Stimmkräftige Gestalterin

Regina Leenders kandidiert für die SPD im Wahlkreis Ostallgäu

Regina Leenders SPD
+
Regina Leenders kandidiert für die SPD im Wahlkreis Ostallgäu, zu dem auch Memmingen und der Großteil des Unterallgäus gehören, für die Bundestagswahl.

Memmingen/Region – Schon von Berufswegen hat Regina Leenders ein kräftiges Stimmorgan. Die 30-Jährige ist Schauspielerin am Landestheater Schwaben in Memmingen. Ihre Stimme will sie ab Herbst auch in Berlin einbringen, denn sie ist die SPD-Bundestagskandidatin im Wahlkreis 257 Ostallgäu. Welche Themen ihr wichtig sind und wie sie den Weg in die Politik fand, hat Leenders im Gespräch mit dem Kreisbote erklärt.

„Eigentlich bin ich immer ein unpolitischer Mensch gewesen“, sagt die 30-Jährige. Erst im Studium, für das es die gebürtige Recklinghausenerin nach Frankfurt an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zog, wurde das Interesse geweckt: „Ich bin dort auf Menschen getroffen, die eine klare politische Haltung hatten“, sagt Leenders. In jene Zeit fiel auch der Beginn der Flüchtlingskrise, die AfD verzeichnete bundesweit Stimmzuwächse und Donald Trump wurde neuer US-Präsident. Die Summe daraus veranlasste die dann schon berufstätige Schauspielerin zum Handeln: „Ich konnte nicht nur daneben stehen, ich wollte auch gestalten“, erinnert sich Leenders. Sie trat daraufhin der SPD bei.

Warum ausgerechnet den Sozialdemokraten? Hier habe sie ihre Werte am besten repräsentiert gesehen, erklärt die Bundestagskandidatin. Engagement und Solidarität seien ihr wichtig, ebenso wie das Konzept der Gewerkschaften und einer Stimme für Arbeitnehmer. „Unser Sozialstaat ist von der SPD gemacht“, sagt die 30-Jährige, die seit über einem Jahr Vorsitzende der Jusos Memmingen-Unterallgäu ist.

Und dennoch verloren die Sozialdemokraten im Bund in den letzten Jahren zahlreiche Wähler. Das Bundestagswahlergebnis 2017 reihte sich in den jahrzehntelangen Abwärtstrend ein und war mit 20,5 das schlechteste in der SPD-Historie – aber nur bis dato, denn laut aktueller Prognosen für die Wahl am 26. September läge die SPD sogar nur zwischen 15 und 17 Prozent.

Schaden durch „GroKo“

Trotzdem meint Leenders selbstbewusst: „Ich bin absolut dafür, dass die SPD die nächste Regierung führt.“ Die Union habe in den letzten Jahren „nur verwaltet und nicht gestaltet“ und wäre aus Sicht der Kandidatin daher besser in der Opposition aufgehoben. Denn die 20er Jahre müsse Deutschland dazu nutzen, sich für die Zukunft aufzustellen, den Wohlstand zu erhalten und die Klimakrise zu meistern. Letztere sei auch für die Verluste bei der SPD mitverantwortlich, vermutet Leenders. Denn eine ganze Generation habe nur Kanzlerin Angela Merkel und damit viele „GroKos“ erlebt – eine Liaison, die den Sozialdemokraten aus Leenders Sicht eher geschadet habe. „Wir haben eine gesundheitsbewusste, junge Generation, die sich mit dem Klimawandel auseinandersetzt. Da scheinen die Grünen erstmal modern zu sein.“

Die 30-Jährige fordert derweil, der Klimawandel müsse auch sozial verträglich umgesetzt werden. Olaf Scholz stünde als Kanzlerkandidat bereit, sich dieser und weiteren Herausforderungen anzunehmen, meint Leenders. Er sei „derjenige, dem man zutraut, Kanzler zu werden.“ Und Regina Leenders ist auch überzeugt, dass Scholz von den Korruptionsfällen bei der Union sowie dem Machtkampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder profitieren werde.

Themen, die die Wahl entscheiden

Bei den Themen, über die die Wahl entschieden werde, nennt die Memmingerin neben der Klimakrise auch die Mobilität, die Digitalisierung, die Gesundheitsversorgung und die Demokratisierung der Europäischen Union. Auch Corona dürfte eine Rolle spielen. Leenders Pandemie-Zwischenzeugnis für die Bundesregierung fällt zweigeteilt aus: Mit dem ersten Lockdown habe man richtig gehandelt und davon auch noch lange profitiert. „Im November hätte man aber klarer reagieren müssen“, räumt Leenders ein. Sie fordert auch „stringentes Homeoffice“ und „mehr Klarheit“ durch das neue Infektionsschutzgesetz. Um mit dem Impfen schneller voranzukommen, müsse die Regierung vor allem ältere Menschen ermutigen, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen, sagt Leenders.

Aufgezeigt habe Corona, und das sei positiv, dass Kulturschaffende und Soloselbständige auch im Alter besser abgesichert werden müssten. „Als Putzhilfskräfte oder in der Pflege verdienen Soloselbständige nicht mehr als Arbeitnehmer und können es sich nicht erlauben, krank zu werden, weil sie keine Absicherung haben“, kritisiert Leenders. Besonders im Hinblick auf eine „anständige Bezahlung“ und die Aufwertung von sozialen Berufen müsse Corona nun eine Lehre sein.

Ein großes Anliegen ist es der Schauspielerin auch, dass das „Staatsziel Kultur“ im Grundgesetz verankert wird. Damit will die SPD bundesweit, wie auch Leenders erklärt, nicht nur ein Zeichen setzen, sondern grundlegende Veränderungen herbeiführen. Dabei will die SPD unter anderem die Koordination von Kulturgeldern zwischen Bund und Ländern verbessern und Künstler durch Mindestgagen oder Ausstellungshonorare besser absichern.

Gebeutelte Kultur

Den schweren Stand der Kultur erfährt die 30-Jährige, die verheiratet ist, derzeit am eigenen Leib. „Die Lage ist wahnsinnig schwierig, wir können fast gar nicht planen“, sagt Leenders. Noch immer sei man auf Streamingangebote angewiesen. Ein großes Manko sind aus Leenders Sicht auch die Proben-Ausfälle: Dort baue man insbesondere für längere Monologe oder Stücke Konzentration auf, die zu Hause auf dem Sofa so kaum trainierbar sei, erklärt die 30-Jährige. Das gilt auch für die physische Fitness: „So einen Abend muss man auch körperlich durchhalten. Da ich ein Freund von Fitnessstudios bin, muss ich mir fürs Konditionstraining derzeit Alternativen suchen,“ so die Memmingerin. Derzeit probt sie alle zwei Tage für ein Theaterstück mit ausgiebigem Gesangsteil und schult dabei vor allem ihre Stimme. Das dürfte ihr auch im Herbst zu Gute kommen, falls es denn mit der Wahl und dem Wechsel nach Berlin klappt.

Marco Tobisch

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Buchloer Bauausschuss stellt Weichen für Sanierung des Freibades
Buchloer Bauausschuss stellt Weichen für Sanierung des Freibades
Lebensmittelkette aus Mauerstetten übernimmt Real in Kempten und Pentling
Lebensmittelkette aus Mauerstetten übernimmt Real in Kempten und Pentling
Sparkassenbilanz: Negativzinsen belasten den Markterfolg
Sparkassenbilanz: Negativzinsen belasten den Markterfolg
Ausbau der Ausweichschule St. Martin in Marktoberdorf geht voran
Ausbau der Ausweichschule St. Martin in Marktoberdorf geht voran

Kommentare