Marktoberdorfer Bürgermeister bilanziert

Hell und seine jährliche "Tournee"

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Sieben Bürgerversammlungen innerhalb von drei Wochen meistert Dr. Wolfgang Hell, Bürgermeister von Marktoberdorf.

Marktoberdorf – Sieben Bürgerversammlungen innerhalb von drei Wochen seien zwar eine konditionelle Herausforderung. Aber dass dabei fast 600 Besucher verzeichnet wurden und dass sich mitunter eine rege Diskussion ergab, nimmt der Marktoberdorfer Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell absolut positiv auf. Im Interview mit dem Kreisbote zieht der Rathauschef ein Fazit nach seiner jährlichen „Tournee“ durch die Stadtteile. Zugleich skizziert er – inzwischen ist die Halbzeit der Amtsperiode vorüber – die vorrangigen Aufgaben, die bis 2020 angepackt werden sollen.

Sie haben die „Tournee“ mit sieben Bürgerversammlungen in Marktoberdorf und in den Ortsteilen beendet. Wie fällt das Resümee aus?

Hell: Das Interesse an den Bürgerversammlungen war gut. Wir hatten insgesamt fast 600 Besucher und eine rege Diskussion. Das ist gelebte Demokratie und ich freue mich, dass unsere Bürgerinnen und Bürger dieses Angebot einer öffentlichen Aussprache wahrnehmen. In manchen Stadtteilen waren sogar mehr als zehn Prozent der Bürgerinnen und Bürger da.

Mit sieben Terminen sind Sie, was die Zahl der Bürgerversammlungen pro Jahr angeht, eindeutig der Spitzenreiter. In Kaufbeuren und Füssen sind es weniger; in Schongau gibt’s gar nur eine!

Hell: Zugegeben – sieben Bürgerversammlungen innerhalb drei Wochen sind schon eine konditionelle Herausforderung. Zusammen mit meinen anderen Verpflichtungen als Bürgermeister komme ich da in jeder Woche auf durchschnittlich fünf Abendtermine. Das spürt man natürlich. Andererseits: Es ist doch wirklich positiv, wenn eine Mehrzweckhalle oder der Saal vom Königswirt in Bertoldshofen bis auf den letzten Platz voll sind.

Wenn Sie in den Ortschaften sind: Welche Gemeinsamkeiten stellen Sie bei den Bürgeranliegen fest?

Hell: Ein großes Interesse vieler Bürgerinnen und Bürger an ihrer Heimat, an der Lokalpolitik und ein großes Spektrum an Fragen.

Und wo erkennen Sie Unterschiede?

Hell: In den ländlichen Stadtteilen spielen landwirtschaftliche Themen eine größere Rolle. Im Dorf identifizieren sich noch mehr Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Wohnort als in der Kernstadt. Das liegt natürlich in der Zusammensetzung und Sozialstruktur der Bevölkerung und in der damit verbundenen Bodenständigkeit.

In Sulzschneid haben Sie – es war nach der Segnung des Hauses der Vereine – neulich gesagt: Die Ortschaft sei „eigenständig und bodenständig“. Trotzdem sollten die Bewohner die Stadt als Einheit sehen. Wo sehen Sie da den Ansatz zu Verbesserungen?

Hell: Das Besondere an Markt­oberdorf ist die Kombination unserer Kernstadt mit ihrer Infrastruktur und unseren Stadtteilen mit ihrer ländlichen Prägung und Tradition. Beides zusammen macht uns stark. Das soll so bleiben, und darum rufe ich das immer wieder ins Bewusstsein. Denn natürlich besteht immer die Gefahr, dass einer auf seinen Nachbarn schielt. Das ist in einer großen Familie halt so.

Halbzeit in der Amtsperiode 2014 bis 2020 – was wollen Sie in und für Marktoberdorf die nächsten drei Jahre noch anschieben?

Hell: In den letzten Jahren wurden in Marktoberdorf gute Investitionen getätigt oder begonnen. Das betrifft gleichermaßen private und öffentliche Baumaßnahmen. Denken wir dabei an Ärztehaus oder Hotel, Feuerwehrhaus Leuterschach oder den Kindergarten St. Magnus. Wir verzeichnen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden, Reduktion des Ladenleerstands und eine Bereicherung der Marktoberdorfer Gastronomie. Auch im privaten Wohnungsbau tut sich einiges. Den größten innerörtlichen Unfallschwerpunkt am Jörglweg/Schwabenstraße und weitere Gefahrenstellen konnten wir entschärfen. Für Bundesfernstraßenprojekte zur Entlastung der Bevölkerung einerseits und attraktiveren Anbindung des Wirtschaftsstandortes andererseits wurden die Weichen gestellt.

Stichwort Infrastruktur: Wo bedarf es einer weiteren Weichenstellung?

Hell: Stadtentwicklung ist aber ein nie endendes Thema - wie gesagt, in Kernstadt und Stadtteilen. Ob Wohnungsbau, Erschließung des Krankenhausareals, Grundschulen, Kindergärten und sonstige Infrastruktur. Dazu gehören auch mehrere große gemeinsame Projekte mit der Deutschen Bahn, unter anderem der barrierefreie Ausbau des Bahnhofes. Daran werden wir konsequent weiterarbeiten.

Wie schaut’s aus: Kandidieren Sie 2020 nochmals für das Amt des Bürgermeisters?

Hell: Für diese Frage ist es noch zu früh. Mein Team in der Stadtverwaltung und ich sind mitten in der Arbeit. Wir haben viele wichtige Aufgaben zu erledigen. Da sehe ich Gedanken an einen künftigen Wahlkampf momentan als Zeitverschwendung.

jj

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