Bürgerforum diskutiert über Gestaltung der Kaufbeurer Innenstadt

Wie eng dürfen Regeln sein?

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Diskutierten mit dem Publikum: Stefan Geyrhalter (v. re.), Dr. Ulrich Klinkert, Helge Carl und Moderator Oliver Schill.

Kaufbeuren – „Regeln ja, aber nicht zu eng und mit einem gewissen Qualitätsanspruch.“ So könnte das Fazit einer Podiumsdiskussion zur Gestaltung der Innenstadt lauten. Das Bürgerforum hatte alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen, mit Experten zu diskutieren und sich mit Anregungen und Fragen einzubringen.

Nach einem Impulsvortrag von Kaufbeurens Baureferent Helge Carl diskutierten Dr. Ulrich Klinkert vom Heimatverein Kaufbeuren und Stefan Geyrhalter von der Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren als weitere Diskussionsteilnehmer. Gegenstand war ein seitens der Verwaltung erstellter Entwurf eines Regelwerkes für den Einzelhandel in der Altstadt.

Unter dem Titel „Gestaltungsrichtlinien für die Altstadt: Hemmschuh oder Notwendigkeit?“ hatten sich überwiegend Gewerbetreibende und Händler aus der Innenstadt bei der vom Bürgerforum e. V. organisierten Veranstaltung mit Moderator Oliver Schill eingefunden. Baureferent Carl machte eingangs seines Vortrags deutlich, dass mit dem jüngst erneuerten Bodenbelag der Fußgängerzone nicht alle Probleme der Innenstadt beseitigt seien. Die Funktionen der Altstadt stünden in einem Spannungsfeld mehrerer Interessengruppen. „Dazu wünsche ich mir einen Dialog mit den Bürgern“, sagte er und definierte die Akteure in diesem Feld, wobei Carl die Fußgängerzone nicht als Fläche, sondern als „Raum“ versteht, welcher der Allgemeinheit gehört.

Das Treffen und Feiern von Menschen sowie das Flanieren mit „Sehen und Gesehen werden“ seien ebensolche Funktionen wie Wohnen und Einkaufen. Durch verschiedene Nutzungen wären Zielkonflikte vorprogrammiert und müssten in Einklang gebracht werden, wobei die Frage „Wie wollen wir leben?“ in der Antwort auch einen Spiegel unserer Werte und Normen darstelle. Sein Plädoyer: „Ein klarer Rahmen mit Regularien sorgt für gute Aufenthaltsqualität und Sicherheit bei Investoren.“ Während die vom Stadtrat beschlossenen Sondernutzungs- und Werbeanlagensatzungen verbindlichen Charakter haben, gilt das Gestaltungshandbuch als unverbindliche Richtlinie.

„Entwurf konsensfähig“

Stefan Geyrhalter als Vertreter von über hundert Mitgliedern stellte fest: „Der Einzelhandel will etwas tun, aber es muss sich rechnen“. Er äußerte auch seine Bedenken des dramatischen Absinkens auf die Hälfte der Händler in den letzten 25 Jahren. Heimatvereinsvorstand Klinkert sagte: „Ein stimmiges Stadtbild erfordert genaue Planung und viel Nachdenken“. Der Verein bezeichnet den Entwurf auf allgemeiner Ebene als „konsensfähig“ und sieht das Spannungsfeld zwischen Altstadtensemble und notwendiger Werbung. Er warnt in einer Stellungnahme jedoch vor dem Irrtum, dass große Spielräume bei der Gestaltung der Werbeanlagen zu wirtschaftlich erfolgreichen Lösungen führen würden. Daher wünscht sich der Verein eine klare Richtung, ohne jedes Detail zu regeln.

Qualität und Urbanität

In einer lebhaften Diskussion äußerten die Besucher ihre Vorstellungen und Anregungen. Einer Bürgerin ging der Entwurf im Detail teilweise zu weit. Für Guido Zeller braucht „Innenstadt Qualität um Urbanität auszustrahlen“. Er wünschte sich mehr Kulanz wegen fehlender Wirtschaftskraft und sieht die aus Sicht von Carl zu häufig verwendeten Kundenstopper als Info-Tool. Dem pflichtete ein Händler aus der Fußgängerzone bei: „Bei einem schmalen Haus habe ich ein Frequenzproblem, weil die Kunden vorbei laufen“. Zudem würden die Stopper auch als Schutzraum vor Radfahrern genutzt, deren verbotswidriges Verhalten dringend gelöst werden müsse. Auch die Kaiser-Max-Straße rückte mit einer Sperrung für den Fahrzeugverkehr im oberen Teil in den Fokus der Anregungen, da die Bürger häufig auf ihrem Weg einen Sla­lom um Autos und andere Hindernisse passieren müssten. Am Ende herrschte insoweit Konsens unter den Teilnehmern über ein Regelwerk, das aber in weiteren Absprachen noch angepasst werden sollte. Dafür wünschte sich der Baureferent „etwas mehr Zurückhaltung im Wohnzimmer der Stadtgesellschaft“.

von Wolfgang Becker

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