"Ruhe beim Stadionbau!"

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Was Heinz Walter in der jüngsten Bürgerversammlung kritisierte, passiert tatsächlich jeden Tag: Wer hier falsch von der Firma Dehner in die Sudetenstraße zum großen Kreisel abbiegt, wird zum Geisterfahrer und riskiert einen schweren Unfall. Im Hintergrund kommt bereits der Gegenverkehr mit Tempo 60.

Kaufbeuren – „Abenteuerliche“ Verkehrsführung für Radfahrer, gefährliche Begegnungen im Straßenverkehr und Lärmbelästigungen vor einem Schulgelände. Dies waren die beherrschenden Themen der Bürgerversammlung am Donnerstag im Stadtsaal in Kaufbeuren. Und Oberbürgermeister Stefan Bosse forderte leidenschaftlich: „Ruhe beim Stadionbau!“

Wichtigstes Thema bei der Einführungsrede des Oberbürgermeisters war die Dringlichkeit des vierspurigen Ausbaus der B12 von Jengen bis Kauf­beuren im Bundesverkehrswegeplan (wir berichteten). Zur Situation der Flüchtlinge in Kaufbeuren beruhigte der OB die Zuhörer, es habe wohl untereinander Streit gegeben, in Kaufbeuren aber keine Übergriffe auf die Bevölkerung. „Ich würde es Ihnen sagen“, beteuerte Bosse, um Gerüchten und Vertuschungsvermutungen entgegen zu treten. 

In der anschließenden Diskussionsrunde monierte Siegfried Stanzel die Verkehrsführung am Neuen Markt als „nicht optimal“ und die Wegführung für Radfahrer erscheine „abenteuerlich“. Der Rathaus-Chef verteidigt die neue Verkehrsführung, belegt durch einen halbjährigen erfolgreichen Test ohne Linksabbieger-Spur. Radfahrer müssten heutzutage gut gesehen werden. „Deshalb stehen sie jetzt mitten auf der Spur und nicht mehr seitlich“, begründete Bosse die Wegführung. 

Stefan Wenz, ein München-Pendler, beklagte, dass sich Zugreisende am Bahnhof mit vier verschiedenen Buszusteigemöglichkeiten zur Weiterfahrt konfrontiert sähen und forderte ein sinnvolles Fahrgast­informationssystem. OB Bosse erläuterte dazu, dass derzeit vieles an Entscheidungen der Bahn hänge. „Wir werden einen neuen Bahnhof bekommen und dann eine gute Anbindung vorsehen“, versprach Bosse. 

Die Ampelphase am Hochstadtweg mit zeitweisen Staus von zehn bis 20 Autos bemängelte Karl Seidel und erhielt dafür Beifall aus dem Zuhörerkreis. Stefan Bosse, selbst Betroffener, erläuterte, dass die Partnerfirma Siemens Alternativen geprüft habe, diese Ampelphase aber momentan die beste Lösung sei. 

Von Ulrich Fürst erneut auf Intransparenz beim Bau des Eissportstadions angesprochen, bestand Bosse leidenschaftlich darauf, dass keine Intransparenz vorläge, dass aber regelmäßige Leserbriefe in den Zeitungen mit ungenauen Angaben eher zur Verwirrung bei der Bevölkerung beitrage. Er forderte deshalb an Ulrich Fürst gerichtet:„Lasst uns doch erst einmal arbeiten bis alles steht, dann wird die Abrechnung vorgelegt. Und dann kann man kritisieren, aber nicht jetzt ständig zwischendrin stören. Es gibt keine Verschleierung!“ 

Mit Blick auf den Tag der „barrierefreien Amtssprache“ gab Ulrich Fürst dann noch die Anregung dieses auch in den Kaufbeurer Amtsstuben zukünftig zu berücksichtigen. Oberbürgermeister Bosse nahm die Anregung gerne auf und bestätigte, dass das auch bei der ab April erscheinenden „Rathaus Post“ umgesetzt werden solle. 

Heinz Walter berichtete von Geisterfahrern bei der neugestalteten Ampelanlage in der Sudetenstraße am Ortseingang, die beim Ausfahren aus der Zufahrt zur Firma Dehner versehentlich die Gegenfahrbahn für die Abbiegespur in Richtung B12 hielten. 

Weiterhin sprach er einen unbefestigten Trampelpfad an der Augsburger Straße gegenüber der Aral Tankstelle an, der immer wieder von Fußgängern benutzt werde und zu gefährlichen Situationen führen könne, wenn dort, wie bereits geschehen, jemand ausrutsche und dann auf die Straße rolle. 

Sichtlich bewegt übergab Ricarda Herrmann Bürgermeister Bosse eine Unterschriftenliste der Anwohner gegenüber des Schulhofes der Sophie-la-Roche-Schule im Haken. Sie klagen über jede Menge Müll und Zigarettenkippen verursacht tagsüber durch Schüler, die vom Schulgelände zum Rauchen in den Pausen dorthin ausweichen würden. Ebenso komme es abends zu regelmäßigen Lärmbelästigungen und Saufgelagen, zerschlagenen Flaschen und lauter Musik durch Jugendliche auf dem überdachten Gelände der Schule. Bürgermeister Bosse nahm diese Beschwerde auf, konnte aber keine schnelle Lösung in Aussicht stellen. Momentan bliebe nur der Anruf bei der Polizei.

von Wolfgang Krusche

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