Serie: Burgen im Ostallgäu

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Das Hauptgebäude Bickenried heute.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis.

Fährt man von Irsee nach Kleinkemnat, so kommt man an dem Gut Bickenried vorbei. „Beim ersten Hinsehen ahnt der Besucher jedoch nicht, an welch geschichtsträchtigen Ort er sich befindet”, sagt Finger. Dieser Gebäudekomplex, der wie ein Hufeisen in der Landschaft liegt, und die angebrachten Wappen, sowie die Gedenktafel des Dr. Otto Merkt weisen auf die lange Vergangenheit dieses Ortes hin. 

Finger: „In welchem der Gebäude sich die alte Burg versteckt, ist nur durch die bauhistorische Erforschung möglich. Sicher ist, dass es eine Burg an diesem Platz gegeben hat”. 1263 stiftet ein Heinrich von Bickenried im Kloster Irsee einen Jahrtag. 

1279 vermacht ein Hainrich von Bickenried, der als letzter seines Stammes übrig geblieben ist, dem Kloster Irsee eine Burg. Die Burg selbst dürfte vermutlich zu diesem Zeitpunkt schon 100 Jahre bestanden haben, denn die Herren von Bickenried werden auch als Lehensnehmern der Markgrafen von Ronsberg erwähnt. Mit dieser Burg erhielt das Stift Irsee auch die niedere Gerichtsbarkeit. 

1764 wurde die Burg und das Gut Bickenried zu einem Rokokoschloss umgebaut. Hiermit wollte der Abt des Klosters Irsee zeigen, dass er nun nicht mehr nur Chef des Klosters war, sondern auch Landesherr über sein Territorium. Dieses „Reich“, über das der Abt nun regieren konnte, umfasste die Dörfer Ingenried, Pforzen, Leinau, Schlingen, Mauerstetten, Hausen bei Mauerstetten, Frankenhofen und Rieden. 

Ausgebaut wurde das Schloss im modernen Stil, wie es sich für einen „großen“ Landesherren gehörte, im Stil des Rokoko mit einem turmähnlichen Mittelteil, welches aus dem Hauptbau auch im Grundriss hervor sprang. Die gesamte Front wurde ab dem ersten Obergeschoß durch Pilaster vertikal gegliedert. In der Mitte, direkt über dem Haupteingang befand sich ein Balkon. Vervollständigt wurde das Schloss durch einen kleinen Schlosspark mit Ziergarten. 

Lange konnten die Äbte das Schloss nicht genießen. Denn 1803 ging das Gebiet des Klosters Irsee, anlässlich der Säkularisation, in das neue Königreich Bayern auf. Auch das Schloss Bickenried erhielt neue Besitzer, viele neue Besitzer, bis 1857, als Dr. med. Wolff das Schloss ersteigerte. 

Dieser neue Eigentümer machte aus dem Schloss Bickenried ein Kursanatorium, da man dem hier aus dem Boden kommenden Wasser eine heilende Wirkung zusprach. Dieses Sanatorium existierte bis 1870. In diesem Jahr fiel das Hauptgebäude einem Feuer zum Opfer und brannte vollkommen nieder, weiß der Burgenführer. 

Erst im Jahre 1934 erwarb dann der Kreistag von Schwaben das Gut und errichtete das heutige Hauptgebäude. Heute hat das Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren hier eine Außenstelle.

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