Ein Kreuz mit der Kreuzung

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Als eine „Katastrophe“ empfindet mancher Bürger die neugestaltete Kreuzung am Neuen Markt in Neugablonz. Die Verkehrsführung berge auch für Fußgänger Gefahren.

Neugablonz – Es waren rund 60 Besucher, die der Einladung der Stadt zur Neugablonzer Bürgerversammlung vergangene Woche gefolgt waren. Als eine „Sternstunde“ bezeichnete Oberbürgermeister Stefan Bosse in seinen einführenden Worten die Nachricht, dass der B12-Ausbau zwischen Buchloe und Kaufbeuren als vordringlicher Bedarf in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde.

Schließlich bringe dieser Ausbau nicht nur mehr Verkehrssicherheit, sondern auch einen gewaltigen Schub für die wirtschaftliche Entwicklung Kaufbeurens. 

Nachdem auch die Ortsumfahrung von Pforzen im Bundesverkehrswegeplan Berücksichtigung fand und somit eine neue Verbindung zwischen B12 und B16 nördlich von Neugablonz zustande komme, was unter anderem auch für eine weitere Verkehrsentlastung sorgen könne, entstünden einmalige Chancen die auch in einer intensiven Zusammenarbeit mit den jeweiligen Nachbargemeinden entsprechend genutzt werden sollten, so Bosse weiter. 

Als größere Projekte, die in absehbarer Zeit von der Stadt zu schultern seien, nannte der Oberbürgermeister vor allem das neue Eisstadion, die aufwändige Sanierung des Jakob-Brucker-Gymnasiums, die Erweiterung der Kaufbeurer Feuerwache und Baumaßnahmen an der Glas- und Schmuck-Fachschule in Neugablonz. Obwohl die Stadt zu den einnahmeschwächsten kreisfreien Städten innerhalb Bayerns gehöre, könnten diese Baumaßnahmen aufgenommen werden, ohne sich neu verschulden zu müssen, so der Rathaus-Chef. 

Flüchtlinge bleiben ein Thema 

Aber auch die Flüchtlingsthematik wurde angesprochen. So erkundigte sich Rudolf Uhrle nach den derzeitigen Mehrausgaben der Stadt für die rund 650 in Kaufbeuren aufgenommenen Flüchtlinge. Laut Bosse belaufen sich diese pro Jahr auf rund 800.000 Euro. Hinsichtlich der personellen Verteilung innerhalb des Stadtgebietes konnte Bosse darauf hinweisen, dass im Verhältnis zur Einwohnerzahl, im Stadtteil Neugablonz weitaus weniger Asylbewerber untergebracht seien, als im eigentlichen Stadtgebiet von Kaufbeuren. Angesprochen auf das ehemalige IN-Haus, das nach einem Brandanschlag stark in Mitleidenschaft gezogen wurde (wir berichteten mehrfach), wies der Oberbürgermeister darauf hin, dass das Bauvorhaben, wie vorgesehen, fertig ausgebaut werde und für 40 Personen (Familien beziehungsweise Frauen mit Kindern) dann zur Verfügung stehen soll. 

Rudi Krumm wollte noch Näheres über die Kinderarmut in Kaufbeuren wissen. Bosse geht nach seinen Erkenntnissen von derzeit rund 600 Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren aus, die in Hartz-IV-Haushalten leben. 

Das Kreuz mit der neuen Kreuzung 

Die meisten Fragen und Diskussionen drehten sich um den Straßenverkehr, dabei entpuppte sich die neugestaltete Kreuzung am Neuen Markt als ein neuralgischer Punkt. Rudolf Ullmann ging sogar so weit und bezeichnete das Ganze schlichtweg „als eine Katastrophe“. Vor allem durch den Wegfall der Linksabbiegespuren komme es in den Hauptverkehrszeiten zu entsprechenden Staus. Obendrein berge die neue Verkehrsführung nicht nur Gefahren für den „rollenden Verkehr“, sondern auch für Fußgänger. Dem entgegnete Kaufbeu­rens Rathaus-Chef, dass sich seit dem Umbau lediglich ein einziger nennenswerter Unfall ereignet habe und deshalb könne nicht alles derart katastrophal falsch geplant worden sein. 

Bosse rief die Neugablonzer Bürger dazu auf, das Ganze zu beobachten und Stauzeiten zu melden. Man wolle jedenfalls die Sache im Auge behalten. Dessen ungeachtet trat ein zufriedener Bürger abschließend zu diesem Thema ans Mikrophon und erklärte, dass es hinsichtlich der neu gestalteten Kreuzung in Neugablonz nichts Besseres im gesamten Stadtteil gebe. 

Ein Schildbürgerstreich? 

Als eine Art „Schildbürgerstreich“ entpuppen sich die neuen, gläsernen Buswartehäuschen. Auf Anfrage, warum die Fahrpläne außerhalb der Überdachung angebracht wurden und das Studium der Fahrpläne speziell bei Regen und Schnee deshalb äußerst unangenehm sei, erklärte der für Verkehrsangelegenheiten zuständige Leiter, Jürgen Schlamber: „Diese Häuschen sind nicht darauf ausgelegt, dass man Fahrpläne im Inneren anbringen kann“. Kopfschütteln und Verwunderung unter den Anwesenden! Trotzdem wolle man, so Kaufbeurens Stadtoberhaupt, mit der zuständigen Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal Kontakt aufnehmen. Abhilfe soll auch in der Sudetenstraße – in Höhe des Feneberg-Marktes – geschaffen werden. Dort wurde eine Absenkung des Bordsteins an der Fußgängerinsel gefordert. 

Rudolf Uhrle bemängelte in einer weiteren Anfrage die Parksituation am Kaufbeurer Krankenhaus. Dies sei bekannt, so Bosse. Man habe zwischenzeitlich alle verfügbaren Flächen mit einbezogen. Falls dies immer noch nicht ausreiche, müsse man über den Bau eines Parkhauses nachdenken, wobei dann aber Parkgebühren erhoben werden müssten. 

Was bringt der Reifträgerweg? 

Zum Abschluss kam dann noch die vielbefahrene Sudetenstraße zur Sprache. Nach Meinung einiger Bürger habe der Reifträgerweg so gut wie keine Entlastung gebracht. Dem entgegnete der Oberbürgermeister: „Es mag sein, dass die Entlastung im Berufsverkehr zu gewissen Soßzeiten leider nicht so spürbar ist“. Zählungen hätten aber ergeben, dass vor Fertigstellung des Reifträgerwegs täglich 26.000 Fahrzeuge die Sudetenstraße befahren haben. Heute sei das Verkehrsaufkommen mittlerweile auf 21.000 Fahrzeuge zurück gegangen. „Gott sei Dank“ würden zwischenzeitlich immer mehr Verkehrsteilnehmer die Umgehung über den Reifträgerweg nutzen und so zu einer gewissen Entlastung beitragen.

von Klaus-Dieter Körber

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