Kein „Weiter so“

Bürgermeisterwahl 2020 in Buchloe: Herbert Wintersohl geht für die UBI ins Rennen

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Herbert Wintersohl ist Vorsitzender des Buchloer Heimatvereins. Als Bürgermeister würde er einiges anders machen.

Buchloe – Nirgendwo spiegelt sich die bewegte Geschichte der Stadt besser wider als im örtlichen Heimatmuseum. Den Schlüssel zu diesem Schmuckkästchen verwaltet seit einiger Zeit ein Mann, der ausgesprochen geschichtsbewusst und politisch interessiert ist und viel von der Welt gesehen hat. Es ist Herbert Wintersohl, 1. Vorsitzender des Heimatvereins und seit kurzem auch Kandidat für das Bürgermeisteramt bei den kommenden Kommunalwahlen am 15. März. Er geht für die UBI, die „Unabhängige Bürgerinitiative für Buchloe“, ins Rennen, um das Erbe von Josef Schweinberger anzutreten.

Herbert Wintersohl, Jahrgang 1966, in Nordrhein-Westfalen geboren, ist seit 22 Jahren überzeugter Buchloer Bürger, verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist einer von zwei Kandidaten, die bisher nicht im Stadtrat vertreten waren. Er hat aber sehr genaue Vorstellungen, wie das Amt eines Bürgermeisters auszufüllen sei. Der Kreisbote hat den Kandidaten zum Gespräch getroffen.

Bis vor zwei Jahren war sein Arbeitsplatz an Bord einer Transall des Lufttransportgeschwaders LTG 61. Als Lademeister war er allein für die richtige Beladung des Transporters zuständig. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn in der Luftfahrt gab es schon viele Abstürze wegen falsch beladener Flugzeuge, sowohl zivil als auch militärisch.

4000 Stunden hat der gebürtige Sauerländer Wintersohl in der Luft verbracht. Versorgungs- und viele humanitäre Hilfseinsätze, auch unter der Flagge der UN, öffneten vollkommen neue Blickwinkel für ihn. Jedes Mal, wenn die Laderampe seiner gelandeten Transall heruntergelassen wurde, wusste er nicht, wer auf der anderen Seite auf ihn wartete. So lernte Wintersohl den Umgang mit Menschen in fernen Ländern aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen kennen. Er sah wie viele andere Luftwaffensoldaten die Not und das Elend in Afrika oder anderswo. Es waren prägende Erlebnisse, sagte uns Herbert Wintersohl, die er in einen Kontext zu dem heutigen Leben in Deutschland einordnen möchte: „Manchmal wünsche ich mir hier etwas mehr Bescheidenheit und Demut“.

Als Moderator, Mediator und Kriseninterventionskraft bei der Luftwaffe am Standort Penzing habe er gelernt, zuzuhören, um zunächst ein Problem zu verstehen. Eine Lösung zu finden sei dann erst der nächste Schritt. Darin unterscheide er sich von anderen Politikern, sagte Wintersohl, denn die würden oft sofort aus einer Schublade eine standardisierte Lösung hervorziehen, ohne das Problem überhaupt zu Ende zu hören.

Einen anderen Weg einschlagen

Auf die Frage, was er als Bürgermeister von Buchloe beispielsweise anders machen würde, als sein Vorgänger, stellte Wintersohl klar heraus, dass es mit ihm ein „Weiter so“ nicht geben würde. Er präzisiert das am aktuellen Streit mit Anwohnern, denen die Nachverdichtungsplanungen oft zu groß sind.

„Man muss vorher mit den Anwohnern sprechen, beispielsweise in einer Art Gestaltungsbeirat“, sagte Wintersohl. Dabei liege die Betonung auf „vorher“. Dass Demokratie bei den verschiedenen Interessenlagen nicht immer einfach und bequem ist, weiß Herbert Wintersohl. Sein Vorteil sei, dass er vollkommen unabhängig von jeder Parteipolitik sei.

Überhaupt sei bei dem wichtigen Thema Stadtentwicklung einiges falsch gelaufen. „In Buchloe gibt es keine Vision und dadurch lassen wir uns jagen“. Er würde ein Programm „Buchloe 2030“ zusammen mit Stadtrat, Bürgern, Fachleuten und Verwaltung erarbeiten. Darin solle es nicht nur um Stadtentwicklung und Verkehr gehen, sondern mehr oder weniger alle Lebensbereiche umfassen.

Geärgert habe ihn die Ablehnung einer finanziellen Förderung von Lastenfahrrädern in der Stadt. Für die Bahnhofstraße habe er ein eigenes Konzept entwickelt, ohne dass der Autoverkehr verbannt wird.

Ein ganz wichtiger Punkt ist für Wintersohl, dass er mit der sogenannten „schweigenden Mehrheit“ in Kontakt kommt. Für ihn ist die Begegnung mit Menschen das A und O von Politik. „Wenn die Menschen nicht kommen, müssen wir zu ihnen gehen“, ist sein Motto, Hausbesuche inklusive. Er bietet in seinen Flyern an: „Lassen Sie uns reden: Sie kochen Kaffee und ich bringe den Kuchen mit“. Ein übrigens ernst gemeintes Angebot.

Sein Arbeitsprogramm hat Wintersohl übrigens auf einer eigenen Homepage zusammengefasst: www.buergermeister-fuer-buchloe.de. Dazu gehört auch eine Art Kummerkasten.

„Ich hoffe, dass ich gewählt werde“, betonte der pensionierte Luftwaffensoldat. Seinen persönlichen „Plan B“, im Falle der Nichtwahl, hat er trotzdem parat. „Ich habe noch viele Aufgaben, die ich machen will, beispielsweise ein Buch über die Geschichte des LTG 61 schreiben. Natürlich werde ich mich weiter für unsere Stadt engagieren. Und ich werde auch weder depressiv noch schmollen oder beleidigt sein“.

von Siegfried Spörer

Am 15. März ist es so weit, dann finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Die Bürger sind an diesem Tag aufgerufen zur Wahlurne zu schreiten, um ihre Vertreter auf kommunaler Ebene zu wählen. Alle Artikel werden auch auf unserer Kreisbote-Homepage veröffentlicht und können dort kostenlos abgerufen und nachgelesen werden. Somit sind Sie, liebe Kreisboten-Leser, immer im Bilde und können dann die für Sie richtige Entscheidung beim Gang zur Wahlurne treffen.

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