Serie: Burgen im Ostallgäu

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Die ehemalige Burg Seelinberg von Nord-Osten.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis. 

Folgt man der Straße von Marktoberdorf nach Unterthingau, erkennt man rechter Hand vor der Abfahrt nach Aitrang den bewaldeten Burghügel des Burgstalles Seelin. Der direkte Zugang zu der Burgstelle ist der Höllweg vom Schloss Unterthingau kommend in Richtung Osten. 

Nach einem großen Pferdestall mit zugehöriger Koppel kommt auf der linken Seite ein Feldweg der über das Anwesen der Familie Stöckle führt. Diesen folgt man und erreicht nach einigen Metern schon den Burgstall Seelinberg mit der gleichnamigen Kapelle. 

Der Seelinberg ist ein Vertreter des Typus Motte, dessen Plattform eine Außenlänge von 26 auf 30 Meter hat. Um den Berg hat sich rund herum der Graben erhalten, beziehungsweise im Norden und Osten nur noch die Sohle, wie Finger erklärt. Im Südwesten hat sich noch der komplette Graben mit dem dazu gehörigen Außengraben erhalten. „Im Süden stört die in den Berg hineingebaute Kapelle den Graben und den Hügel ganz massiv.” 

Finger erklärt: „Von der Vorburg hat sich nichts mehr erhalten, es ist jedoch anzunehmen, dass diese zwischen dem Hof der Familie Stöckle und der Burg gelegen ist. Von hier aus verlief auch vermutlich der ehemalige Zugang zur Burg.” 

„Die Geschichte der Burg ist leider überhaupt nicht bekannt”, so Finger. Auf dem Gedenkstein, der der Altbürgermeister Dr. Otto Merkt in den 30-iger und 40-iger Jahren des vorherigen Jahrhunderts gesetzt hat, ist nur zu lesen: „Burgstall Seelinberg – Eines unbekannten Geschlechtes”. „Dies ist nicht unüblich für Burgen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, denn aus dieser Zeit stammt aller Wahrscheinlichkeit nach diese Anlage”, weiß Finger. 

Viele Adelige, beziehungsweise Ritter, sind in diesem Zeitraum gar nicht in Erscheinung getreten oder man hat die Urkunden noch nicht gefunden. „Zusätzlich gibt es auch viele Adelige, die bei keiner Urkundenbezeugung, keinem Hoftag oder ähnlichem zugegen waren. Folglich gibt es auch keine Nennung derselben.” 

Der Begriff Ritterburg trifft auch nicht immer zu. Denn die Adeligen dieser kleinen Burgen setzten sich aus den Dienstmannen oder Ministerialen zusammen, die meist einem nächst höheren Herren unterstellt waren. Finger: „Der Begriff Ritter bezeichnete damals nur die Elite der Berittenen der damaligen Zeit. Der Rittertitel musste von einem Grafensohn, Herzogssohn oder Königssohn ebenso verdienst werden, wie von dem einfachen Dienstmannen”. 

Diese Dienstmannen stellten die untere Stufe des Adels dar. Es gab im hohen Mittelalter – so wird der Zeitraum von circa 1066 bis 1330 genannt – viele Dienstmannen, die nie den Ritterschlag erlangt hatten, da sie sich die Kosten, die damit verbunden waren, nicht leisten konnten. 

Bei der Seelinberg ist noch ein weiterer Grund möglich, warum es keine geschichtlichen Erkenntnisse gibt. „Denn der Name Seelin, der nicht von der Seele her stammt sondern von den Seen, die es im Umkreis mal gegeben hat, ist vermutlich erst eine neuere Bezeichnung dieser Burg. Da der alte Burgname nicht bekannt ist, ist es auch schwer jemandem diese zuzuschreiben”, so der Burgenführer. 

Es gibt nur die Sage von einem unterirdischen Gang zur Geisburg auf dem Haugen. „Solche ,Gang- sagen’ gibt es viele, jedoch gefunden hat noch niemand einen.” Meistens bedeutet diese Sage, dass beide Orte etwas miteinander zu tun hatten. „Dies ist bei der Burg Seelinberg und der Geisburg nicht verwunderlich, denn beide liegen sich fast genau gegenüber”, so Finger.

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