Titel „Apfeltrang – Windradfrei“ gegen die WKA gestartet worden.

„Ich unterstütze diese Petition“, so MdL Bernhard Pohl (FW) anlässlich einer Pressekonferenz, der sich auch bereit erklärt hat, diese als Recht in der Bayerischen Verfassung verankerte Eingabe beim Bayerischen Landtag einzureichen.

Erst kürzlich hatte eine Informationsveranstaltung über die Thematik stattgefunden (wir berichteten). Dabei wurden durch Vorträge des Allgäuer Filmemachers Leo Hiemer und des Ornithologen Colin Mac­Kenzie deutlich gemacht, dass es aus ihrer Sicht hinsichtlich des Genehmigungsverfahrens durch das Landratsamt Ostallgäu (LRA) zu Ungereimtheiten kam. Pohl, der unter anderem von einer Besuchergruppe im Landtag um Unterstützung in dieser Angelegenheit gebeten worden war, betonte, dass es ausschließlich um die lokale Situation vor Ort auf dem Höhenzug im Umkreis vom „Sattlers Buckl“ gehe.

Petitionsgründe

Für Johann Stich als Bürgermeister der Gemeinde Ruderatshofen waren mehrere Gründe für die Klage ausschlaggebend, die auch in der Petition benannt werden. Unter anderem seien dies der zu geringe Abstand zur Wohnbebauung, die betroffene Wasserversorgung im Einzugsbereich von drei Ortschaften und ein völlig anderer Anlagentyp des Investors, der einen Neuantrag erfordern müsste. „Wir sind bisher gescheitert, obwohl anfangs laut Höherer Naturschutzbehörde bei Schwarzstorchvorkommen keine WKA genehmigt würden“, sagte er. Auch den stetigen Einwohnerzuwachs mit einer organischen Siedlungsentwicklung sieht der Bürgermeister gefährdet.

Der erste Petent Richard Kroha ist als Anwohner in rund 560 Meter Entfernung zu einer genehmigten Anlage unmittelbar betroffen. „Ich befürchte in dieser Entfernung starke Beeinträchtigungen in Form von Schattenwurf, Lärm und Eiswurf“, sagte er als Inhaber eines seit über 100 Jahren in Familienbesitz befindlichen Anwesens. Ein einstündiges Gespräch im LRA habe nach dem Vorbringen seiner Einwände mit dem Satz geendet: „Ein Restrisiko haben Sie überall!“ Über die erforderliche Aufforstung auf einem ihm gehörenden Grundstück wurde er auch nicht gefragt.

Horst Holzhauer und Sieglinde Horatschek sind Initiatoren der bereits vor der Informationsveranstaltung angelaufenen Unterschriftenaktion (bisher über 500). Sie kann daher zwar nicht direkt für die Petition gewertet, findet dort aber ihre Erwähnung. Holzhauer zitierte aus einer Liste von 167 Auflagen im Genehmigungsbescheid für die WKA. Neben Auflagen für die Flugsicherung (25) sind dort unter anderem Bedingungen für Naturschutz, Nestüberwachung und Gewässerschutz (jeweils 16) sowie für Baurecht und Monitoring (jeweils 15) verankert. „Wer kontrolliert das?“, fragte Holzhauer. Peter Kerwer aus Huttenwang wies darauf hin, dass selbst ohne 10H-Regelung der Mindestabstand von 800 Metern zu WKA selbst bei Einzelhöfen gegolten habe.

„Was macht das Allgäu aus?“ – Diese Frage beantwortete Leo Hiemer wie folgt: „Das Allgäu ist die erste Tourismusregion in Deutschland!“ Beruf, Lebensqualität und Urlaub seien sowohl durch Siedlungsstrukturen als auch Naturlandschaften in besonderer Weise miteinander verwoben. „Der Wert für Mensch und Natur steht auf dem Spiel“, sagte der Naturfilmer. Das betreffe den Allgäu-Schwäbischen Wanderweg ebenso wie Schwarzstorchhabitate und andere Vögel.

Keine aufschiebende Wirkung

„Sowohl die Klagen als auch die noch einzureichende Petition haben für die genehmigten WKA keine aufschiebende Wirkung“, erläuterte Pohl als Jurist. Er sehe die Planungshoheit der Gemeinde, die Interessen der Bürger und die Tourismusregion „massiv betroffen“. In seinem Wahlkreisbüro und in Kürze auch bei Aktionen in Kaufbeuren können alle Bürger durch Unterschriften die Petition unterstützen.

von Wolfgang Becker

Auch interessant

Meistgelesen

Positive Kernaussage
Positive Kernaussage
Qualität soll lenken
Qualität soll lenken
Rathaus rüstet technisch auf
Rathaus rüstet technisch auf
Unfall durch Geisterfahrer: Verursacher stirbt
Unfall durch Geisterfahrer: Verursacher stirbt

Kommentare