Bürgerbeteiligung „Irsee 2040“

Gemeinde Irsee will seinen Marktkern aufwerten

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Ist die Ortsmitte von Irsee da, wo die Leute sind? Das Foto zeigt den Biomarkt beim Stadl des alten Gasthauses „Zur Post“.

Irsee – „Gemeinsam weiter denken, gemeinsam Ziele entwickeln.“ Nach dieser Vorgabe hat der Irseer Gemeinderat ein Projekt unter dem Namen „Irsee 2040“ in Auftrag gegeben, das die konstruktiven Ideen der Bürger für die zukünftige Entwicklung des Marktes sammeln, aufbereiten und umsetzen soll.

Schon fast als Quadratur des Kreises könnte das Vorgehen des Gemeinderates gesehen werden, in dem er die Initiative des Freistaates Bayern „Innen statt Außen“ mit der Beteiligung der Bürger und die Aufwertung des Irseer Marktkerns auf den Weg brachte.

Die Förderinitiative „Innen statt Außen“ ist ein wesentlicher Teil des Maßnahmenpakets zum Flächensparen der Bayerischen Staatsregierung. Sie bietet Förderanreize zur Innenentwicklung und zum Flächensparen. Im Rahmen einer Gesamtentwicklungsstrategie werden Gemeinden dabei unterstützt, vorrangig Innen-Entwicklung zu betreiben und Zersiedelung zu vermeiden. Durch bauliche Investitionen in leerstehende Bausubstanz in den Ortsmitten werden zeitgemäße und effiziente Nutzungen ermöglicht. Dies führt zu einer nachhaltigen Belebung von Ortskernen.

Mit den beiden Münchner Architektinnen Nadja Häupl und Stefanie Seeholzer hat der Gemeinderat zwei Projektbegleiterinnen für das Vorhaben gefunden. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellten die beiden den bisher erarbeiteten Stand in öffentlicher Sitzung vor. So fand ein intensiver Austausch mit wichtigen Akteuren vor Ort und Gemeindevertretern sowie dem Eigentümer des letzten noch aktiven landwirtschaftlichen Betriebes, dem Leiter des Bildungswerks Irsee sowie dem Vertreter eines sozialen Versorgungsdienstes für ältere, auch pflegebedürftige Menschen statt.

Im Anschluss folgte dann in Form eines „Stammtisches“, ein Arbeitskreis mit Bürgern unterschiedlichen Alters, welcher unter dem Thema stand: „Irsee gemeinsam weiterdenken. Langfristig gutes Leben im Ort für alle Bürgerinnen und Bürger“. Wie dies gelingen kann und wo die Teilnehmer des Arbeitskreises die besonderen Herausforderungen für „Irsee 2040“ sehen, wurde im Rahmen eines offenen Gesprächs diskutiert. Die Ergebnisse sollen dann im Rahmen der nächsten Bürgerversammlung präsentiert werden.

Als eines der zentralen Themen wurde gesehen: „Es braucht eine Soziale Mitte! Irsee darf nicht anonym werden!“ Damit dies gelingen kann, braucht es laut der Expertinnen Treffpunkte im Ort. Als gut funktionierende Beispiele wurden für den Freiraum der Schlittenhügel bei der alten Sägerei genannt sowie der Oggenrieder Weiher. Sehr bedauert wurde der Wegfall eines aktiv betriebenen Gasthofs mitten im Ort, die Schließung des „Altbaus“ mit seinem sehr vielfältigen kulturellen Angebot.

Auf die Frage „Wo sehen Sie die Ortsmitte?“ kam unter anderem die Rückfrage „Geographisch oder dort, wo die Leute sind?“ Um dies individuell zu entscheiden, wurden die Teilnehmer aufgefordert, nach eigenem Ermessen ihre Wahl zu treffen. Die Mehrheit setzte ihr Fähnchen im Bereich Biomarkt/ alter Gasthof zur Post. Es zeigt sich somit, dass eher der zentrale, gemeinschaftliche Treffpunkt die gefühlte Ortsmitte definiert, da sich hier Einheimische und Gäste auf ungezwungene Weise treffen können. Auch die jüngere Generation sieht hier die Ortsmitte.

Der Platz vor dem Rathaus wird noch nicht als wirkliche Ortsmitte empfunden. Hier passiere noch zu wenig. Im Zusammenspiel mit dem gegenüberliegenden „Altbau“ bestehe hier jedoch ebenfalls großes Potential – auch im Zuge der Umnutzung der ehemaligen Bankfiliale mit Bibliothek und, wie vorgeschlagen, ergänzenden Dienstleistungen im Bereich Gesundheitsversorgung – hier eine soziale Mitte zu verankern, so die beiden Architektinnen.

von Jürgen Wischhöfer

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