Stadt informiert über Asylpolitik bei Bürgerversammlung in Neugablonz

Verständnis für die Situation wecken

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In der Unterkunft in der Sudetenstraße wird derzeit noch fleißig renoviert, damit Anfang des Jahres die Asylbewerber dort einziehen können.

Kaufbeuren-Neugablonz – Das Thema Asyl bewegt die Gemüter. Gut besucht war so auch die Bürgerversammlung im Gablonzer Haus, in der Oberbürgermeister Stefan Bosse und die zuständigen Referatsleiter zur Asylpolitik der Stadt informierten.

Die anwesenden Besucher zeigten dabei viel Verständnis für die Situation der Stadt, aber auch für die Hilfesuchenden und Kriegsflüchtlinge. Das konnte man auch aus den einzelnen Wortmeldungen erkennen, wobei um Verständ- nis und die notwendige Toleranz geworben wurde. Die teils im Internet kursierenden und nicht selten gängige Geschmacksgrenzen überschreitenden, negativen Kom- mentare zum Thema „Asylbewerber“ wurden aufs schärfste verurteilt. Vielen Bürgern war an diesem Abend die Betroffenheit anzumerken. Sie distanzierten sich in ihren Kurzbeiträgen von all diesen „Schmierereien“. 

Auch Kaufbeurens Stadtoberhaupt Stefan Bosse war es bei dieser Veranstaltung sehr wichtig, für das Engagement der Stadt zu werben, gleichzeitig aber auch Verständnis für kritische Bürgerstimmen aufzubringen, nachdem sich „doch das eine oder andere Missverständnis eingeschlichen“ hatte. So habe es beispielsweise Verunsicherung bei den Sportvereinen hinsichtlich der Neugablonzer Dreifachturnhalle gegeben, die als Unterkunft für Asylbewerber im Gespräch ist (wir berichteten). 

In diesem Zusammenhang erläuterte Bosse sehr ausführlich den „Notfallplan Asyl“ der Bayerischen Staatsregierung. Praktisch „über Nacht“ mussten die Kommunen demnach dem zuständigen Sozialministerium geeignete Unterkünfte melden, die für eine unter Umständen einsetzende Massenankunft von Flüchtlingen in kürzester Zeit zur Verfügung stehen könnten. 

Dabei habe man als „rein theoretische“ Lösung die dafür am besten geeignete Dreifachturnhalle in der Neugablonzer Turnerstraße gemeldet. „Aus meiner Sicht wird dieser Vorschlag aber niemals zum Tragen kommen und so können die Sportvereine hinsichtlich der Nutzungsmöglichkeiten unbesorgt sein. Kein Verein wird deshalb eine geplante Veranstaltung absagen müssen“, so der Oberbürgermeister. 

Zahlen und Fakten 

Nach vorliegenden Erhebungen der Regierung soll sich die Anzahl der Flüchtlinge, die in Kaufbeuren Aufnahme finden, von derzeit 196 auf etwa 240 bis maximal 250 erhöhen. Nachdem in den bereits vorhandenen Unterkünften wie im ehemaligen Parkrestaurant beim Hallenbad noch Plätze frei seien und in der Sudetenstraße derzeit in einem ehemaligen Bürogebäude für 33 weitere Personen geeignete Räumlichkeiten geschaffen werden, sollten die von der Regierung geforderten Unterkünfte damit vorhanden sein. „Allerdings nur dann, wenn die Regierungsprognosen stimmen“, wie Bosse einschränkend bemerkte. 

Hinsichtlich der finanziellen Aufwendungen der Stadt für Ausbau- und Renovierungsarbeiten wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Investitionen im Rahmen der Mietzahlungen von der Regierung erstattet würden. Laut den Aufzeichnungen der Stadtverwaltung stammen die meisten der zurzeit in Kaufbeuren untergebrachten Flüchtlinge aus Nigeria, Eritrea, Pakistan und Afghanistan. 19 Personen sind derzeit in Neugablonz in der Zwergstraße untergebracht. Anfang 2015 komme dann das derzeitige Bürogebäude in der Sudetenstraße für weitere 33 Personen hinzu. Dies entspricht insgesamt 25 Prozent der Kaufbeuren zugerechneten Flüchtlinge. 

Engagement vorgestellt 

Im weiteren Verlauf ging der Oberbürgermeister auch auf die einzelnen Vorgaben vonseiten des Sozialministeriums ein. Demnach könne „nicht jede x-beliebige Immobilie“ angeboten werden. Die Frage, ob nicht in der Fliegerhorstkaserne leerstehende Gebäude zur Verfügung stehen, musste Bosse mit „Nein“ beantworten. Ein leer stehendes und unter Umständen geeignetes Gebäude sei einsturzgefährdet und deshalb unbrauchbar. Großen Wert habe man auch darauf gelegt, die Flüchtlinge nicht zu „ghettoisieren“, sondern dezentral in kleineren Gruppen unterzubringen. 

Auch Günter Kamleiter vom Asylkreis Kaufbeuren sprach sich gegen Massenunterkünfte aus und appellierte an Kaufbeurens Bürger, normale Wohnungen als Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Wiltrud Fleischmann stellte bei ihrer Wortmeldung die Arbeit im Asylkreis etwas näher vor und ermutigte die Anwesenden, sich mehr für die Flüchtlinge zu engagieren, wobei kleine Gefälligkeiten oftmals große Wirkung zeigten. 

Michael Rösch wies auf sein vor kurzem gegründetes „Bündnis für Flüchtlinge“ hin und betonte, dass es sein größtes Anliegen sei, Hilfe im Alltag anzubieten. Pfarrer Sebastian Stahl von der evangelischen Christuskirche konnte auf ein neues ökumenisches Projekt in Neugablonz verweisen und stellte bei dieser Gelegenheit das „Café International“ vor. Dabei können sich Neugablonzer und „Neubürger“ in den Gemeinderäumen zwanglos näher kennenlernen und Kontakte knüpfen. Das erste dieser Treffen soll am 22. Februar 2015 stattfinden. von Klaus-Dieter Körber

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