Weihnachtliche Politsatire

Die „Buronische Weihnachtsgeschichte“ in der Stadtbücherei Neugablonz

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Christian Adolf alias „der Schrecken des braven Bürgertums: Adolf von Buron“ und Melanie Straßer, „das Rotkehlchen unserer Stadt, Karel Gott in weiblich, jung und schön“.

Kaufbeuren-Neugablonz – Vergangene Woche erlebte die 2015 begonnene „Buronische Weihnachtsgeschichte“ in der Neugablonzer Filiale der Stadtbücherei ihre jährliche Fortsetzung.

Christian Adolf alias „die höchste Stirn der Altstadt, der Dschingis Khan unter den Germanen und Schrecken des braven Bürgertums: Adolf von Buron“ (an anderer Stelle auch als „der alte Sack mit Glatze und Perlenbart“ vorgestellt) hatte 2015 bei der ersten Flüchtlingswelle aus Syrien die Idee, die Weihnachtsgeschichte ins neuzeitliche Kaufbeuren zu transferieren. Zusammen mit Melanie Straßer, „zwischen all den Krähen und Tauben das Rotkehlchen unserer Stadt. Die Reinkarnation von Karel Gott, in weiblich, jung und schön“ (an anderer Stelle auch als „so ne junge Tussi vom Jobcenter“ vorgestellt), verknüpft er die biblische Überlieferung mit aktuellen Ereignissen in Form einer musikalischen Erzählung. 

Alle sollen die Geschichte erleben können

Dabei war ihm von Anfang an wichtig, dass alle Menschen die Möglichkeit bekommen sollten, die Geschichte bei einem geselligen Beisammensein zu erleben, auch diejenigen, die finanziell weniger gut gestellt sind. Daher findet die „Buronische Weihnachtsgeschichte“ bei freiem Eintritt in den Kneipen der Kaufbeurer Altstadt und in einem Open-Air-Finale am Neptunbrunnen statt. 

Der einzige Veranstaltungsort, wo die Buronische Weihnacht Eintritt kostet, ist die Stadtbücherei Neugablonz. Dennoch war auch sie bis auf den letzten Platz ausverkauft. Passend zu einer Veranstaltung in der Stadtbücherei hatte die Neugablonzer Filialleiterin Ev Waldmann Gebäck und „literarische“ Weine mit den Namen „Lesestoff“ und „Carl Zuckmayer“ besorgt.

In der Geschichte ist inzwischen der im Kaufbeurer Klinikum geborene kleine Jesus vier Jahre alt und hat im Kindergarten St. Josef in der Heinzelmannstraße einen besten Freund gefunden – den kleinen Mohammed, der vor kurzem aus Mekka in Kaufbeuren ankam. Der Heilige Josef, wegen seiner Begeisterung für den ESVK „Joker-Joe“ genannt, hat Mohammed adoptiert und ist mit der Familie aus der Wohnung über dem Biersalon in eine Eigentumswohnung in der Münzhalde umgezogen. Bei einem Gang durch die Stadt fallen ihm viele Missstände auf und er beschließt, als OB-Kandidat künftig politisch kräftig mitzumischen.

Kabarettistisches Fett wegbekommen

Beim Bockbieranstich heißt es, wer nicht derbleckt wird, ist „niemand“. Demnach muss Bernhard Pohl dem Barden wichtig sein, denn er wird wieder ordentlich aufs Korn genommen. Im Fortgang der „humorvollen und systemkritischen, aber auch philosophischen und tiefgründigen“ Erzählung bekam jedoch der Reihe nach auch so gut wie alles andere, was 2019 irgendwann irgendwie von sich reden machte, in populären Songs mit neuen Texten sein kabarettistisches Fett weg: OB Stefan Bosse, Herbert Stumpe und „Die PARTEI“ (auf Paurisch!), die „Apostel“ vom letzten Jahr, der ESVK, nach wie vor das Geschäfte­sterben in der Altstadt, das Adventskalender-Fiasko am Rathaus und der teure Stern beim Weihnachtsmarkt, die „Klagemauer“ mit kreativen Routenvorschlägen für neue Nachtwächterführungen, die Freuden einer Hochschulstadt, die gezielte Umgestaltung der Altstadt zum „größten Freilichtmuseum der Welt“ und last, but not least die Kommunalwahl 2020 nebst den OB-Kandidaten.

Und als das Publikum es sich bereits in heiterem Spott und den einleitenden Klängen von „Stille Nacht“ gemütlich gemacht hatte, wurde es zum Abschluss meuchlings wieder aufgerüttelt. Das trauliche Weihnachtslied enthielt nun den (nebenbei großartig gereimten) Aufruf, endlich aufzuwachen und nicht tatenlos zuzusehen, wie die Erde „stirbt ungeacht‘“.

„Die Buronische Weihnachtsgeschichte 2019“ mit Melanie Straßer und Adolf von Buron findet noch am kommenden Montag, 23. Dezember, um 20 Uhr beim Neptunbrunnen in der Kaiser-Max-Straße statt (bei schlechter Witterung in der Sparkassenpassage).

Ingrid Zasche

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