„Mit mir soll Buchloe grüner werden“

Bürgermeisterwahl 2020 in Buchloe: Elfriede Klein geht für die Grünen ins Rennen

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Elfriede Klein kämpft gegen den Flächenverbrauch. Unser Foto zeigt sie auf dem geplanten Baugebiet im Buchloer Süden. Im Hintergrund ist das Gymnasium zu sehen.

Buchloe – Es gibt Ereignisse, die das Leben nachhaltig verändern können. Elfriede Klein, Jahrgang 1955, Stadträtin der Grünen und Bürgermeisterkandidatin, kann gleich auf zwei markante Erlebnisse zurückblicken, die mit ausschlaggebend für ihr politisches Engagement wurden. Die Atomkatastrophe von Tschernobyl vor mehr als 30 Jahren habe ihr klargemacht, wie machtlos der Mensch gegenüber seinen eigenen Erfindungen ist. Und dann gab es noch das Pfingsthochwasser im Jahr 1999. Der Gedanke daran jagt ihr heute noch Schauer über den Rücken, als gurgelnd das Wasser ins Haus drang.

„Ich weiß noch genau, wie im April 1986 die ersten Meldungen im Radio kamen. Es war der Tag, an dem meine Tochter ihren 11. Geburtstag feierte.“ In Schweden und Finnland war damals stark erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Alle Welt rätselte, was passiert sein könnte. Nach zwei Tagen bestätigten die russischen Staatsmedien den Unfall. Erst nach und nach wurde das Ausmaß dieser Katastrophe klar. Bei Elfriede Klein hat es tiefe Spuren hinterlassen. „Wir konnten unsere Kinder nicht mehr zum Spielen nach draußen lassen.“

„Seit diesem Zeitpunkt habe ich mich für die Grünen vor allem wegen ihrer Haltung zur Atomkraft interessiert. Parteimitglied bin ich aber erst Jahre später geworden“. Das war nach dem Pfingsthochwasser von 1999. „Mir war klar, dass beim Hochwasserschutz etwas geschehen muss“. Elfriede Klein zog los, um Unterschriften für einen besseren Hochwasserschutz zu sammeln. Ihre Einzelaktion machte die Buchloer Grünen auf sie aufmerksam und sie wurde angesprochen, ob sie sich eine Mitgliedschaft vorstellen könne. Sie trat in die Partei ein, weil sie, wie sie sagt, gemerkt habe, dass man als Einzelperson zwar Themen anstoßen könne. Ziele könne man aber nur gemeinsam erreichen. In den Stadtrat wurde Elfriede Klein erstmals 2008 gewählt.

Die Sorge um das Klima und die Umwelt sind ihre Hauptsorgen, die letztlich auch zu ihrer Kandidatur für das Bürgermeisteramt geführt hätten. „Nach Brasilien brennt es jetzt in Australien, Malaysia versinkt – wieder einmal – im Wasser, Afrika vertrocknet. Es scheint wir leben auf einer ,friedlichen Insel‘ in Buchloe“, sagte sie unserer Zeitung. Aber auch die Wetterlagen bei uns würden extremer: mit heißen und trockenen Sommern, die auch unser Grundwasser gefährden, auf der einen Seite, und Extremregen mit Hochwasserschäden auf der anderen Seite. „Die Wälder um uns leiden unter den steigenden Temperaturen, die Tierwelt um uns verändert sich – viele Insekten- und in der Folge viele Vogelarten sterben aus.“

„Ich will was verändern. Ich will Verantwortung für Buchloe übernehmen, damit Buchloe auch Verantwortung übernimmt, die Folgen des Klimawandels einzudämmen“, betonte Elfriede Klein gegenüber unserer Zeitung. Dass das Amt eine schwierige Aufgabe ist, weiß sie. „Ich habe auch große Hochachtung für Josef Schweinberger“, sagte sie, auch wenn sie nicht immer mit allen Maßnahmen einverstanden gewesen sei. „Er hat viel für Buchloe getan, nicht nur beim Hochwasserschutz.“

Was würde Elfriede Klein anders machen als Josef Schweinberger, wenn sie auf dem heißen Stuhl einer Bürgermeisterin säße? Ihre Antwort: „Das, was ich zu Hause auch mache, wenn ich etwas plane, nämlich jede Maßnahme mit all ihren Auswirkungen zu Ende durchdenken und dann ein Gesamtkonzept erstellen“. Gründlichkeit ginge bei ihr vor Schnelligkeit, betonte sie. Und sie hat auch ein Beispiel parat, das da Bahnhof heißt. „Zuerst wurde der Kreisverkehr gebaut, dann der Bahnhof. Jetzt taucht die Frage auf, wohin man mit dem Busbahnhof soll, nachdem das ehemalige Obdachlosenheim in der Kaufbeurer Straße 4 nun doch nicht abgerissen werden soll.“

Überhaupt nicht zufrieden ist Elfriede Klein beispielsweise mit dem Bahnhofsvorplatz. „Der ist nur zubetoniert“. Nicht nur den Bahnhofsvorplatz, sondern grundsätzlich die Stadt würde sie grüner gestalten, skizziert Elfriede Klein ihr Programm. Demnach sollte die Stadt mit einem Klimaschutzkonzept durch die Schaffung „grüner Lungen“ auch nachhaltiger werden. Durch ein Kino, Cafés oder ein Kulturzentrum könnte Buchloe lebendiger für junge Menschen und Senioren werden und Buchloe soll ihrer Meinung nach verkehrstechnisch sicherer werden durch Radstraßen und einen engmaschigen ÖPNV. Das gesamte Programm von Elfriede Klein ist unter www.gruene-buchloe.de zu finden.

Man muss gestalten und Brücken bauen, ist ihr Credo. Die Verwaltungsfachangestellte bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BiMA) ist seit 2005 freigestellte Personalratsvorsitzende und unter anderem auch Personalcoach für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Sie weiß, dass sie es nicht allen Menschen recht machen kann. Das gilt auch für die oft umstrittene Nachverdichtung. „Man muss vorher mit den Menschen sprechen.“

Ihr Wunsch: „Buchloe soll auch für meine Enkel, Urenkel und Ururenkel und allen nachkommenden Generationen liebens- und lebenswert sein“. Ihre Ziele, so sagte Elfriede Klein, werde sie weiter verfolgen, auch wenn sie nicht zur Bürgermeisterin gewählt würde. „Da bin ich schmerzfrei.“

von Siegfried Spörer

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