Ein bunter Strauß der Kulturen

Die Sonne scheint im „Bunten Garten“ am Stadtrand von Neugablonz, als kürzlich neben den Gärtnern auch eine Delegation aus Südtirol zu Besuch war. Die ersten roten und violetten Tulpen blühen, grüne Salatköpfe sprießen direkt daneben. „Bunter Garten“ wird die Anlage, nicht nur der unterschiedlichen Pflanzengewächse wegen, genannt. Es ist ein bunter Garten auch weil die hier aktiven Gärtner aus den unterschiedlichsten Kulturen stammen.

Vor allem Russlanddeutsche, Türken, Ungarn und Deutsche bestellen gemeinsam, auf rund 5000 Quadratmeter, die vielen kleinen Gärten. Dabei machen sie vor, dass es für Menschen verschiedener Nationalitäten möglich ist, aufeinander zuzugehen, Vorurteile abzubauen und Raum für gegenseitigen Austausch zu schaffen. „In unserem Garten finden gelebte Demokratie und Annäherung der Kulturen auf kleinem Raum statt. Alle Teilnehmer bekommen die Möglichkeit, Verantwortung für ihr eigenes Stückchen Erde zu übernehmen“, freut sich Sabine Weißfuß, die Leiterin des BRK Freiwilligenzentrums „Schwungrad“, von dem das Projekt aktuell betreut wird. Kein Wunder, dass der „Bunte Garten“ weit über die Kaufbeurer Stadtgrenzen hinaus Interessierte anzieht, die die Erfahrungen des „Multi-Kulti-Experiments“ für ihre eigene Integrationsarbeit nutzen möchten. Kürzlich war eine Delegation von 58 Bildungsbeauftragten aus Südtirol angereist. Der Kaufbeurer Bürgermeister Gerhard Bucher begrüßte die Gäste und gewährte ihnen einen Einblick in die konkrete Zuwanderungssituation in Neugablonz. „In unseren Gemeinden in Südtirol hat das Thema Zuwanderung und Integration in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen“, so Delegationsteilnehmer Hubert Bertoluzza von der Landesverwaltung Bozen. In Südtirol gebe es, genau wie in Deutschland, das Problem, dass Zuwanderer häufig lieber unter sich bleiben und die Einheimischen ihre neuen Nachbarn mit Misstrauen betrachten. Sprachprobleme und Unterschiede in der Lebensweise seien oft schwer zu überbrücken. Über das Internet habe man von dem Gartenprojekt in Neugablonz erfahren. „Im Bunten Garten finden über das gemeinsame Hobby „Gärtnern“ Menschen zueinander, die sonst vielleicht nie miteinander in Kontakt gekommen wären. Das ist faszinierend zu beobachten“, so Hubert Bertoluzza. Begeistert waren die Tiroler auch vom reichhaltigen multikulturellen Buffet, das die Gärtner zubereitet hatten. Bei russischen Quarktaschen, tür- kischen Kohlröllchen und ungezwungenen Gesprächen konnten sich die Gäste leibhaftig davon überzeugen, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung, Christen und Moslems, Russen und Deutschen entgegen häufiger Vorurteile laufen kann. Die Delegationsteilnehmer waren am Ende des mehrstündigen Besuchs im Bunten Garten so beeindruckt, dass sie Sabine Weißfuß einen Geldbetrag zur Förderung des Projekts überreichten. Sie möchten zudem auf jeden Fall weiter mit dem Freiwilligenzentrum „Schwungrad“ in Neugablonz in Kontakt bleiben. Denn, so verspricht Hubert Bertoluzza stellvertretend für die anderen Tiroler Besucher: „So eine großartige Idee wie diese hier, muss buchstäblich Wurzeln schlagen. Wir werden versuchen, solch „Bunte Gärten“ auch in unserer Region zu verwirklichen.“ kb

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