Heute: Keine Burg, sondern die Suche nach dem Schauplatz einer dramatischen Schlacht

Serie: Burgen im Ostallgäu

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Heute wirkt diese Stelle bei Osterzell unspektakulär. Vor nicht ganz 400 Jahren trafen hier jedoch höchstwahrscheinlich die Truppen des schwedischen Generals Bahner und die der Tiroler aufeinander. Denn drei Füssener Bürger hatten den Schweden die Pläne der Tiroler verraten.

Osterzell – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote derzeit historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ berichtet diesmal nicht von einem ehemaligen Herrschersitz, sondern von einer Schlacht im Dreißigjährigen Krieg nahe bei Osterzell.

Der Dreißigjährige Krieg, ausgelöst durch den Prager Fenstersturz – man erinnere sich an den Geschichtsunterricht – verheerte zwischen 1618 und 1648 Europa. Im süddeutschen Raum überlebte beispielsweise nur ein Drittel der Bevölkerung die Kämpfe zwischen Konfessionen und Nationen sowie deren Folgen wie Seuchen und Hungersnöte. Im Jahr 1632 versuchten die Schweden, das gesamte Allgäu unter Kontrolle zu bringen. „Besonders die Stadt Füssen war im Fokus des General Baner“, erklärt Götz Finger. 

Um die Einnahme Füssens zu vereiteln, dafür wurden „Tiroler Kontingente“ vom Bischof von Augsburg, der auch Landesherr von Füssen war, verpflichtet. Finger gibt einen detaillierten Einblick in die damaligen Geschehnisse: „In Vorbereitung der Verteidigung Füssens beschafften die Tiroler Proviant für die Stadt in allen Gebieten des Hochstiftes Augsburg, so auch im Schloß Altensberg bei Aufkirch, Gemeinde Kaltental. Hier zog ein Trupp von Tiroler Soldaten unter dem Befehl von Graf Johann Albrecht von Oettingen vermutlich über die heutige Romantische Straße von Füssen über Unterdiessen nach Altensberg. Dort übernahmen die Tiroler 130 Fuhrwerke mit Getreide zur Versorgung von Füssen. Ein Teil der Truppe plünderte währenddessen auch das Schlösschen Oberbeuren bei Kaufbeuren. Anschließend vereinte sich der Trupp in Blonhofen wieder, um zurück nach Füssen zu ziehen. 

Gegen eine Übermacht 

„Vermutlich hat der Trupp die Strecke von Osterzell nach Dienhausen genommen. Denn ich nehme an, dass die Schweden an der Waldhausstraße, unweit nach der heutigen Bahnüberführung beziehungsweise dem Radweg, den Tiroler Truppen eine Falle gestellt hatten“, so Fingers Recherche. Denn die Schweden hätten laut Finger über einen entscheidenden Vorteil verfügt: „Die Füssener Bürger Freiberger, Reiter und Walz hatten den Schweden die Vorhaben der Verteidiger von Füssen verraten. Somit kam es dann vermutlich an dieser Stelle zu dem Treffen oder der Schlacht bei Osterzell“. Finger glaubt, dass es sich bei der beschriebenen Stelle an der Waldhausstraße um den Ort der Schlacht handelt, deren Verlauf „dank eines Wallersteiner Amtmanns Kleinhanns“ überliefert ist. „Vermutlich handelt es sich hierbei sogar um einen Augenzeugenbericht“, so Finger. Laut Kleinhanns hätten sich die Musketiere tapfer zur Wehr gesetzt, währenddessen ein Großteil der Offiziere und die gesamte Kavallerie die Flucht ergriffen habe. „Nur mit den Musketieren und einigen tapferen Reitern hat Graf Johann Albrecht von Oettingen den Schweden die Stirn geboten und den Proviant für Füssen verteidigt“, berichtet Finger. Als der Graf einsah, dass er gegen die Übermacht nichts ausrichten konnte, bat er einen der schwedischen Obristen um Quartier. „Um Quartier bitten bedeutete damals, sich ehrenvoll zu ergeben“, erklärt Finger. Quartier wurde ihm von dem schwedischen Obristen gewährt, was anscheinend den Quartiermeister der Schweden nicht interessierte. „Dieser setzte seine Pistole dem Grafen oberhalb des linken Ohres an und erschoss ihn, um ihn anschließend auszuplündern. Der gräfliche Leichnam wurde nach Asch geführt“. Hier verliert sich die Spur des Grafen. Weder in Osterzell noch in Asch fand der Burgenführer Hinweise auf die Schlacht und den Verbleib den Grafen. 

Sicher ist sich Finger aber dahingehend, dass es sich um eine größere Schlacht gehandelt haben muss. Denn allein die 130 Wagen hätten mit je zwei Mann Fuhrknechten schon 260 Mann dabei gehabt. Auch die Tatsache, dass die Schweden 200 Musketiere gefangen nahmen und diese bei sich „untersteckten“, sei ein Beweis für eine größere Schlacht bei Osterzell. „Unterstecken bedeutete übrigens in dieser Zeit, dass die Soldaten eine schwedische Feldbinde bekamen und ab sofort für diese Seite zu kämpfen hatten“, so Finger.

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