Serie: Burgen im Ostallgäu

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Von der einstigen Burg mitten im Ort Unterthingau kündet heute noch ein imposanter Hügel.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote in den nächsten Wochen historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor.

Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis. 

Die Reichenbachschanze als, so Götz Finger, ein „sehr schönes Beispiel des Burgentypus Motte“ liegt mitten in Unterthingau und zwar zwischen dem Reichenbach und der Burgangerstraße. Der Hügel, der etwa sechs Meter hoch ist, lässt auf den nahezu quadratischen Grundriss schließen und wird umgeben von einem breiten Graben, der vermutlich einmal Wasser geführt hat. „Von einem zweiten Graben, der ursprünglich in den Reichenbach mündete, ist leider nichts mehr erhalten“, so Finger. 

„Im Südwesteck vor dem Burghügel wurden aber auf einer freien Fläche vor einigen Jahren Teile der Vorburg mit einer kleinen Schmiede freigelegt.“ Die sogenannte Wasserburg, die einst auf der Reichenbachschanze stand, wird den „Ritznern von Thingau“ zugeschrie- ben, dem zweiten großen Orts-adelsgeschlecht in Unterthingau. 

Ursprung dieser Familie soll der Sage nach im 10. Jahrhundert ein „Heinrich der Kemptener“ gewesen sein, der, so erzählt Götz Finger, „in einer mutigen Tat, unbekleidet aus dem Badzuber steigend, einem Kaiser Otto in Italien das Leben gerettet haben soll“. Von diesem Ereignis berichtet auch ein Bild auf dem Kemptener Rathaus. 

Auf diese Weise soll die Familie der Ritzner, deren Ursprung eigentlich der heutige Burgstall Campimont bei Buchenberg gewesen sein soll, in den Besitz der Herrschaft Thingau gelangt sein. Erste urkundliche und damit geschichtlich nachweisbare Belege dieser Familie sind jedoch erst ab dem Jahr 1268 zu finden. Die Ritzner waren von diesem Zeitpunkt an schon Lehensnehmer des Stiftes Kempten. 

Historie und Funde 

• 1290 wird Ulrich Ritzner als Gefolgsmann von Abt Konrad erwähnt, der in diesem Jahr nach St. Gallen reiste. • Im 14. Jahrhundert teilte sich das Geschlecht in die Linien zu Überbach (bei Probst-ried), Memhölz (westlich von Kempten) und Thingau. 

• 1338 und 1357 Erwähnung eines Herrmann Ritzner von Thingau. 

• 1345 bezeugt Ulrich oder Ultz der Ritzner von Thingau einen Vergleich über ein Gut in Beckstetten, welches dem Kloster Steingaden gehörte. 

• Ende des 14. Jahrhunderts erwirbt das Kloster Kempten Güter und Schloss in Thingau, zu dem vermutlich auch die Reichenbachschanze gehörte. Die Wasserburg wurde laut den Lesefunden, die auf der Burgstelle gemacht wurden und werden, erst in der zweiten Hälfe des 15. Jahrhunderts aufgegeben, weiß der Burgenführer.

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