Gelebte Inklusion

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau zu Gast in Kaufbeuren

Beim Empfang im Rathaus trug sich Petra Pau ins Goldene Buch der Stadt ein.
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Beim Empfang im Rathaus trug sich Petra Pau ins Goldene Buch der Stadt ein.
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Kaufbeuren – Beim kürzlichen Besuch von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) in Kaufbeuren standen mehrere Stationen auf dem Programm: Neben einem Empfang im Rathaus mit Eintrag ins Goldene Buch sowie einer Führung in Irsee und dem ehemaligem BKH Gelände, besichtigte Pau auch die Wertachtal-Werkstätten. Dabei kam auch das brisante Thema Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) zur Sprache, für das sich die Lebenshilfe Ostallgäu und das Kaufbeurer Klinikum seit Jahren einsetzen.

Aktuell befindet sich die Lebenshilfe Ostallgäu mit ihren Einrichtungen im Wandel, wie Wolfgang Neumayer als erster Vorsitzender berichtete. Dazu gehöre die Veränderung des Betreuungssystems, um „die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen mit Behinderung noch mehr zur Leitlinie der Begleitung und Betreuung zu machen, ihre Selbstbestimmung zu stärken und mehr Brücken aus den klassischen Behinderteneinrichtungen heraus ins normale Leben zu bauen“, so Neumayer. Denn das Modell der Separierung sei „nicht zukunftsfähig“. Die Umstellung auf Dezentralisierung sei mit einem „massiven Prozess“ verbunden, der aber notwendig sei. „Wir nehmen unseren gesellschaftlichen Auftrag ernst“, bekräftigte Neumayer.

Bewegung will der Vorstand der Lebenshilfe auch in die stockenden Verhandlungen für ein SPZ in Kaufbeuren bringen (wir berichteten). Die im April gestartete Online-Petition, die noch immer unterstützt werden kann, wurde bereits im Landtag eingereicht, nun wird auf die Antwort des Berufungsausschusses gewartet. „Es ist für uns völlig klar, dass wir diesen Weg gehen“, sagt Grath. „Dass es den Bedarf gibt, kann nicht infrage gestellt werden.“ Die Versorgungssituation sei wegen der extremen Wartezeiten, so Neumayer, schlichtweg katastrophal. Darunter zu leiden hätten die betroffenen Kinder und Jugendlichen und deren Familien. „Es ist ein Thema, das die Öffentlichkeit bewegt“, so die Allgäuer Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl (Linke). Für die Familien mit Kindern, die auf zeitnahe Hilfe angewiesen wären, sei dies eine „Tortur“.

Lebenshilfe im Wandel: Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Mitte) und ihre Kollegin Susanne Ferschl tauschten sich beim Rundgang mit Werkstattleiter Jürgen Chmiel darüber aus, wie Inklusion gelingen kann.

Menschen eine Chance geben

600 Mitarbeiter mit Behinderung sind in der Lebenshilfe in verschiedensten Bereichen tätig. Bei einem Rundgang vor Ort konnte die Bundestagsvizepräsidentin einen Einblick in die Wirkungsstätte der Beschäftigten gewinnen. Ob Biomanufaktur, Café oder Schreinerei – das Arbeitsangebot sei laut Werkstattleiter Jürgen Chmiel denkbar vielfältig. Die beiden Wäschereien in Neugablonz und Marktoberdorf zum Beispiel erfreuten sich einer guten Auftragslage und könnten auch hier „durch Qualität überzeugen“, so Chmiel. Doch nicht immer gelinge die Integration in die Betriebe so einfach. Sie sei mitunter mit Rückschlägen verbunden. Oft gebe es Berührungsängste, die es abzubauen gelte. Hierzu brauche es „bessere Rahmenbedingungen und eine Erleichterung der Zugangswege“, fand Chmiel. „Der Arbeitsmarkt ist noch exklusiv – wir tragen unseren Teil dazu bei, damit sich der Weg öffnet.“

Nötig hierfür seien Kooperationspartner, die den Menschen eine „ehrliche Chance“ geben. Handlungsbedarf sah auch Geschäftsführer Ralf Grath: So müssten dringend Inklusionsbetriebe umgesetzt werden, um die Menschen auf Außenarbeitsplätze vermitteln zu können. Es sei ein „schwieriger Weg bis zur Normalität“, aber der Veränderungsbedarf könne nicht ignoriert werden, so Neumayer. Dazu bedarf es einer Bereitschaft zur Veränderung, schloss sich Ferschl an. Als „sinnstiftend“ bezeichnete Pau die Arbeit der Lebenshilfe. Inklusion sei ein wichtiges Thema; schließlich habe „jeder das Recht, sich zu entfalten, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden“, betonte Pau. „Die Würde des Menschen ist unantastbar – eine Maxime, nach der wir alle leben sollten“, so der Appell der Bundestagsvizepräsidentin.

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