Den Schwung mitnehmen

Bürgermeisterwahl 2020 in Marktoberdorf: Dr. Wolfgang Hell (CSU) will es noch einmal wissen

+
Die Obstbäume in seinem Garten schneidet Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell schon seit Jugendzeiten. Das lässt er sich auch von seinem arbeitsreichen Job nicht nehmen, um den sich der 59-Jährige nun zum zweiten Mal bewirbt.

Marktoberdorf – „So...“ – Dr. Wolfgang Hell beginnt seine Sätze gerne mit dem kurzen Wörtchen „so“, das abschließend und ankündigend zugleich gemeint sein will. Dieses kurz und knackig ausgesprochene „So!“ passt zum Bürgermeister, der zum Ende der Amtsperiode den Bürgern nun Rechenschaft über das Geleistete ablegen möchte. Und mit seiner Bewerbung um eine zweite Amtszeit gleichzeitig vieles ankündigt, was er für weitere sechs Jahre noch auf der Agenda hat.

Amt und Mensch? Das lässt sich im Falle des Bürgermeisters und Bürgermeisterkandidaten Dr. Wolfgang Hell kaum trennen. 75 bis 80 Stunden arbeitet er jede Woche, von früh morgens bis manchmal spät nachts. Die Familie komme gefühlt zu kurz, die Hobbys seien auf Eis, sagt er. Warum er trotzdem weitermachen will? Dr. Hell lässt sich Zeit mit seiner Antwort. „Vieles, was wir im Stadtrat in den letzten Jahren angepackt haben, ist erfolgreich. Manches wider Erwarten, manches dank hartnäckiger Verhandlungen und manches, weil die Zeit dafür einfach reif ist. Diese Erfolge geben Schwung für die nächsten sechs Jahre“, lacht er und lehnt sich zurück. Dass vieles gelungen ist, an das wenige geglaubt haben, macht ihn auch ein wenig stolz. „Seit 30 Jahren wollten wir ein Hotel, jetzt ist es da“, zählt er auf. „Die Umfahrung Bertoldshofen oder der Lebensmittelladen im Norden – was haben wir dafür gekämpft!“ Belohnung sei für ihn daher, wenn Leben in der Stadt ist. Wenn etwas Neues und Gutes auf den Weg gebracht wird. Das können auch kleine Schritte in die richtige Richtung sein, so Hell. „Wenn zum Beispiel aus drei Hektar toter Rasenfläche blühende Wiesen entstanden sind.“

In die Natur geht der 59-Jährige auch immer dann, wenn wirklich nichts, rein gar nichts mehr für die Stadt zu tun ist. Dann zieht es ihn in den Garten oder auf die eigene Waldpflanzung kurz hinter der Stadtgrenze, wo er sich um einen Hektar jungen Mischwald kümmert. Dort kämpfe er mit gleicher Hartnäckigkeit höchstens gegen wild wuchernde Brombeeren, so Hell. „Die körperliche Arbeit tut gut, Wind und Wetter blasen mir den Kopf frei“, gesteht er. Die Gartenarbeit zuhause habe aber mittlerweile seine Frau übernommen, „denn dazu fehlt einfach die Zeit.“ Was er sich nicht nehmen lasse, sei noch das regelmäßige Schneiden der Obstbäume. Denn das mache er schon seit seiner Jugend. Die Frage, ob dank der guten Pflege die Ernte dann auch besonders üppig ausfalle, beantwortet der Bürgermeister mit Bescheidenheit: „Jeder Baum hat Jahre, in denen er sich ausruht und andere, in denen er gibt.“ Die Begeisterung für die Gartenarbeit hat der Vater zweier Kinder schon lange und so ist es nicht erstaunlich, als er augenzwinkernd verrät: „Im nächsten Leben werde ich Gärtner!“ Nun ist Dr. Wolfgang Hell im ersten Leben aber zunächst Mediziner und dann Bürgermeister geworden. Der Betriebsarzt und medizinische Gutachter eroberte 2014 als hemdsärmeliger Quereinsteiger das Marktoberdorfer Rathaus.

Denkt er heute sechs Jahre zurück, so spricht Wolfgang Hell zunächst einmal den Mitarbeitern im Rathaus seine Dankbarkeit aus, den „Neuling“ sanft in die Strukturen einer Stadtverwaltung eingelernt und seine Ungeduld gezügelt zu haben. Seine Erkenntnis heute: „Man braucht einen langen Atem, dann kann vieles gelingen.“ Sein einziger Wermutstropfen ist, nicht jeden der rund 18.800 Einwohner Markt­oberdorfs glücklich und zufrieden machen zu können. „Es ist nicht immer leicht mit so vielen Chefs“, lächelt der Bürgermeister in sich hinein. Dass er immer und überall ansprechbar ist, stört ihn dagegen nicht. Jeder Bürger könne mit ihm in Kontakt treten, im oder außerhalb des Rathauses. Und das solle im Fall einer Wiederwahl auch so bleiben. In der Kommunalpolitik gehe es ums Wohl der Bürger, sagt Hell und fügt spitz an: „Da setzen wir uns von manch derzeitiger Politik in Berlin ab.“ Ideologische Gräben, parteipolitisches Geschacher – davon sei der Stadtrat weit entfernt, meint der Bürgermeister, der sich als Moderator des Gremiums sieht. „Am Ende entscheidet immer die Mehrheit“, so Hell. Sein Anliegen sei es deshalb, anstehende Themen mit großer Sorgfalt vorzubereiten, damit eine konstruktive Entscheidung gefällt werden könne.

Die konzentrierte Atmosphäre in seinem Büro tauscht er manchmal auch gerne mit den „magischen Orten“ in Markt­oberdorf, die er für sich entdeckt hat. Dann geht er zur Buchel und schaut von der Wendelinskapelle über die Stadt und der untergehenden Sonne zu. Oder zur Magnuskapelle nach Leuterschach, zum Pestfriedhof, um dem Zwitschern der Vögel zu lauschen, oder auch in eins der kleinen, feinen Cafés der Stadt, um einen Espresso zu trinken. Pausen sollen bekanntlich nicht nur für Obstbäume, auch für Menschen wohltuend sein.

von Angelika Hirschberg

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ehemaliger Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung muss vor Gericht
Ehemaliger Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung muss vor Gericht
Erstes Corona-Todesopfer in Kaufbeuren
Erstes Corona-Todesopfer in Kaufbeuren
Senioren- und Pflegeheim Waal: 29 Personen positiv auf Coronavirus getestet
Senioren- und Pflegeheim Waal: 29 Personen positiv auf Coronavirus getestet
Tänzelfestchef Horst Lauerwald äußert sich zu diesjährigen Planungen
Tänzelfestchef Horst Lauerwald äußert sich zu diesjährigen Planungen

Kommentare