Serie: Burgen im Ostallgäu

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Eine Infotafel an der Burg Freyberg zeigt den imposanten Grundriss. Bildlegende: 1a und b: Kemenaten, 1c: Kapellenturm, 1d: Innenhof, 1e: Altan, 1f: Donjon/Bergfried, 1g: Altes Tor, 2: Blockhaus, 3: Zisternenturm/alter Torturm, 4: Nordkurtine, 5: Nordwestturm, 6: Artillerierondell, 7a und b: Räume (Reiterstube und Pfisterei?), 7c: Küche, 8: Torhalle, 9: Südkurtine, 10: Neues Tor, 11a bis d: Neues Tor, 11b: Torbau, 12: Zwingermauern, 13: Schießstand, 14: Nordostturm, 15: Äußerer Halsgraben, 16: Alter Burgweg, 17: Neuer Burgweg.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wur- de von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote in den nächsten Wochen historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor.

Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis. 

Wie ein großes Schiff liegt die Burg Hohenfreyberg oberhalb von Zell (Gemeinde Eisenberg). Sie gehört zu den spektakulärsten und größten Ruinen im Allgäu und wurde seit 1995 unter Leitung von Burgenforscher Dr. Joachim Zeune saniert. Die Burg ist sowohl von einem Parkplatz an der OAL2 als auch von dem Ort Zell fußläufig zu erreichen, bis zur Gaststätte Schloßbergalm ist der einspurige Weg auch mit dem Auto befahrbar. 

Mit einer Fläche von 2300 Quadratmetern, einer Länge von 90 Metern und Breite von 30 Metern gehört die Hohenfreyberg zu den größten Burgruinen im Allgäu und Bayern. „Die Hohenfreyberg ist auch die einzige Burg im Allgäu, von der ein genaues Baujahr bekannt ist. Denn im Jahre 1418 begann Friedrich von Freyberg den letzten Burgenneubau im Allgäu und Bayern, in einer Epoche in der allmählich die alten Burgen entweder zu Wohnschlössern oder zu modernen Festungen umgebaut wurden“, erklärt Götz Finger. 

Fertig geworden sei Friedrich von Freyberg erst 1423 mit seiner Anlage. „Hierzu sollte erwähnt werden, dass dieser Friedrich von Freyberg einer der Söhne der Freyberg-Eisenberger war, und somit nur über die Hälfte der Herrschaft verfügte, zu der Eisenberg, Zell, Weizern, Hopferau und einige kleine Weiler in der Umgebung gehörten“, so Götz Finger. Sprich: Die Burg war viel zu groß für diese kleine Herrschaft und dementsprechend schwer gestaltete sich nach bisherigen Erkenntnissen auch die Finanzierung. 

In der zweiten Bauphase um 1460 wurde unter anderem ein Artillerieblockhaus (Siehe Plan, Nr. 2) errichtet. „Denn durch die Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen im Jahre 1453 haben auch die Burgherren im Allgäu die Notwendigkeit erkannt, die Burgen gegen Pulverwaffen zu verbessern“, erklärt Finger. 

Nach 1480 werden die Habsburger als neue Herren von Hohenfreyberg genannt. Denn Friedrich von Freyberg musste, vollkommen überschuldet, die Burg an die Grafen von Tirol veräußern. Von 1480 bis 1542 wurde eine sehr große Baumaßnahme an der Burg durchgeführt. Unter anderem wurden das Artillerierondell (Plan: Nr. 6), der Zwinger (Plan: Nr. 12 und 13), sowie die Mauern des Artillerierondells erhöht (11a, 11d) und die neue Toreinfahrt (11b) errichtet. 

Vor allem beim Artillerierondell wurden, so Finger, „sehr interessante Baumaßnahmen“ getroffen. Unter anderem sei der Mauerbereich mit Quermauern versehen sowie der ganze Bereich bis zum Tor mit Erde aufgefüllt und oben mit Nonneziegel und Platten als Geschützplattform ausgebaut worden. „Während des Bauernkrieges 1525 wurde die Hohenfreyberg nicht eingenommen, da der Kaufmann Georg Gossembrot, der die Burg von den Habsburgern als Pfand innehatte, 30 zusätzliche Landsknechte für die Verteidigung der Hohenfreyberg angeworben hatte“, weiß Finger. 

Die letzten Baumaßnahmen an der Hohenfreyberg seien dann in den Jahren 1607 bis 1609 durchgenommen worden. Während des 30-jährigen Krieges wurden laut Götz Finger sämtliche Artillerie von der Hohenfreyberg, wie auch von vielen anderen Burgen dieser Gegend ab- und auf der Veste Ehrenberg zusammengezogen. „1646 haben dann die Tiroler Truppen endgültig die Hohenfreyberg und auch alle anderen umliegenden Burgen angezündet, um diese als Unter- schlupf für marodierende Soldatenhorden unbrauchbar zu machen“. 

Ab 1995 wurden dann an der Hohenfreyberg, unter Federführung des Burgenforschers Dr. Joachim Zeune, Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt. „Heute ist die Hohenfreyberg Beispiel einer mustergültigen Sanierung und mittlerweile zu einer der am besten erforschten Burgen in Bayern geworden“, so Finger abschließend.

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