Innehalten und Schnellschüsse vermeiden

Bürgermeisterwahl 2020 in Buchloe: Maximilian Hartleitner geht für die FDP ins Rennen

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Maximilian Hartleitner würde einiges anders machen als der heutige Bürgermeister.

Buchloe – Einmal bei Günther Jauch auf dem Quizstuhl zu sitzen – muss nicht unbedingt sein, sagt Buchloes Bürgermeisterkandidat Maximilian Hartleitner, der für die FDP ins Rennen geht. Aber regelmäßig an Quizveranstaltungen teilnehmen, das mache ihm durchaus Spaß. Seinen letzten Auftritt hatte er im Oktober in Regensburg bei den Bayerischen Quizmeisterschaften 2019. Von 68 Teilnehmern erreichte Hartleitner immerhin Platz zwölf. „Das war ein gutes Ergebnis“.

Auf Platz eins möchte der 40-jährige Maximilian Hartleitner gerne bei der Bürgermeisterwahl 2020 in Buchloe kommen. Als einer von sechs Kandidaten geht der gebürtige Buchloer mit großer kommunalpolitischer Erfahrung ins Rennen. Immerhin ist Hartleitner seit 22 Jahren ununterbrochen im Stadtrat, anfangs noch für die CSU, später parteilos und zuletzt als FDP-Mitglied. 2008 wurde er auch in den Kreistag über die Liste „Junges Ostallgäu“ gewählt.

Auch seine berufliche Ausbildung käme ihm für das Amt entgegen, bilanziert Hartleitner selbst. Nach dem Abitur, das er in Türkheim abgelegt hat, studierte Hartleitner in Augsburg Politikwissenschaft. Nachdem er sich 2010 für eine Laufbahn im Staatsdienst entschieden hatte und eingestellt wurde, absolvierte er im dualen System ein weiteres Studium an der Hochschule für den Öffentlichen Dienst in Hof, das er als Diplom-Verwaltungswirt abschloss.

Eingesetzt wurde Hartleitner zunächst im Fachgebiet „Grund­erwerb“ beim Staatlichen Bauamt in Augsburg. Eine Abordnung zur Regierung von Schwaben in Augsburg folgte später. Dort beschäftigte sich Hartleitner mit Planfeststellungsverfahren und Straßenrecht. 2017 gab es für ihn dann die vorläufig letzte Versetzung, nun zur obersten Baubehörde nach München, damals noch im Innenministerium angesiedelt. Sein Fachgebiet bis heute: Stellenbewirtschaftung im Haushaltsreferat.

Während seines Studiums hat Maximilian Hartleitner ein Auslandssemester im Rahmen des Erasmus-Programms in Tschechien in Hradec Králové, dem früheren Königgrätz absolviert. Obwohl die Lehrveranstaltungen auf Englisch stattfanden, hat er tschechisch gelernt.

Zu seinen Hobbys gehört neben der tschechischen Sprache und dem Besuch von Quizveranstaltungen auch noch die Musik. Hartleitner spielt Geige und Bratsche, allerdings nicht fest in einer Musikkapelle sondern eher „projektbezogen“ oder in Kirchen. Zur katholischen Kirche hat er ein gutes Verhältnis und arbeitet aktiv in der Kirchenverwaltung mit.

„Ich habe mich schon immer für Politik interessiert“, sagt Hartleitner unserer Zeitung. Nach dem Abitur sei er in die CSU und damit auch in die Junge Union eingetreten. Im Ortsverband Buchloe wählten ihn die Mitglieder sehr schnell zum Schriftführer. 2002 wurde er bei der Kommunalwahl mit 22 Jahren einer der jüngsten Stadträte in Buchloe. 2015 erfolgte der Bruch mit dem Ortsverband der Buchloer CSU – aus persönlichen Gründen, wie Hartleitner anmerkte. Zwei Jahre lang war er parteilos, bis er 2017 in die FDP eintrat. Hartleitner kandidiert nicht nur für das Bürgermeisteramt, sondern auch für den Kreistag und den Stadtrat, jeweils auf Platz 1 in der FDP-Liste.

Wir fragen Hartleitner, was er anders als Amtsinhaber Josef Schweinberger machen würde. „Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich versuchen, noch Änderungen bei der Verlegung der Karwendelstraße herbeizuführen“. Seine Position zu diesem Thema ist im Stadtrat bekannt. Es ärgert ihn nicht zuletzt deswegen, weil hier ein Planfeststellungsverfahren isoliert nur für die Straße gemacht werden soll, ohne das Wohnumfeld mit einzubeziehen.

Auch für das Bahnhofsumfeld fehlt Hartleitner eine sinnvolle Gesamtplanung. „Da müsste viel mehr aufeinander abgestimmt und durchdacht werden. Ich möchte nicht, dass der Busbahnhof ein ewiges Provisorium bleibt.“ Für ihn gehört der Busbahnhof auf die andere Bahnhofsseite an die Karwendelstraße. Verkehrstechnisch würden dann Bahnhofsstraße und „Neue Mitte“ entlastet.

„Wir müssen auch nicht jedem Zuschuss hinterherrennen“, klagt Hartleitner. Vieles werde in Buchloe nur deswegen gemacht, weil es Zuschüsse gibt. „Auch Zuschüsse sind Steuergelder.“ Ein klassisches Beispiel sei für ihn die Sanierung eines stadteigenen Hauses in der Kaufbeurer Straße 4. Ursprünglich sei im Stadtrat beschlossen worden, das Haus wegen Baufälligkeit abzureißen. Dann sei eine Zuschussförderung von 90 Prozent entdeckt worden und prompt seien die Beschlüsse wieder geändert worden.

Wie alle anderen Bürgermeisterkandidaten auch, spricht sich Hartleitner für eine bessere Beteiligung der Bürger bei Stadtplanung und Nachverdichtung aus. Als Bürgermeister wolle er sich um mehr kulturelle Impulse und Infrastruktur kümmern. „Wir haben kein Theater, wir haben kein Kino, wir haben noch nicht einmal einen Saal für Konzerte“, beklagte er. Nur so eine Idee von ihm: Man könnte die Schwabenhalle ertüchtigen. „Mit dem Abreißen ist man in Buchloe immer ganz schnell“, sagt der Bürgermeisterkandidat. Er würde mehr innehalten, nachdenken und keine Schnellschüsse machen.

„Wenn ich nicht gewählt werde, geht es für mich normal weiter“, sagt Hartleitner auf Nachfrage. Es sei nun mal eine Binsenweisheit, dass jeder, der sich um ein politisches Amt bewerbe, auch damit rechnen müsse, nicht gewählt zu werden. „Ich werde mich weiter für die Stadt engagieren, denn ich habe ja nichts zu verlieren.“

von Siegfried Spörer

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