Was macht das Dorf zum Dorf?

Dorfentwicklung Hirschzell

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Wolfgang Ewald (li.) zeigte in seinem Vortrag Fördermöglichkeiten für ein Dorfgemeinschaftshaus auf.

Kaufbeuren – Die Treffen im kleineren Kreis finden schon länger statt. Nun aber gab es einen Anlass, zu dem das „Dorfforum Hirschzell – Gemeinsam aktiv“ alle interessierten Bürger der Stadt im Feuerwehrhaus in Hirschzell eingeladen hatte.

Im Rahmen eines Informationsabends referierten Architekt Martin Hofmann und Ministerialdirektor Wolfgang Ewald unter dem Titel „Zukunft im Dorf? Dorf mit Zukunft!“. Hintergrund ist die zukünftige Entwicklung des ländlich strukturierten Stadtteiles, insbesondere aber des Zentrums mit dem früheren Gasthaus „Sonne“.

Im Gemeinschaftsraum konnte Moderator Tobias Klöck über 100 Besucher begrüßen, darunter OB Stefan Bosse. Nach einer kurzen historischen Rückschau auf den 839 erstmals erwähnten und damit ältesten Stadtteil Kaufbeurens skizzierte Klöck die Vorteile einer „Naherholung vor der Tür“ sowie der durch das Dorf führenden Radwege. Er stimmte auf die Thematik ein und stellte fest: „Das Dorf mit seinen vielen Vereinen und der Pfarrgemeinde ist vital!“

„Was prägt ein Dorf?“

Was macht das Dorf zum Dorf? Dieser Frage widmete sich der in Irsee ansässige Architekt in seinem Vortrag. Von der Verzahnung mit der Landschaft über die Durchgrünung mit Obstwiesen und offenen Gärten, einer Ortsmitte mit Kirche und Wirtschaft als Treffpunkt zeigte er bildhaft anhand von Beispielen die charakteristischen Kennzeichen eines Dorfes auf. Die äußere Prägung durch die Lage zwischen der Region München und der Tourismusregion im Süden spiele ebenso eine Rolle wie die Prägung von innen. Der Fachmann gab den Rat: „Man muss sich als Gemeinschaft zusammenfinden und einen Ansprechpartner zur Pflege der Kommunikation haben!“

Wolfgang Ewald ist im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ebenfalls beruflich mit der Thematik befasst. Er zeigte die Nutzung vorhandener Stärken und Merkmale eines vitalen Dorfes auf, zu denen unter anderem ein reges soziales Leben gehört. Nach einer Analyse der Situation habe die Innenentwicklung mit Umnutzung und Sanierung Vorrang. Besonders verwies er auf die Möglichkeit zur Bildung einer „Dorfgenossenschaft“ und zeigte dies an Beispielen. „Hirschzell hat Potenzial, zumal es auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) verankert ist“, so der Eindruck des Experten. Er verwies auf die Chance im EU-Förderprogramm „Dorferneuerung – Basisleistungen“, welches bis zu 60 Prozent Zuschüsse bei Investitionen ermöglicht.

„Dorfgemeinschaftshaus“

Insbesondere die Pläne für das ehemalige „Gasthaus Sonne“ der Eigentümer Katharina und Wolfgang Wiedemann könnten damit eine Umsetzung erfahren, zumal die Stadt bis zu 30 Prozent beisteuern könnte. „Das Gebäude soll zu einem Dorfgemeinschaftshaus mit Räumen für die Vereine und die Pfarrgemeinde umgebaut werden“, sagte die Inhaberin im Gespräch mit dem Kreisbote. Aber auch Feste könne sie sich darin vorstellen, zumal das Haus einen „wunderschönen Gewölbekeller“ habe. „Wir finden das toll, was sich hier im Dorf tut“, freute sich Oberbürgermeister Stefan Bosse und sagte seine Unterstützung zu.

Gemeinsamkeit hat Hirschzell bereits bewiesen: nicht nur bei den monatlichen Treffen, sondern auch beim Ausräumen der „Sonne“. Bis zu 50 Bürger – die Hälfte Jugendliche – waren daran beteiligt.

Zum Thema „Dorfentwicklung mit Genossenschaften“ findet ein Vortrags­abend des Bürgerforums Kaufbeuren mit dem Leutkircher Christian Skrodzki als Vorstand vom „Leutkircher Bürgerbahnhof eG“ am Donnerstag, 18. Mai um 19.30 Uhr im Hotel Hasen statt.

von Wolfgang Becker

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