Der missverstandene Jäger

Bund Naturschutz gibt Tipps für friedliches Leben mit der Hornisse

Hornisse
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Hornissen sind laut Bund Naturschutz weitaus harmloser als ihr Ruf.

Landkreis – Allen gruseligen Legenden zum Trotz: Der Stich einer Hornisse ist nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich. Allergiker müssen trotzdem vorsichtig sein, da auch Hornissenstiche zu einer allergischen Reaktion führen können. Allerdings meiden Hornissen Menschen. Wirklich gefährlich sind sie nur für andere Insekten oder Raupen, die für die Ernährung des Nachwuchses besonders wichtig sind. An Kuchen oder zuckersüßer Limo haben sie dagegen kein Interesse – das wissen jedoch nur wenige. Da Hornissen oft missverstanden werden, klärt der BUND Naturschutz auf und gibt Tipps zum Umgang mit den Tieren im Garten.

Eine Hornisse ist drei bis vier Zentimeter lang und damit die größte staatenbildende ­Wespenart Mitteleuropas. Und ja, sie sticht auch zu, wenn sie sich bedroht oder bedrängt fühlt. „Der Stich einer Hornisse ist nicht gefährlicher als der einer Honigbiene, einer Hummel oder einer herkömmlichen Wespe“, versichert Josef Kreuzer, 1. Vorsitzender vom BUND Naturschutz. „Dass Hornissen Menschen und Pferde mit wenigen Stichen töten können, ist wissenschaftlich widerlegt. Das Gerücht hält sich leider hartnäckig, doch an der Behauptung ist nichts dran“, so Kreuzer. Gefährlich ist ein Stich nur im Mund- oder Rachenraum, aber nicht wegen des Giftes, sondern weil dort eine Schwellung das Atmen behindern kann.

Besonders aufpassen müssen jedoch Allergiker, denn sie können auf bestimmte Eiweißkörper reagieren, die im Gift von Hornissen enthalten sind. Personen mit einer Bienengiftallergie sind nicht automatisch gegen Wespen oder Hornissen allergisch. Wer sich hier nicht sicher ist, sollte das fachärztlich prüfen lassen. Das Gute: Bei Hornissen muss man beim Frühstück im Freien keine Angst haben, dass sich das Tier auf das Marmeladenbrot setzt. Hornissen haben kein Interesse an Süßem. Deshalb kommt ein Stich im Mund und Rachen auch kaum vor.

Die dicken Brummer sind jedoch geschickte Jäger. Auf ihrem Speiseplan stehen Fliegen, Bremsen, Motten und auch Wespen, Bienen oder Libellen – daher die Bezeichnung „Insektenjäger“.

Gejagt wird meistens im Flug – Tag und Nacht. Deshalb landen Hornissen bei geöffnetem Fenster nachts auch mal im Haus. Künstliches Licht irritiert sie nämlich. „Hornissen sind rund-um-die-Uhr aktiv. Das ist auch nötig, da ein großes Hornissen-Volk täglich ein halbes Kilo Insekten vertilgt und die Larven ständig gefüttert werden müssen“, erklärt der Bund-Vorsitzende. Die Beutejagd dient also weniger der eigenen Ernährung, sondern vielmehr der Brutpflege. Erwachsene Arbeiterinnen fressen fast nur Kohlenhydrate, also Pflanzensäfte von Fallobst und Baumrinden, Nektar von Blüten oder Honigtau der Blattläuse.

Ein Zusammenleben mit den Riesenwespen ist gar nicht so kompliziert und erledigt sich im Herbst von selbst: ein Hornissenjahr beginnt je nach Witterung zwischen April und Mai, findet ihren Entwicklungs-Höhepunkt im August und endet im Oktober. „Bis zum November schafft es kaum ein Volk, und wenn, dann so dezimiert, dass wir Menschen sie nicht mehr wahrnehmen“, erläutert Josef Kreuzer. Es überleben im Herbst nur die begatteten Jungköniginnen, die sich für den Winter einen geschützten Unterschlupf suchen.

Friedliches Zusammenleben

Folgende Tipps des Bund Naturschutz können das friedliche Zusammenleben von Menschen und Hornissen erleichtern:

• Entspannt bleiben: Hornissen sind scheue Tiere. Außerhalb ihres Nestbereichs gehen sie Konfrontationen gerne aus dem Weg. Verfliegt sich eine Hornisse nachts in ein Haus, kann man das Tier durch Ausschalten des Lichtes und weites Öffnen der Fenster leicht zum Wegfliegen bringen.

• Nester in Ruhe lassen: In einem Bereich von etwa vier Meter um das Nest reagieren Hornissen auf Störungen empfindlich und können angreifen. Hält man sich an diese „Ruhezone“, kann man den Hornissen bei ihrer interessanten Arbeit zuschauen.

• Umsiedlung nur in Notfällen: Da natürliche Nist­möglichkeiten wie Höhlen in großen Laubbäumen an Waldrändern vielerorts fehlen, nutzen Hornissen auch Dachböden, Scheunen oder Vogelnistkästen. Die Riesenbrummer sind selbst in der unmittelbaren Nähe von Häusern friedlich. „Da ein Hornissenvolk im Herbst stirbt, sollte jeder Gartenbesitzer bis zu diesem Zeitpunkt warten und erst dann das Nest entfernen“, erklärt der Vorsitzende. Nur wenn sich der Bau an einer nicht tolerierbaren Stelle befindet, könne über eine Umsiedlung nachgedacht werden. Hierfür braucht es aber Spezialisten. Ratschläge gibt die zuständige Naturschutzbehörde der Region.

kb

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