Viel mehr als erwartet

Bund will Ostallgäuer Moorschutz mit zehn Millionen Euro fördern

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Moore leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Im Ostallgäu startet voraussichtlich im kommenden Jahr ein vom Bund unterstütztes Großprojekt zum Schutze der Moore.

Ostallgäu – Es sei nun viel mehr möglich als ursprünglich angedacht, verkündete Landrätin Maria Rita Zinnecker erfreut den Mitgliedern des Ausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt vergangene Woche.

In das seit Anfang 2018 laufende Projekt „Innovativer Klima- und Moorschutz im Ostallgäu“ will sich jetzt der Bund mit Mitteln in Höhe von zehn Millionen Euro (über zehn Jahre) einschalten.

Die Fortführung des Landkreis-Projekts habe im Sommer noch auf förderrechtlich wackligen Füßen gestanden, berichtete die Landrätin dem Gremium. Im Juli jedoch hätte sie Gelegenheit gehabt, Dr. Ulf Hauke vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) das Moorschutz-Projekt näher zu erläutern. Wie sich herausstellte, sei man zur richtigen Zeit mit dem passenden Projekt vor Ort gewesen, lächelte die Landrätin. Denn das BMU war zum derzeitigen Zeitpunkt auf der Suche nach vier Projektregionen in ganz Deutschland, die ein wissenschaftlich begleitetes „Großprojekt zur Verknüpfung von Klimaschutz und landwirtschaftlicher Nutzung auf organischen Böden“ stemmen könnten. Das Ostallgäu werde nun vermutlich die erste dieser vier vom Bund unterstützter Projekt­regionen sein.

Glückliches Zusammentreffen

Eine Torfwiese im Geltnachtal bei Stötten im Juni.

Zwar gibt es noch keine offizielle Rückmeldung des BMU. Wie der Projektleiter im Landratsamt, Andreas Stauss jedoch sagte, bestehe auch nach jüngsten Gesprächen großes Interesse von Seiten der Bundesregierung, das Projekt „Innovativer Klima- und Moorschutz im Ostallgäu“ in das Forschungsvorhaben des BMU einzubringen. Start des Vorhabens soll voraussichtlich Mitte 2020 sein. Das wissenschaftlich begleitete Großprojekt soll über zehn Jahre laufen und mit rund zehn Millionen Euro finanziert werden. Der Eigenanteil des Landkreises als Träger beträgt jährlich maximal 50.000 Euro. Die Landrätin sprach daher von einer Riesenchance für den Landkreis und warb im Gremium für eine Zustimmung zur Fortführung des Ostallgäuer Projekts, das eigentlich Ende 2019 auslaufen würde. Mitte 2020 sei dann eine Überführung in das Bundesforschungsvorhaben zum Schutz der Moore geplant. Ansprechpartner und Projektleiter bleibe Andreas Stauss. Er fügte hinzu, dass aufgrund des geplanten Umfangs des Bundesprojekts das Ostallgäu als Projektregion trotz ihrer zahlreichen Moore zu klein sein könnte. Daher sei auch eine Erweiterung der bisherigen Gebiete denkbar, zum Beispiel in Richtung Ober- und Unterallgäu.

„Es macht Sinn“

Die Landrätin befürwortete mit klaren Worten die Weiterentwicklung des Projekts. „Wir sollten diese Option nutzen“, sagte sie. „Die lange Laufzeit von zehn Jahren und der Bund als zuverlässiger Partner machen für die beteiligten Landwirte wie auch für uns als Pilotregion Sinn.“ Auch die Kreisräte Thomas Pihusch (Freie Wähler) und Michaela Waldmann (CSU) sprachen von einer großen Chance für den Klimaschutz im Landkreis. Der Ausschuss für Kreisentwicklung stimmte dem Vorratsbeschluss zur Fortführung des Projekts mit einer Gegenstimme zu.

„Innovativer Klima- und Moorschutz im Ostallgäu“ – Was ist das?

Moore, so sagt die Wissenschaft, sind von enormer Bedeutung für den Landschaftswasserhaushalt und die biologische Vielfalt. Ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher und ihre Bedeutung als Quelle für klimawirksame Treibhausgase macht sie zu einem wichtigen Handlungsfeld im Klimaschutz. So kann bei einer Wiedervernässung von trockengelegten Mooren und einer nachfolgend extensiven Bewirtschaftung sehr viel CO2 eingespart werden.

Der Landkreis Ostallgäu gehört zu den moorreichsten Gegenden des bayerischen Voralpenlandes und bietet dadurch ein enormes Potenzial für den Klimaschutz. Ziel des Projektes ist die Förderung einer angepassten landwirtschaftlichen Bewirtschaftung von Hoch- und Niedermoorböden im Randbereich ausgewählter Moorgebiete.

Konkret handelt es sich daher beim Ostallgäuer Moorschutzprojekt um ein Kooperationsvorhaben mit landwirtschaftlichen Betrieben, die in die moorschonende Bewirtschaftung von Betriebsflächen einsteigen wollen. Derzeit arbeiten bereits sechs Betriebe eng mit dem Projekt zusammen. Sie seien durchweg Familienbetriebe, die über die Landschaftspflege auch eine Möglichkeit der Zukunftssicherung anstrebten, so Projektleiter Andreas Stauss. 

Ziel des Projekts ist daher auch die Entwicklung dieser Betriebe zu Landschaftspflegehöfen. Vieles aber sei noch unklar, wie beispielsweise die Art der geeigneten Bewirtschaftung von wiedervernässten Moorflächen. Oder wie das Wassermanagement dieser Böden unter dem Aspekt einer hydrologischen Sanierung des Torfs eingestellt und gesteuert werden könne.

Angelika Hirschberg

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