Chance für einen Neubeginn?

Durch das Thema „Krisenzeit! - Chance für Neubeginn oder Exodus?“ der von der Sparkasse Kaufbeuren veranstalteten Podiumsdiskussion war fast „vorprogrammiert", dass der Stadtsaal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Und die Namen der auf der Bühne sitzenden „Experten" taten ein weiteres dazu, dass das Publikum sehr gespannt der Dinge harrten, die da kommen würden.

Der Vorstandsvorsitzende der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren, Winfried Nusser, begrüßte alle Anwesenden, an ihrer Spitze den „Hausherrn" Oberbürgermeister (OB) Stefan Bosse, Landrat Johann Fleschhut und Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger. In den Sesseln auf der Bühne hatten neben Nusser Platz genommen: Der Fernsehjournalist Ulrich Wickert (seit 1969 beim Fernsehen); Dr. Martin Hüfner, Chefvolkswirt bei Assenagon; Dr. Friedemann Greiner, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing sowie der Journalist (gelernter Banker) Hans-Joachim Vieweger vom Bayerischen Rundfunk als Diskussionsleiter. Die Eingangsfrage Viewegers richtete sich zwangsläufig an Nusser: „Wie ist es zu dieser Krise gekommen?" In seiner Antwort stand zuvorderst der Satz: „Man kann das Thema schon bald nicht mehr hören!" Dann ging er in Details: „Bereits 2007 standen Schlangen vor den Banken in England und USA, um sich ihr sauer Erspartes auszahlen zu lassen!" Die seinerzeit noch üblichen „Finanzkonstrukte", Kredite nach draußen zu verkaufen, um die Eigenkapitaldecke zu schonen, wurden aber „munter weiter gehandelt". Winfried Nusser erklärte manches „Bankchinesisch" und kam schließlich zu dem Fazit: „Es ist nicht nur eine Bankenkrise, sondern strahlt aus auf alle anderen Wirtschaftszweige, wobei die Sparkassen - insbesondere die in Kaufbeuren - und die Genossenschaftsbanken auf der am wenigsten lädierten Seite stünden. Für Ulrich Wickert stand die Frage im Vordergrund: „Wie reagiert die Presse (die Medien schlechthin) auf Krisen?“ Und stellte fest: „Zunächst mit Übertreibungen!“ Er nannte als Beispiel, dass die Wirtschaft auf Bali völlig zusammenbrach, nachdem weltweit die „aufgebauschte" schlechte Nachricht von einem Attentat bekannt geworden war. Sein Resümee: „Wir Journalisten haben auch eine Verantwortung.“ Chefvolkswirt Dr. Martin Hüfner meinte: „Wir wollen nicht mehr über die Krise reden, denn es gibt Chancen, sehr viele sogar! Er empfahl, in der Krise die Moral zu stärken und uns mehr Gedanken über „Transparenz" zu machen. Und er offenbarte: „Es gibt ein Land, das nicht betroffen ist: China!“ Gleichzeitig warnte Dr. Hüfner: „Durch die hohe Staatsverschuldung in Deutschland ist eigentlich die nächste Krise vorprogrammiert = Inflation. Es gibt nur eine Chance diese zu vermeiden: Die Zentralbank muss die Zinsen erhöhen und die Steuern - im Gegensatz zu dem, was die Politik derzeit sagt - müssen erhöht werden!“ Dr. Friedemann Greiner (von 1984 bis 1991 evangelischer Pfarrer in Kaufbeuren) gab bei seinem State- ment zu erkennen, dass er daran zweifelt, dass die Krise schnell zu bändigen ist. Es bedarf mehr Ethik, oder wie er es an dem Abend ausdrückte: „Protestantischer Nüchternheit.“ Und so fuhr er fort: „Angesagt ist Umkehr. In Zukunft wird sich verbieten, über die 'höchsten Gewinne' nachzudenken. Kapitalismus ohne Ordnungsrahmen ist menschenfeindlich. Dieses 'Mehrhabenwollen', dieser Eigennutz, muss sich wieder in Allgemeinnutzen wandeln!“ Das ergänzte Ulrich Wickert: „Unser Denken war nur noch ökonomisch bestimmt und nicht mehr ethisch.“

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