Große Projekte stehen an

Bürgerversammlung in Aitrang: aktuelle Zahlen und Fakten zu Finanzen, Hochwasserschutz und Bahnhalt

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Kämmerer Florian Burschied präsentiert die Jahresrechnung 2018.

Aitrang – Gut hundert Bürger kamen vergangene Woche im Festsaal des Gasthauses Ziegerer zusammen, wo Florian Burschied, der Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Biessenhofen, die Jahresabrechnung 2018 vorlegte und Aitrangs Bürgermeister Jürgen Schweikart eine Rückschau auf das Jahr 2019 abhielt.

Auch ein Ausblick auf 2020 durfte nicht fehlen.

Das Jahr 2018 sei etwas teurer gewesen, als die Vorjahre, berichtete Burschied. Das hänge zum einen damit zusammen, dass die Personalkosten aufgrund nachträglicher Tariferhöhungen gestiegen seien, und sich somit rückwirkend bei den Ausgaben bemerkbar gemacht hätten. Weitere Ausgaben resultierten zu einem großen Teil aus Baumaßnahmen, wie Bahn- und Breitbandausbau sowie dem Hochwasserschutz.

Zum anderen seien öffentliche Zuschüsse noch nicht ausgezahlt worden, weil die bezuschussten Bauvorhaben von Bahn und Telekom nicht schnell genug vorangekommen seien (Inbetriebnahme des Breitbandanschluss laut Telekom nicht vor 2023). Diese Zuschüsse würden noch eintreffen, jedoch verspätet.

Als weitere Posten benannte Burschied die Straßensanierung in Huttenwang, die Eisenbahnunterführung mit der Spartenverlegung von Wasser und Kanal, die Ausgaben für die Straßenbeleuchtung sowie die Anschaffung einer Tragkraftspritze für die Feuerwehr. Die Verbindlichkeiten der Gemeinde lägen in der Summe bei rund 1,9 Millionen Euro (rund 920 Euro pro Einwohner).

Die Einnahmen aus Steuergeldern, so Burschied weiter, seien stabil: die Einkommenssteuer verbuche einen leichte Zuwachs, die Gewerbesteuereinnahmen seien mit circa 380.000 Euro höher als erwartet.

Thema Hochwasserschutz

Im Anschluss an den Finanzbericht blickte erster Bürgermeister Jürgen Schweikart auf das Jahr 2019 zurück. Angesichts des dramatischen Hochwassers im Frühjahr sei der Hochwasserschutz zu einem Hauptthema geworden. Die für die Renaturierung des Gewässers benötigte Fläche, welche die Gemeinde von insgesamt zehn betroffenen Bewohnern erwerben müsse, liege bei 55.000 Quadratmetern. Eine Einigung mit den betroffenen Grundeigentümern stehe in Aussicht. Die Gemeinde versuche nun, die dafür notwendigen Tauschflächen, sofern sie nicht schon in Gemeindebesitz sind, zu erwerben. Die Renaturierung allein jedoch gelte laut einem Hinweis des Wasserwirtschaftsamts nicht als Hochwasserschutzmaßnahme. Dazu würden weitere 410.000 Quadratmeter Fläche benötigt. Insgesamt 174 Grundstücke von 52 Eigentümer seien davon betroffen. 75 Prozent der Grundeigner seien mit der Maßnahme einverstanden. Die ablehnenden Eigentümer seien weder mit einer Tauschfläche noch mit einer höheren Entschädigungssumme umzustimmen gewesen, resümierte Schweikart. Gegen sie könnte man rechtlich ein Enteignungsverfahren beginnen, davon werde man jedoch absehen, weil derartige Prozesse erfahrungsgemäß fünf bis zehn Jahre in Anspruch nähmen. Die Kommune hat an mehreren Orten in Aitrang Stehlen errichtet, die den Wasserstand – bezogen auf ein Jahrhunderthochwasser – markieren, und appelliert an die Vernunft der Hauseigentümer mit Verweis auf das Wasserhaushaltsgesetz, dass Hochwasserschutz nicht allein Sache der Gemeinde sei, sondern dass Immobilienbesitzer eigenverantwortlich vorsorgen müssten.

Die Sanierung des Mühlbaches gelte ebenfalls als Hochwasserschutzmaßnahme. Um diesen Teil des Ortes attraktiver zu gestalten, will der Gemeinderat im selben Zug einen in den Sechzigerjahren abgerissenen Fußgängersteg wieder neu bauen und einen Wasserspielplatz errichten lassen.

Ein weiteres Projekt ist das Wohnbauvorhaben am Panoramaweg. Die Erschließung des Grundstücks für drei Häuser mit insgesamt 24 neuen Wohneinheiten werde Ende November fertiggestellt, sagte Schweikart. Sämtliche Haushalte dort würden an die Nähwärmeversorgung Moser angeschlossen.

Chancen auf Bahnhalt

Im Hinblick auf die wachsende Gemeinde wurden Bestrebungen getätigt, für Aitrang wieder einen Bahnhalt einzurichten. Die Chancen stünden jetzt besser als beim letzten Versuch 2009, so Schweikart, erstens wegen des für Dezember 2021 beschlossenen Einstundentakts in ganz Bayern, und zweitens, weil die Deutsche Bahn jetzt wieder mehr Gelder vom Bund zugesprochen bekommen habe. Eine wirtschaftliche und fahrplantechnische Überprüfung des Vorhabens werde in Abstimmung mit dem Kreis beantragt. Ein Ergebnis ist im Frühjahr/Sommer 2020 zu erwarten.

Auch die Bemühungen, wieder einen Hausarzt in Aitrang anzusiedeln, werde man angesichts des Bevölkerungswachstums und des biographischen Wandels nicht aufgeben.

All diese Bauprojekte und Sanierungsmaßnahmen sowie die strukturellen Entwicklungen (Gemeindeentwicklungs-Seniorenkonzept) reichten nicht nur bis ins Jahr 2020 hinein, sondern auch weit darüber hinaus in die Zukunft, so der Bürgermeister.

Im Folgenden nahm der Bürgermeister Anfragen und Rückmeldungen der Bürger entgegen, diese waren zum Teil sehr detailliert. Sie drehten sich um Baumbepflanzungen und Fragen an der Schnittstelle von Gemeinde- und Privatgrund, sowie um die in der Bevölkerung umstrittene Kaufentscheidung bezüglich eines Schleppers für den örtlichen Bauhof (siehe eigenen Artikel). Großes Interesse galt auch den Kandidaten für das ab Frühjahr 2020 neu zu vergebende Bürgermeisteramt. Die fünf Kandidaten würden in der nächsten Bürgerversammlung im Gasthaus Ziegerer am 28. November bekannt gegeben, kündigte Schweikart an und ermutigte zugleich alle Anwesenden, sich für die Gemeinderatswahlen am 15. März 2020 aufstellen zu lassen.

Felix Gattinger

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