OB Stefan Bosse im Dialog mit Kaufbeurens Bürgerinnen

Treffen mit vielen Themen

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Auch das Problem zu teurer Kita-Plätze wurde auf der Bürgerinnenversammlung in Kaufbeuren thematisiert.

Kaufbeuren – Egal ob Kinderbetreuungskosten, bessere Anbindungen, Asyl, Tempoüberwachungen oder Hundepark: Kaufbeurens Bürgerinnen haben viel auf dem Herzen. Einen Eindruck davon erhielt Oberbürgermeister Stefan Bosse vergangene Woche bei der Bürgerinnenversammlung im Haus Sankt Martin. Die Moderation übernahm Gleichstellungsbeauftragte Elke Schad.

Bosse sprach zur Einführung die momentane Lage des Einzelhandels in der Fußgängerzone an. Der Einzelhandel habe wegen Bauarbeiten mit Umsatzrückgängen von 30 Prozent zu kämpfen, die teilweise eine existenzielle Bedrohung darstellten. Bosse richtete sich deshalb mit einem Aufruf an die Kaufbeurer, den Geschäften die Treue zu halten. Laut Bosse seien die Umsatzeinbrüche dabei nicht nur durch Bauarbeiten für das Forettle-Center bedingt, sondern auch durch Änderungen im Kaufverhalten der Kunden: es ziehe immer weniger Menschen in die Läden. Unter anderem durch Sanierungen im Einzelhandel würde versucht, dem entgegenzuwirken.

Bei der offenen Diskussionsrunde äußerte sich eine Bürgerin, die als Beleghebamme arbeitet, betroffen über die geringe Entlohnung in ihrem Beruf. Die damit verbundene Unterbesetzung hätte zur Folge, dass schwangere Frauen teilweise weggeschickt und an andere Stellen im Umland verwiesen würden. Bosse sicherte hier seine Bemühungen zu; er gab an, mit der Klinikleitung in Kaufbeuren Rücksprache zu halten.

Eine Mutter von drei Kindern bemängelte die hohen Beiträge für Kita-Plätze und wies auf die schwere Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung hin. OB Bosse erwiderte, dass es ab nächstem Jahr bei mehreren in der Kita untergebrachten Kindern einer Familie laut einem Beschluss des Stadtrats Nachlässe geben werde.

Man war sich außerdem einig, dass es einheitliche Beiträge geben sollte, die Preise aber in jedem Fall offen online gestellt werden müssten. Elke Schad sagte zu, sich um die Verbesserung der Homepage zu kümmern.

An anderer Stelle kam die Frage auf, wie viele Flüchtlinge die Stadt noch aufnehmen werde. Der OB entgegnete, dass ohnehin immer weniger Asylsuchende nach Kaufbeuren kämen und man gerade dabei sei, all diejenigen, die nicht von politischer Verfolgung betroffen seien und deren Asylantrag abgelehnt sei, zurück nach Hause zu schicken. Auch berichtete er von der Inkonsequenz mancher Asylbewerber bei der Teilnahme von Sprachkursen. In diesem Zusammenhang monierte eine Bürgerin die von den Asylbewerbern oft nicht vorhandene Bereitschaft zur Mülltrennung, weshalb der Ruf nach einer mehrsprachigen Beschriftung der Müllsäcke lauter wurde. Bosse nahm das Anliegen auf, gab aber augenzwinkernd zu, dass auch Einheimische bisweilen schwer durchblicken würden, was genau wohin gehöre.

Ein weiteres Anliegen war die schwierige Anbindung an den Bahnhof, unter der besonders Pendler zu Leiden hätten. Hierzu erläuterte der OB, dass extra Nahverkehrsexperten dazu eingeschaltet worden seien, die die Synchronisierung von Bus und Zug überprüft, aber keine Lösung gefunden hätten. Innovative Ansätze sehe Bosse in zukünftigen Apps: „In wenigen Jahren wird es dann vielleicht Anrufsammelsysteme geben, mit deren Hilfe man bei Bedarf Kleinbusse herbestellen und dadurch mehr Flexibilität ermöglichen kann“.

Sonstige Punkte waren unter anderem die Forderung nach mehr Geschwindigkeitskontrollen – vor allem dort, wo ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde gilt – um die Sicherheit von Kindern zu erhöhen; auch über die optimale Wassertemperatur beim Seniorenschwimmen wurde diskutiert, der Wunsch nach einem Hundepark wurde geäußert und Themen wie die Beseitigung von Hundekot, Müll­entsorgung sowie die hohe Zahl an Baumfällungen wurden angeschnitten.

OB Bosse nahm die Anliegen zur Kenntnis, regte aber auch zu mehr Mut zur Zufriedenheit an, und hielt bei der Gelegenheit ein leidenschaftliches Plädoyer auf eine vergleichsweise paradiesisch grüne Stadt Kaufbeuren.

von Mahi Kola

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