Chöre stärker wahrnehmen

Der Chorverband Bayerisch-Schwaben (CBS) möchte seine gesellschaftspolitische Verantwortung noch stärker in der Öffentlichkeit vertreten und gewinnt dafür einen neuen Präsidenten mit Landtagsabgeordneten Dr. Paul Wengert, sowie einen Ehrenpräsidenten mit Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger. Bei einer Pressekonferenz vergangene Woche in der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf erklärte der scheidende Präsident Jürgen Schwarz die Hintergründe und neue Zielrichtung.

„Wo bleibt der Mensch?“ – Diese Frage stellte sich Schwarz bereits vor drei Jahren. In einer schnellen, unübersichtlichen Welt, wo schneller Spaß und Leistung zählen, hat es ein Freizeitvergnügen mit großem Aufwand und wöchentlichen Proben wie das Chorsingen schwer. „Deshalb benötigen wir neben guter inhaltlicher Arbeit und erfolgreichem Verbandsmanagement auch eine verbesserte gesellschaftspolitische Veranker- ung und öffentliche Wahrnehmung“, so Schwarz. Zu diesem Zweck soll nun das Präsidium des CBS erweitert werden. Ab kommendem Jahr soll Landtagsabgeordneter und selbst leidenschaftlicher Chorsänger Paul Wengert den derzeitigen Präsidenten Jürgen Schwarz ablösen. Für Schwarz ändert sich dabei praktisch nur der Titel zum „geschäftsführenden Vizepräsidenten“. Zusätzlich wird Weihnbischof Anton Losinger, der sich selbst als „Liebhaber der Chormusik“ bezeichnet, zum Ehrenpräsidenten ernannt. Er freut sich, sich nachhaltig für die gute Sache und vor allem für das Singen in Familie, Kindergarten und Schule einzusetzen. Auch Karl Zepnik, Leiter der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf, wird ab kommendem Jahr den CBS unterstützen. Zepnik wird für den neu geschaffenen Fachbereich „Schule und Ausbildung“ zuständig sein. Die Nachwuchsgewinnung und -förderung ist auch Wengert besonders wichtig. „Singen fördert die Sozialkompetenz und die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen.“ Das Gemeinschaftserlebnis führe zu mehr Lebensfreude und Kontaktstärke. Genau diese gesellschaftliche Verantwortung soll stärker in den Mittelpunkt der Verbandsarbeit rücken. Zu den neuen Zielen gehört außerdem eine ausgewogene Leistungspyramide: In der Breite soll es Chöre für jedermann geben, die dann aber auch gefördert und gefordert werden sollen, beispielsweise durch Wertungssingen. Karl Zepnik betont, dass der CBS aufgeschlossen für alle Arten des Chores sei. Ob gemischte Chöre, Männer- oder Frauenchöre, Ensembles, weltliche oder geistliche Chöre – der CBS ist offen für jeden. Wichtig ist natürlich auch die Finanzierung des Vorhabens. Wengert kann als Mitglied des Bayerischen Landtags die Entwicklung der Zuschüsse an Laienmusikverbände sozusagen „aus der ersten Reihe“ beo- bachten. Das große ehrenamtliche Engagement in den Chören und die Leistung für die Gemeinschaft seien anerkennenswert und müssen gefördert werden. Der Staat müsse dafür die Rahmenbedingungen schaffen. Im Mittelpunkt soll aber für das neue Präsidium ganz klar der Mensch und das Miteinander stehen. Am 16. Januar wird den Verbandsmitgliedern eine Satzungsänderung mit der Präsidiumserweiterung vorgelegt und das neue Präsidium gewählt.

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