Pandemie hinterlässt ihre Spuren

Bundesverband der Gablonzer Industrie zieht Zwischenbilanz

Generalversammlung des Bundesverbandes der Gablonzer Industrie e.V. den Fragen der örtlichen Presse: Verbandsgeschäftsführer Thomas Nölle (v. li.) und die beiden Vorstände Wolfgang Schnabel und Peter E. Seibt.
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Stellten sich nach der Generalversammlung des Bundesverbandes der Gablonzer Industrie e.V. den Fragen der örtlichen Presse: Verbandsgeschäftsführer Thomas Nölle (v. li.) und die beiden Vorstände Wolfgang Schnabel und Peter E. Seibt.
  • VonKlaus-Dieter Körber
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Kaufbeuren-Neugablonz – Auch die Gablonzer Industrie hat unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu leiden. Die insgesamt 60 dem Verband angehörenden Unternehmen verbuchten im Geschäftsjahr 2020 ein Minus von 6,4 Prozent. Allerdings, so der Verbands-Geschäftsführer Thomas Nölle, müsse dieser im ersten Moment noch äußerst moderat erscheinende Wert mit Vorsicht behandelt werden. Bekannt wurden die Zahlen beim Pressegespräch, das traditionell nach der zuvor abgehaltenen Generalversammlung des Bundesverbandes der Gablonzer Industrie e.V. stattgefunden hatte. Neben Nölle stellten sich auch die beiden Vorstandsmitglieder Peter E. Seibt und Wolfgang Schnabel den Fragen der Presse.

Vor allem die Geschäftsfelder „Modeschmuck und Souvenir-Artikel“ würden für eine teilweise arg getrübte Stimmung sorgen. Schließlich müsse davon ausgegangen werden, dass in einigen Unternehmen sogar existenzielle Sorgen an erster Stelle stehen. Andererseits würden Firmen aus dem Bereich „Technik“ erfreuliche Umsatzsteigerungen melden. Die Streuung des eingegangenen Zahlenmaterials klaffe diesmal noch weiter auseinander als in den Vorjahren. Wirklich aussagefähige Zahlen gebe es aber nicht. Die Situation in den einzelnen Betrieben sei noch weniger vergleichbar als üblich. So sei das scheinbar moderate Gesamtergebnis nur mit Vorsicht zu genießen, so Nölle.

Wie die beiden Vorsitzenden Seibt und Schnabel übereinstimmend erklärten, sei der Inlandsumsatz massiv eingebrochen. Speziell für das Geschäftsfeld „Modeschmuck“ treffe dies im Besonderen zu. Durch gesetzliche Einschränkungen wurde nahezu der komplette Vertriebsweg stillgelegt. Das Ganze begann mit der Absage sämtlicher Messen und Ausstellungen und ging weiter bis zur teilweisen Schließung des Einzelhandels. Dadurch sei auch der Großhandel nahezu völlig zum Erliegen gekommen. Auch die Absage von Volks- und Trachtenfesten bis hin zum Münchner Oktoberfest und die Aussetzung touristischer Aktivitäten hätten die angespannte Lage zusätzlich belastet. Dirndl und Tracht konnten nicht „ausgeführt“ werden – daher kein Bedarf an Trachtenschmuck. So auch beim Fremdenverkehr – in den Touristikhochburgen waren Schneekugeln, Anstecknadeln und sonstige Souvenirs wegen fehlender Gäste nicht gefragt. Obendrein habe auch das verminderte Einkommen aufgrund anhaltender Kurzarbeit die Kauflaune entscheidend gestört und die Krise verschärft, so die Vorsitzenden.

Technik läuft

Unternehmen, die sich an den Bedürfnissen der aktuellen Lage anpassen und teilweise neue Geschäftsbereiche aufbauen konnten, erzielten dagegen gute, bis sehr gute Jahresergebnisse. Vor allem technische Baugruppen, die in den Bereichen Maschinenbau, Fahrzeugindustrie und Lüftungstechnik gebraucht werden, fanden eine verstärkte Nachfrage. Diesen Tatsachen ist es zu verdanken, dass Einbrüche auf der einen Seite durch entsprechende Zuwächse auf der anderen Seite das Jahresergebnis am Ende positiv beeinflusst haben, so die Vorstände.

Keine Entlassungen

Glücklicherweise blieben die befragten Mitgliedsunternehmen, wie Nölle erklärte, von Zahlungsausfällen oder Insolvenzen auf Kundenseite bis auf acht Prozent verschont. Entlassungen von Mitarbeitern konnten dank der aktuellen Regelungen für Kurzarbeit vermieden werden. Nur bei 17 Prozent der Mitgliedsfirmen habe es Erkrankungen von Mitarbeitern gegeben – andererseits gaben 42 Prozent an, dass Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden mussten. Etwa Dreiviertel der Befragten hätten die angebotenen staatlichen Coronahilfen beantragt. Obendrein hätten mehrere Unternehmen darüber geklagt, dass zu allem Überfluss empflindliche Preissteigerungen in den Bereichen Energie und Rohstoffe zu einer zusätzlichen Belastung geführt hätten.

Mit Stolz konnte zum Abschluss des Gespräches darauf hingewiesen werden, dass es fünf Unternehmen für langjährige Treue und Verbundenheit zum Verband zu ehren gab:

•Für 70 Jahre Mitgliedschaft: Feix Druckguss GmbH & Co KG, C. Hübner GmbH und Kamill Hübner & Sohn

•Für 60 Jahre Mitgliedschaft:

Franz Simm Metall- und Druckgusswaren GmbH und Gubo Schmuck GmbH

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