Die Festung Ehrenberg – Schauplatz vieler Auseinandersetzungen

Serie: Burgen im Ostallgäu

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Burg Ehrenberg von Norden aus Sicht der Fernpass-Straße bei Reutte.

Außerfern (Tirol) – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wur- de von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote derzeit historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Landkreis vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ berichtet diesmal über die Festung Ehrenberg. 

Südlich von Reutte, in Richtung des Fernpasses, sind die Burg Ehrenberg, das Fort Claudia und die Festung Schlosskopf schon hoch über der Straße sichtbar. Weiter im Tal liegt die Klause, die ebenso zum Festungsensemble gehört. Die Burg Ehrenberg ist wohl eine der bekanntesten und bei Ausflüglern sehr beliebte Burgruine in der Region. Sie liegt westlich oberhalb der Klause und wurde 1290 von Grafen Meinhard von Tirol in Auftrag gegeben. Die Klause selbst, welche an der alten Via Claudia liegt, ist vermutlich schon wesentlich älter. „Denn hier bot es sich schon immer an, die Straße zu sperren um Zölle zu verlangen“, erklärt Götz Finger. 

„Die erste Burg Ehrenberg bestand wohl aus einem festen Haus und einer Ringmauer. Feste Häuser waren damals eine Mischung aus einem Palas repräsentativer Saalbau) und einem Wohnturm“, so der Burgenführer weiter. Im 14. Jahrhundert sei die Ehrenberg sehr häufig verpfändet worden. Dieses Pfand sei bei den Gläubigern sehr begehrt gewesen, denn „die Klause war ein Garant für sprudelnde Zolleinnahmen“. 

In dieser Zeit, so Finger, ging die Burg durch viele Hände, denn „die Grafen von Tirol oder auch später die Herzöge von Österreich brauchten immer mehr Geld als sie zur Verfügung hatten“. Unter anderem lebte um 1502 der Augsburger Kaufmann Georg Gossembrot auf der Festung Ehrenberg. Dieser veranlasste, dass Reutte die Marktrechte erhielt. Er war aber beim Volk nicht sehr beliebt und es heißt, dass er 1502 in Füssen vergiftet worden sein soll. 

• 1525 veranlasste das aufgebrachte Tiroler Volk den Herzog von Österreich, das „Pfand“ wieder einzulösen. Denn mit dem als sehr grausam geltenden Spanier, Gabriel Salamanca, der die Burg zu dieser Zeit hielt, war die Bevölkerung nicht zufrieden. 

• 1546 erhielt die Veste Ehrenberg mit der Klause ihre erste militärische „Feuertaufe“. In diesem Jahr drohte die Festung durch den Schmalkaldischen Bund eingenommen zu werden. „Mehrere protestantische Fürstentümer, Grafschaften und Städte hatten sich in dieser Zeit gegen den katholischen Kaiser Karl V in dem thüringischen Schmalkalden zusammengeschlossen“, erinnert Finger. Treibende Kräfte waren dabei die Herzöge und Kurfürsten von Sachsen. 

Götz Finger beschreibt die damaligen Ereignisse so: „Um die Ehrenberg zu sichern, wurde angeordnet, das vier Personen zu Bewachung des Schlosses, sowie zwei oder drei Knechte für die Klause in dienst gestellt werden sollten. Zudem wurden mit Hans Graff, einem erfahrenen Truppenführer, 200 Mann nach Ehrenberg geschickt, um Verteidigungstruppen aufzustocken. Jedoch kamen von den 200 Untertanen, die für die Verteidigung vorgesehen waren, gerade mal 29 Mann nach Ehrenberg. Das diese verschwindend kleine Truppe überhaupt keine Chan-ce gegen 2000 Schmalkaldischen Truppen hatte, war dem damaligen Pfleger der Region, Jakob von Thun, klar. Also übergab er die Klause und die Veste am 12. Juli 1546 bedingungslos den Feinden. Die Schmalkalden mussten jedoch die Festung räumen, nachdem am 4. September 1546 die Tiroler sieben Kanonen auf dem gegenüberliegenden Falkenberg (heute der Bereich des Forts Claudia) aufgebaut und von dort aus die Burg beschossen hatten. Die Beseitigung der dadurch entstandenen Schäden dauerte bis 1551“. 

Schlacht mit 20.000 Mann? 

Die in Ehrenberg jedes Jahr dargestellte Schlacht, die angeblich während den Schmalkaldischen Krieges geschlagen wurde und an der um die 20.000 Mann auf jeder Seite teilgenommen haben sollen, können bislang geschichtshistorisch laut Finger übrigens nicht belegt werden. Vor allem die Truppenzahlen geben Anlass zu Spekulation, denn wie bereits erwähnt, stellten die Schmalkalden nur 2000 Mann. 

• 1552 umging Moritz von Sachsen die Klause über den Falkenberg. Die Burg Ehrenberg selbst, die von einem Friedrich von Hausen und dem Innsbrucker Büchsenmacher und Erzgießer Gregor Löffler verteidigt wurde, konnten die Sachsen nicht einnehmen. 

• „1632, also mitten im Dreißigjährigen Krieg, wurde die Festung Ehrenberg der neuen Waffentechnik angepasst. Zudem wurden Geschütze von vielen kleinen Burgen im Allgäu ab- und auf der Ehrenberg zusammengezogen. Dies geschah zur rechten Zeit, denn in diesem Jahr versuchten 6000 Mann unter Herzog Bernhard von Weimar die Klause einzunehmen, was aber von den Tiroler Truppen verhindert wurde“, so Finger. 

• 1639 veranlasste Claudia von Medici, Witwe von Erzherzog Leopold V, die Errichtung des Fort Claudia, um den Falkenberg zu sichern. 

• 1703, während des Spanischen Erbfolgekriegs, eroberten die Bayern Ehrenberg und die Klause. Sie wurden jedoch einen Monat später von dort wieder vertrieben, da die Österreicher einfach auf dem über der Burg liegenden Schlosskopf Kanonen aufstellten und von dort aus die Burg beschossen. 

• Die letzten großen Baumaßnahmen fanden von 1726 bis 1741 statt. In diesen Jahren wurde oberhalb der Burg Ehrenberg die damals moderne Festung Schlosskopf errichtet. 

• Nach 1750 wurden die Festungen Ehrenberg, das Fort Claudia, die Festung Schlosskopf und die Klause allmählich aufgelassen und sogar als Steinbruch verkauft. • „Heute führen die Ruinen Ehrenberg, Klause, Fort Claudia und Schlosskopf durch mehrere Jahrhunderte des Festungsbaues in Europa – vom Mittelalter bis zur Neuzeit“, so Finger.

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