Bunte "Bosse-Welt"

Die Idee von Oberbürgermeister Stefan Bosse auf der Anhöhe in der Nähe der Fatimakapelle eine 57 Meter hohe Christus-Statue durch eine In- vestorengruppe errichten zu lassen, bewegt die Gemüter der Kaufbeurer. Zur anberaumten Diskussion am Montagabend im Stadtsaal kamen daher mehrere hundert Bürger und drückten mehrheitlich ihren Unmut über das Projekt aus.

Für Aufregung in der Bevölkerung sorgen derzeit die Überlegungen am Stadtrand eine „Mega-Christus”-Figur als Kirche zu bauen. „Heiße Kiste, aber schauen wir uns das mal an”, dachte sich Bosse, als er mit dem Thema konfrontiert wurde, erzählt der Oberbürgermeister dem Publikum und betont mehrfach: „Ich habe mich nicht dafür beworben, sondern dafür interessiert.“ Der Rathaus-Chef berichtet von seinem selbst entworfenen „Innovations-Trichter”, in dem die „bunte Welt aller Anfragen, Ideen und Projekte” zunächst landet. Anschließend prüfen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Ideen hinsichtlich Seriosität und Machbarkeit, wo allen voran auch die Finanzierung dazu zählt. Erst dann wird eine Entscheidung gefällt. Für das Vorhaben „Christus-Statue” betont Bosse daher ausdrücklich, dass „es keinen Cent an Steuermitteln kosten darf”. Das Gespann, Projektentwickler Harry Vossberg und der Künstler Ludwig Valentin Angerer, wollte das Projekt bereits in Bad Reichenhall und in Wassertrüdingen verwirklichen, wo es schließlich aus „Naturschutzgründen” beziehungsweise aus „Glaubensgründen” abgelehnt wurde. Die Gespräche seitens der Kaufbeurer Stadtspitze konzentrierten sich zuletzt auf den Künstler. Nach dem Entwurf von Ludwig Valentin Angerer soll die „Christus-Statue” eine ökumenische Kirche sein, wobei der klassische Kirchturm durch eine nach oben durchscheinende Christus-Figur ersetzt würde. Die Finanzierung sollte über Investoren und nicht über öffentliche Mittel sichergestellt werden. Für die Pflege und den Erhalt sollte dann eine Stiftung gegründet werden. Um dem erwarteten Pilgeransturm gerecht zu werden, könnten sich die Planer ein Hotel in der Nähe vorstellen. Bei einem Besuch hat Bosse dem 70-jährigen Künstler jetzt mitgeteilt, welche Punkte aus Sicht der Stadtverwaltung so nicht umsetzbar seien. Dazu zählen unter anderem, die Grösse, die Gestaltung und der Standort. Wichtig sei zudem, eine Trennung zwischen Kirche und wirtschaftlichen Aktivitäten sowie die Trägerschaft durch eine christliche Glaubensgemeinschaft. Angerer habe sich kompromissbereit gezeigt, berichtet Bosse. In der Diskussionsrunde formulieren einige Zuhörer ihre Stellung: „Sie verschandeln die ganze Gegend” und „das ist eine Zumutung für unsere Stadt”, spiegelen den Tenor von etwa vier Fünftel der Statements wider. Es gibt aber auch Stimmen, dass das Projekt zur „Belebung der Stadt” beitragen könnte. Ein Bürger äußert den Vorschlag: „Die Hälfte der Größe, solide ausgestattet, und mit Crescentia integriert wäre vorstellbar.” Hauptaufreger gerade bei den Kemnatern ist die geplante Höhe von 57 Metern. Da es sich im Kern um eine Kirche handeln soll, will Bosse zunächst die Kirchen stärker einbeziehen. Dekan Reinhold Lappat, ebenfalls Gast am Montagabend im Stadtsaal, „kann sich nicht vorstellen, dass es etwas für den Glauben bringt”. Für ihn ist klar: „Christus hält auch ohne die Figur die Hände über uns.”

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